Die Einschienenbahn Poços de Caldas (portugiesisch Monotrilho de Poços de Caldas) ist ein im August 2000 eröffnetes öffentliches Personennahverkehrssystem in Poços de Caldas im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais. Die Hochbahn verbindet über 4,5 Kilometer und 11 Stationen das Stadtzentrum mit dem Busbahnhof im westlichen Stadtteil Vila Olímpia. Nach anhaltenden technischen Problemen, wegen zu geringer Nutzungszahlen und nach dem Einsturz zweier Streckenpfeiler wurde die Bahn im Jahr 2003 außer Betrieb genommen. Seit 2019 gibt es Bestrebungen von Seiten der Stadt, die Einschienenbahn erneut in Verkehr zu setzen.

Geschichte Am 20. August 1981 verabschiedete der Stadtrat von Poços de Caldas das Gesetz 3.119 zur Vergabe einer Konzession für Bau und Betrieb einer Einschienenbahn im Rahmen einer öffentlichen Ausschreibung. Das von Bürgermeister Ronaldo Junqueira unterzeichnete Gesetz sah eine Konzessionslaufzeit von 50 Jahren ab der Einweihung vor und war nicht verlängerbar. (PDF; 137 KB) Den Zuschlag erhielt die Firma Jaime Ferreira Ltda., der Vertrag sah eine rund 30 Kilometer lange Durchmesserlinie in West-Ost-Richtung und eine Frist von 10 Jahren für die Inbetriebnahme der Einschienenbahn vor.

Aufgrund anhaltender Probleme beim Bau wurde die Inbetriebnahmefrist im Jahr 1991 um 10 Jahre verlängert. Gleichwohl fanden auf einem ersten Bauabschnitt mit elf Stationen von Terminal Central bis Rodoviária ab 1991 nicht nur Testfahrten statt, es gab auch Publikumsverkehr, beispielsweise zum Karneval 1994. Offiziell wurde dieser Streckenteil im August 2000 anlässlich des UAI-Festivals im nahe der westlichen Endstation gelegenen Ronaldo-Junqueira-Stadion eingeweiht. Die technischen Probleme setzten sich allerdings fort, wenige Monate später mussten nach einer Entgleisung 19 Fahrgäste von der Feuerwehr gerettet werden. Als bei einem Hochwasser des Rio Lambari in 2003 zwei Streckenpfeiler und rund 50 Meter Fahrbalken einstürzten, wurde der Betrieb eingestellt.

Nachdem sich der Betreiber Ferreira Ltda. und die Stadt jahrelang nicht über die Finanzierung der Reparatur und den weiteren Betrieb der Strecke einigen konnten, setzte die Stadt 2012 eine Ingenieurkommission ein, um einen technischen Bericht über den baulichen Zustand der Einschienenbahn zu erstellen. 2014 versuchte die Staatsanwaltschaft, eine Vereinbarung zwischen den Streitparteien zu erzielen, um die festgefahrene Situation zu lösen. Die Vereinbarung wurde jedoch nicht unterzeichnet und der Fall blieb anhängig. 2016 ordnete daraufhin das Gericht an, dass die Stadt Hangsicherungsmaßnahmen entlang der Avenida João Pinheiro durchzuführen und Notfallpläne zu erstellen habe, um einen Einsturz des Fahrweges zu verhindern. Der letzte Vorfall ereignete sich 2018, als ein Teil der Stützkonstruktion nachgab und von Ferreira Ltda. Sicherungsarbeiten durchgeführt werden mussten.

Der Betreiber gab im Januar 2019 die Konzession an die Stadt zurück. Diese wiederum beauftragte im Juni des Jahres die deutsche Fogtec mit einer Studie zur Machbarkeit des Wiederaufbaues der Einschienenbahn. Im Ergebnis kommt Fogtec in Zusammenarbeit mit dem TÜV Rheinland im Dezember des Jahres zu dem Schluss, dass eine Wiederinbetriebnahme als vollautomatisches System möglich ist und ein integrales Bestandteil eines Mobilitätskonzeptes der Stadt werden könnte. Außerdem wurde ein touristischer Nutzen heraus gestellt. Obwohl im Januar 2020 eine Wirtschaftlichkeitsberechnung folgen sollte, ist seither nichts passiert. Dabei hatte sich im August 2023 auch Gouverneur Romeu Zema für eine Wiederinbetriebnahme der Einschienenbahn ausgesprochen.

Strecke Die Strecke der Einschienenbahn verläuft durchgängig einbahnig und aufgeständert über insgesamt 4,5 Kilometer Streckenlänge und 11 Stationen. Dabei sind die Streckenpfeiler durchweg für zwei Fahrbalken ausgelegt und abschnittsweise sind diese auch vorhanden. Die Monotrilho de Poços de Caldas beginnt im Stadtzentrum an der Station Terminal Central und verläuft von dort Richtung Westen. Nach rund 500 Metern unterquert sie die 1974 eröffnete, 1,5 Kilometer lange Gondelbahn auf die Serra de São Domingos mit der Christusstatue und der ehemaligen Sternwarte, bietet aber keinen Umsteigehalt. Im weiteren Verlauf folgt die Monotrilho dem Rio Pardo, der kurz darauf in den Rio Lambari mündet. Nach Durchfahren von sieben Stationen am Nordufer des Flusses wechselt die Bahnstrecke in einer Flussbiegung auf die andere Seite, durchquert die neunte Zwischenstation und endet dann nach einem Schwenk an der Station Rodoviária. In unmittelbarer Nähe befinden sich das größte Fußballstadion der Stadt, das Estádio Doutor Ronaldo Junqueira, der zentrale Busbahnhof und bis 2025 entstand dort das Verwaltungszentrum der Prefeitura Poços de Caldas.

Technik Die Strecke der Einschienenbahn Poços de Caldas ist eine Sattelbahn der Bauart ALWEG. Auf einem Fahrbalken sitzen die über Tragräder auf und Führungsräder seitlich des Balkens bewegten sowie mit seitlicher Stromzuführung versorgten Züge.

Fahrzeuge Zum Einsatz kam bisher lediglich eine zweiteilige Zuggarnitur. Das Fahrzeug hat mit Quersitzen ausgestattete Fahrgastbereiche und ist rund 21 Meter lang.

Weblinks

O monotrilho de Poços de Caldas (Website von Vipbus mit zahlreichen Fotos, brasilianisches Portugiesisch)

Einzelnachweise

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