Kurt Schwedtke (* 16. Oktober 1892 in Berlin; † 13. Januar 1958 ebenda) war ein deutscher Gymnasiallehrer.
Leben Schwedtkes Vater war Versicherungsdirektor. Kurt Schwedtke besuchte das Luisenstädtische Realgymnasium in Berlin und studierte anschließend Englisch und Französisch an den Universitäten Freiburg und Berlin. Von 1914 bis 1918 war er im Ersten Weltkrieg als Soldat an der Ost- und später an der Westfront eingesetzt. 1918 und 1919 nahm er in der Gardeschützen-Division an der Niederschlagung der Aufstände in Berlin teil.
Nach dem Studium, das er 1920 abschloss, wurde Schwedtke Assessor an der Albrecht-Dürer-Oberschule, ab 1925 war er Beamter auf Lebenszeit. Schwedtke gab daneben zahlreiche fremdsprachliche Texte als Schulausgaben heraus, die bei den Verlagen Teubner, Westermann sowie Velhagen & Klasing erschienen. Er wählte dazu auch aktuelle Texte z. B. Zeitungstexte zu den Verträgen von Locarno aus. Seinen Editionen lag meist eine reaktionäre politische Haltung zugrunde. Von 1926 bis 1931 leitete er auch das neusprachliche Fachseminar und war damit für die fachdidaktische Ausbildung angehender Gymnasiallehrer verantwortlich.
Schwedtke war Mitglied im Allgemeinen Deutschen Neuphilologenverband und im Deutschen Philologenverband.
Ende 1931 oder Anfang 1932 trat Schwedtke in den Nationalsozialistischen Lehrerbund (NSLB) ein. Am 1. Mai 1932 wurde er Mitglied der NSDAP (Mitglieds-Nr. 1097333). Er agitierte nun für die Nationalsozialisten und kämpfte insbesondere gegen die Reformschulen. So erschien im März 1933 sein Pamphlet „Nie wieder Karl-Marx-Schule“, das sich gegen ein Gymnasium in Berlin-Neukölln richtete, das schon Ende Februar 1933 umorganisiert wurde, dessen Direktor entlassen und dessen Name wieder in Kaiser-Friedrich-Gymnasium geändert wurde. Schwedtke wurde zum kommissarischen Oberstudiendirektor der Schule ernannt und ließ linke und jüdische Lehrkräfte aus dem Kollegium entfernen. Er war bestrebt, die ehemalige sozialistische Vorzeigeschule in eine nationalsozialistische Musterschule umzuwandeln. Kurt Schwedtke wurde im Oktober 1933 Leiter eines pädagogischen Seminars in Neukölln, im November „Führer“ des Neuphilologenverbandes und übernahm im Dezember 1934 auch den Vorsitz im Deutschen Philologenverband.
1935 veröffentlichte Schwedtke einen Aufsatz mit dem Titel „Besinnung“ im Deutschen Philologen-Blatt. Er warnte darin bestimmte Kräfte innerhalb der NSDAP davor, die nationalsozialistische „Revolution“ weitertreiben zu wollen und wies dabei auch auf Fehlentwicklungen in der bolschewistischen Revolution hin. Die Ausgabe des Zeitschriften-Heftes wurde sofort von der Gestapo beschlagnahmt, Schwedtke wurde beurlaubt und aus dem nationalsozialistischen Lehrerbund ausgeschlossen. Bis der Philologenverband im Herbst 1935 aufgelöst wurde, konnte Schwedtke noch als Vorsitzender des Verbands weiterarbeiten und auch an Auslandskonferenzen teilnehmen. Nach parteiinternen Auseinandersetzungen wurde Schwedtke im Juni 1937 dann wieder in den NSLB aufgenommen und seine Beurlaubung aufgehoben. Ab Oktober 1937 arbeitete er dann als Schulleiter der Viktoria-Luise-Schule, einer Mädchenschule in Berlin-Wilmersdorf.
Im Entnazifizierungsverfahren nach 1945 stellte Schwedtke sich als Gegner des Nationalsozialismus dar. Das Schulamt Wilmersdorf lehnte seine Wiedereinstellung in den Schuldienst zunächst ab, 1951 wurde Schwedtke dann jedoch wieder in den Schuldienst aufgenommen. Er unterrichtete bis zu seinem Tod als Studienrat an der 8. OWZ, der Beethoven-Oberschule für Mädchen in Berlin-Lankwitz.
Veröffentlichungen (Auswahl)
Reformen – Nicht Reparaturen! In: Deutsches Philologen-Blatt. Bd. 39 (1931), Heft 45, 11. November 1931, S. 664–666 (Digitalisat). Schulgemeinde und Schülerselbstverwaltung im Rahmen moderner Unterrichts- und Erziehungsbestrebungen. In: Deutsches Philologen-Blatt. Bd. 40 (1932), Heft 51/52, 21. Dezember 1932, S. 594–598 (Digitalisat). Utopie und Ideal. In: Deutsches Philologen-Blatt. Bd. 41 (1933), Heft 17, 26. April 1933, S. 188f. (Digitalisat). Zu neuen Ufern. In: Deutsches Philologen-Blatt. Bd. 41 (1933), Heft 24, 14. Juni 1933, S. 269–271 (Digitalisat). Organisation! In: Deutsches Philologen-Blatt. Bd. 41 (1933), Heft 26, 27. Juni 1933, S. 293–295 (Digitalisat). Geschichts- und Deutschunterricht. In: Deutsches Philologen-Blatt. Bd. 41 (1933), Heft 33, 16. August 1933, S. 365–367 (Digitalisat). Deutscher Idealismus im Baltenlande. In: Deutsches Philologen-Blatt. Bd. 41 (1933), Heft 50, 13. Dezember 1933, S. 575f. (Digitalisat). Nie wieder Karl-Marx-Schule! Eine Abrechnung mit der marxistischen Erziehung und Schulverwaltung. Westermann, Braunschweig 1933. Adolf Hitlers Gedanken zur Erziehung und zum Unterricht. Diesterweg, Frankfurt a. M. 1933. Gegen das Schlagwort in der Erziehung. Diesterweg, Frankfurt a. M. 1934. Zur Schulreform im Dritten Reich. Diesterweg, Frankfurt a. M. 1934. Besinnung. In: Deutsches Philologen-Blatt. Bd. 43 (1935), Nr. 1, 4. Januar 1935, S. 1–6 (Digitalisat).
Literatur
Ekkehard Meier: Wer immer strebend sich bemüht… Kurt Schwedtke – Eine deutsche Beamtenkarriere. In: Gerd Radde, Werner Korthaase, Rudolf Rogler, Udo Gößwald (Hrsg.): Schulreform – Kontinuitäten und Brüche. Das Versuchsfeld Berlin-Neukölln. Bd. 1: 1912 bis 1945. Leske + Budrich, Opladen 1993, ISBN 3-8100-1129-0, S. 330–345.
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