Das Museo del Cine Pablo Ducrós Hicken ist ein Filmmuseum in Buenos Aires. Es wurde 1971 gegründet und widmet sich seitdem der Bewahrung, Forschung und Verbreitung des argentinischen Filmerbes.
Derzeit verfügt das Institut über zwei Standorte im Stadtteil La Boca von Buenos Aires: den Hauptsitz mit den Ausstellungsräumen (Agustín R. Caffarena 51) sowie den Standort für das Archiv, die Videothek, die Bibliothek und die Zeitungsbibliothek (Ministro Brin 615).
Das Museum geht auf die private Sammlung des argentinischen Essayisten Pablo Cristian Ducrós Hicken zurück, die von seiner Witwe gestiftet wurde.
Geschichte
Das Filmmuseum wurde am 1. Oktober 1971 gegründet, nachdem Frau Jacinta Vicente de Ducrós Hicken die Filmsammlung ihres verstorbenen Ehemanns Pablo Ducrós Hicken gestiftet hatte. Ihre einzige Bedingung war, dass die neue Einrichtung den Namen des Forschers, Journalisten, Essayisten, Filmemachers und Mitglieds des Instituto Nacional Sanmartiniano tragen sollte. Sie trägt seinen Namen seit dem 23. Mai 1975.
Das Museum ist mehrmals umgezogen seit seiner Gründung in 1971. Der erste Sitz war Teil des "Teatro Municipal General San Martín". Anschließend gehörte er zum inzwischen nicht mehr existierenden Instituto Torcuato Di Tella. Danach befand es sich eine Zeit lang in dem Gebäude, in dem heute das "Centro Cultural Recoleta" untergebracht ist. Nach weiteren Umzügen bezog das Museum im Juni 2011 schließlich seinen aktuellen Hauptsitz in einem historischen Gebäude im Hafengebiet La Boca. Das Gebäude wurde 1916 für eines der ehemaligen Stromversorgungsunternehmen der Stadt, die CIAE („Compañía Ítalo Argentina de Electricidad“), errichtet.
Der Kritiker und Forscher Jorge Miguel Couselo leitete das Institut als erster von Februar 1972 bis Mai 1976. Ihm folgte der Gründer der Cinemateca Argentina und renommierte Kritiker Rolando Fustiñana bis Juli 1981. Danach waren Guillermo Fernández Jurado, José María Poirier Lalanne und David Blaustein als Direktoren tätig. Seit 2008 wird das Institut von der Forscherin und Professorin Paula Félix-Didier geleitet.
Sammlung
Der Kern der Sammlung des Museums bilden die 65.000 Filmrollen im 16- und 35-Millimeter-Format, die von Produktionen aus den Anfängen des Stummfilms bis hin zu den modernsten Filmen reichen. Zur Filmsammlung gehört auch das Nachrichtenarchiv des Fernsehsenders Canal 9 aus Buenos Aires. Dieses enthält 12.000 Filmrollen der Wochenschau Sucesos Argentinos, die 40 Jahre an Ausgaben ab 1938 umfassen, sowie eine ähnliche Anzahl von Filmrollen mit den Nachrichtensendungen EPA, Noticiario Panamericano und Nuevediario.
Hinzu kommt die Sammlung von Manuel Peña Rodríguez, durch die mehrere als verloren geglaubte Stummfilme gerettet werden konnten. Im Jahr 2008 wurde in dieser Sammlung eine nahezu vollständige 16-mm-Kopie von Fritz Langs Metropolis entdeckt. Sie enthielt 26 Minuten des Films, die als verloren galten. Dadurch war es möglich, die rekonstruierte Version von 2010 zu erstellen, bei der nur noch acht Minuten der Originallänge fehlen.
mini|300x300px|Eine der Filmrollen der fast vollständigen Kopie von 'Metropolis' aus Buenos Aires.
Die Sammlung des Filmmuseums umfasst neben Filmen auch Gegenstände aller Art, die bei der Produktion oder Vorführung von Filmen zum Einsatz kamen. Zu sehen sind nicht nur verschiedene Elemente der Filmtechnik wie Kameras, Kulissen und Projektoren, sondern auch originale Requisiten, Kostüme und Bühnenbildmodelle sowie jegliche Dokumentation im Zusammenhang mit nationalen Produktionen. Dazu zählen unter anderem Drehbücher, Produktionsberichte, Pressemitteilungen, Fotografien, Werbematerialien sowie Kritiken. Zu seiner Kinemathek, die die bedeutendste öffentliche Filmsammlung des Landes beherbergt, kommen eine Videothek, ein Zeitungsarchiv und eine Bibliothek mit Materialien zur Geschichte des Kinos hinzu. Hervorzuheben sind außerdem die originale Lumière-Kamera, die sich im Besitz des Museums befindet, sowie die Pathé-Kamera, mit der Mario Gallo 1909 La revolución de Mayo drehte – die erste professionelle Produktion des argentinischen Kinos. Ebenfalls bemerkenswert ist die Originalpartitur von La dama duende aus dem Jahr 1945, die von ihrem Komponisten Julián Bautista signiert wurde.
Zu der Sammlung gehören auch Kostüme aus verschiedenen Filmen von María Luisa Bemberg, das Bühnenbild für ihren Film Ich, die Unwürdigste von allen sowie mehrere Auszeichnungen, darunter der Goldene Bär, den Leopoldo Torre Nilsson bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin gewann. Das Museum verfügt über 3.000 Originalplakate argentinischer Filme, 360 Entwürfe für Bühnenbilder und Kostüme sowie 400 Kostümstücke, die in argentinischen Filmen verwendet wurden, und 60.000 Fotografien von Filmen und Persönlichkeiten der Filmwelt. Es besitzt außerdem die Sammlungen des Bühnenbildners Gori Muñoz, des Plakatkünstlers Orlando Venturi und renommierter Kritiker wie Domingo Di Núbila und Jorge Miguel Couselo.
Andere Aktivitäten
Zu den Aufgaben des Filmmuseums gehört auch die Verbreitung der argentinischen Filmkunst. Zu diesem Zweck werden regelmäßig Filme des frühen argentinischen Kinos sowie Werke neuer Regisseure in verschiedenen Institutionen des Landes und auf internationalen Festivals gezeigt, darunter das Buenos Aires Internationales Festival des Independent-Films (BAFICI).
Eines der Projekte der Institution war eine Umfrage aus dem Jahr 1999, mit der die bedeutendsten Filme der argentinischen Filmgeschichte ermittelt werden sollten. An der Umfrage nahmen 100 Forscher und Kritiker teil, die insgesamt 851 Spielfilme bewerteten.
Seit 1973 findet jedes Jahr die Nacht zu Ehren des argentinischen Kinos (Noche de Homenaje al Cine Argentino) statt. Bei diesem Anlass werden die großen Namen des nationalen Kinos gewürdigt, indem ihnen eine Nachbildung der Pathé-Kamera überreicht wird, mit der Mario Gallo 1910 den Film El fusilamiento de Dorrego drehte.
Einzelnachweise
Weblinks Museo del Cine Pablo Ducrós Hicken Museo del Cine Pablo Ducrós Hicken in Youtube Museo del Cine Pablo Ducrós Hicken in Vimeo Museo del Cine Pablo Ducrós Hicken in Prisma Museo del Cine Pablo Ducrós Hicken in Issuu NYTimes: The Full 'Metropolis'
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