Lothar Schmidt, Pseudonym für Lothar Alfons Goldschmidt (geboren 5. Juni 1862 in Sorau/Niederlausitz; gestorben 25. März 1931 in Berlin), war ein deutscher Schriftsteller, Kritiker, Dramatiker und Übersetzer.
Leben Lothar Goldschmidt war der Sohn des Restaurateurs Heinrich Goldschmidt und dessen Frau Fanny, geb. Lehmann, beide mosaischen Glaubens. Zunächst besuchte er das Gymnasium seiner Heimatstadt und kam anschließend an das Matthias-Gymnasium in Breslau, das er 1884 absolvierte. Er studierte an den Universitäten in Breslau und Berlin Philosophie, romanische Philologie und Kunstgeschichte. An der Universität Breslau wurde er 1889 zum Dr. phil. promoviert. Zur Vorbereitung auf eine Universitätslaufbahn unternahm er danach eine mehrmonatige Studienreise nach Italien, wandte sich jedoch nach seiner Rückkehr der Schriftstellerei zu. Nach einer Zeit in Berlin ging er 1891 nach Brüssel und von dort 1897 erneut nach Breslau. Ab 1899 hatte er seinen Wohnsitz wieder in Berlin. An der Wiener Kirche „Unsere Liebe Frau zu den Schotten“ konvertierte Goldschmidt 1901 zum Katholizismus, wurde getauft und heiratete dort am 30. April 1901 Ferdinanda Hermengilde Emilie Eugenie, Edle von Henriquez (* 1875 in Wien).
Mit Beginn seiner schriftstellerischen Tätigkeit benutzte er statt seines Nachnamens Goldschmidt das Pseudonym Lothar Schmidt. Er war Mitarbeiter mehrerer Zeitschriften, u. a. von Die Aktion, Das Blaubuch, Bühne und Welt, Das literarische Echo, Nord und Süd und Simplicissimus. Neben verschiedenen Übersetzungen von Werken namhafter Autoren aus dem Italienischen und Französischen veröffentlichte er zahlreiche Novellen, Schauspiele und Romane. Zu seinem Freundeskreis gehörten Felix Hollaender, Max Reinhardt, Richard Vallentin und Richard Wendriner (1865–1924). Schmidt war Mitglied im Vorstand des 1928 gegründeten „Bundes deutscher Übersetzer“, BdÜ.
Schriften (Auswahl)
Autor Doktrin der Liebe bei den italienischen Lyrikern des 13. Jahrhunderts.[Inaugural-Dissertation, welche nebst den beigefügten Thesen … öffentlich verteidigen wird Lothar Goldschmidt] Koebner, Breslau 1889
Gemischte Gesellschaft. Novelle, 1896 Sprechstunde. Einakter, L. Frankenstein, Breslau 1896 Juvenes dum sumus! Novelle, L. Frankenstein, Breslau 1896 Exredacteur Sauer … Prosa, Schuster & Loeffler, Berlin 1896 Meisterwerke der zeitgenössischen Novellistik. (Hrsg.), 1897 Bezecht! Eine Studentengeschichte. 1898 Allegro, ma non troppo! Prosa, (= Unterwegs und daheim. Serie 6, Band 8), S. Schottlaender, Breslau 1898 Die Unparteiischen. Komödie in 4 Akten, G. Maske, Oppeln/Leipzig 1898 Der Mensch in der Bestie. Schwank, 1901 Der Leibalte.Komödie in 3 Akten, W. Spemann, Berlin/Stuttgart 1901 Luigi Cafarelli. Lustspiel in 3 Akten, O. Hendel, Halle a. S. 1901 Ackermann. Tragikomödie in 3 Akten, mit Felix Hollaender, S. Fischer, Berlin 1903 Josefine Martens. Schauspiel in 3 Aufzügen, Reclam, Leipzig 1905 (= Universal-Bibliothek; 4676) Die heilige Sache. Komödie in 3 Akten, E. Bloch, Berlin 1905 Frauenbriefe der Renaissance. (Hrsg.), Bard Marquardt & Co, Berlin 1906 (Volltext, SLUB Dresden) Der gerettete Selbstmörder und andere Novellen. Müller, München & Leipzig 1907 Die Renaissance in Briefen von Dichtern, Künstlern, Staatsmännern, Gelehrten und Frauen. 2 Bände (Bearb.) 1909 Nur ein Traum. Lustspiel in drei Akten, 1909 Der Wille zum Leben. Erzählung, Concordia, Berlin 1909 Fiat iustitia! Kriminalgroteske in 3 Instanzen (mit Heinrich Ilgenstein), Concordia, Berlin 1911 Entgleisung. Komödie, Eduard Bloch, Berlin 1911 Die Venus mit dem Papagei. Keine erotische Komödie in drei Akten. G. Müller, München 1912 Das Buch einer Frau. Lustspiel, G. Müller, München 1912 Christiane. Ein Spiel in drei Akten aus der Goethezeit. (mit Emil Schaeffer), G. Müller, München 1914 Perlen. Lustspiel, G. Müller, München & Leipzig 1917 Das Schloss am Wannsee. Lustspiel, 1918 Wenn Frauen träumen. musikalisches Lustspiel in 2 Akten, (Text frei nach einer Komödie Lothar Schmidts), Musik von Edgar Istel, Inszenierung der Komischen Oper Berlin bearb. von Gustav Charlé, 1920 Aus unserer Zeit. [I Die Unmoralischen, II Devisen] , Zwei Lustspiele, 1924 Der Flüchtling. Roman, Bibliothek-Ges., Berlin 1929 Freut euch des Lebens. Roman, Bibliothek-Ges., Berlin 1929 (Projekt Gutenberg)
Übersetzungen Paul Bourget: Jenseits des Oceans. [Au bord de la mer.] Maske, Oppeln/Leipzig 1898 (aus dem Französischen) Neera: Einsame Seele. [Anima sola.] Schuster & Loeffler, Berlin 1896 (aus dem Italienischen) Tagebuch der Marie Bashkirtseff. zwei Bände, L. Frankenstein, Breslau/Leipzig/Wien 1897 (aus dem Französischen) Gerolamo Rovetta: Der Ulanenleutnant. [Il tenente dei lancieri.] Vita, Berlin 1898 (aus dem Italienischen) Briefe der Ninon de Lenclos. [Lettres De Ninon De Lenclos Au Marquis De Sevigné.] mit 10 Radierungen von Karl Walser, Verlag Bruno Cassirer, Berlin 1906 (aus dem Französischen), 7. Auflage 1928 Briefe der Ninon de Lenclos. (= Ullstein Buch; 30102) Ungekürzte Ausgabe, Ullstein, Frankfurt [u. a.] 1980, ISBN 3-548-30102-9 Édouard Maynial: Maupassant. [La vie et l’œuvre de Maupassant.] Marquardt, Berlin 1907 (aus dem Französischen) Denis Diderot: Der japanische Prinz. (auch Hrsg.), G. Müller, München 1907 (aus dem Französischen) Sem Benelli: Ein Florentiner Gastmahl. Bloch, Berlin 1909 (aus dem Italienischen) Fernando de Rojas: Celestina. Eine dramatische Novelle. (Hrsg.) 1909, mit 20 Holzschnitten des Petrarcameisters (Johann Weiditz) aus der Augsburger Ausgabe von 1520; aus dem Spanischen übersetzt von Eduard von Bülow Denis Diderot: Die geschwätzigen Kleinode oder Die Verräter. [Les bijoux indiscrets.] G. Müller, München 1921 (aus dem Französischen) Maurice Leblanc: Die Insel der 30 Särge. [L’ Île aux trente cercueils.] Knaur, Berlin 1927 (aus dem Französischen) Umfassend neu bearbeitet von Christian Reichenbach, Belle Époque Verlag, Tübingen 2016, ISBN 978-3-945796-29-0.
Verfilmungen/Drehbücher 1932: Eine Stunde mit Dir / [One Hour with You] / [Une heure près de toi] 1924: Die Ehe im Kreise / [The Marriage Circle], alle nach dem Theaterstück Nur ein Traum 1918: Ringende Seelen
Hörspielbearbeitungen
Sendespiel: Vorlage: Die Perlenkette (Theaterstück): 1926: Das Kleinod. Heiteres Hörspiel in drei Akten – Regie: Hermann Probst (Westdeutsche Funkstunde AG) 1926: Das Kleinod. Sendespiel in 3 Akten – Regie: Viktor Heinz Fuchs (Schlesische Funkstunde) 1926: Das Kleinod. Lustspiel in drei Akten – Regie: Rudolf Hoch (Deutsche Stunde in Bayern) 1927: Das Kleinod. Ein Sendespiel – Regie: Ernst Pündter (Nordische Rundfunk AG, Übertragung aus Bremen)
Literatur Goldschmidt, Lothar. In: Deutsches Literatur-Lexikon. Das 20. Jahrhundert. Biographisch-bibliographisches Handbuch. Begründet von Wilhelm Kosch. Herausgegeben von Lutz Hagestedt. Band 11: Gellert – Gorski. Saur, Zürich/München 2008, ISBN 978-3-908255-11-6, Sp. 401. Goldschmidt, Lothar. In: Lexikon deutsch-jüdischer Autoren. Band 9: Glas – Grün. Hrsg. Renate Heuer; Archiv Bibliographia Judaica. K. G. Saur, München 2001, ISBN 3-598-22689-6, S. 148–156. Goldschmidt, Lothar. In: Wilhelm Kosch, Heinz Rupp, Carl Ludwig Lang (Hrsg.): Deutsches Literatur-Lexikon. Biographisch-bibliographisches Handbuch. Band 6: Gaa – Gysin. dritte, neu bearb. Auflage. Francke, Bern 1978, ISBN 3-7720-1283-3, Sp. 580. Goldschmidt, Lothar. In: Wilhelm Kosch (Hrsg.): Deutsches Theater-Lexikon. Band 1: A – Hurka. Verlag Ferd. Kleinmayr, Klagenfurt 1953, S. 583. Goldschmidt, Lothar. In: Salomon Wininger: Große Jüdische National-Biographie. Band 2: Dafiera – Harden. 1927, S. 460–461. Goldschmidt, Lothar. In: Franz Brümmer: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Band 2, 6. Aufl., Leipzig 1913, S. 395 (deutschestextarchiv.de). Goldschmidt, Lothar. In: Philipp Stauff (Hrsg.): Literarisches Lexikon der Schriftsteller, Dichter, Bankiers, Geldleute, Ärzte, Schauspieler … jüdischer Rasse und Versippung, die von 1813–1913 in Deutschland tätig und bekannt waren. (Semi-Kürschner) 1. Jahrgang. Selbstverlag, Berlin-Gr.Lichterfelde 1913, Sp. 127 – Antisemitische Publikation – (Uni. Frankfurt). Goldschmidt, Lothar. In: Heinrich Klenz (Hrsg.): Kürschners Deutscher Literatur-Kalender 1912. 34. Jahrgang, Ahn & Simrock, Berlin 1912.
Weblinks
Werke von Lothar Schmidt im Katalog des Gemeinsamen Bibliotheksverbunds (GBV)
Einzelnachweise Zuvor erfolgte die Konversion: Konvertiten „Unsere Liebe Frau zu den Schotten“, tom. 04–01, fol. 267, Nr. 683, 18. April 1901, abgerufen über ancestry.com.
Goldschmidt, Lothar. In: Lexikon deutsch-jüdischer Autoren. Band 9. Siehe Literatur. Goldschmidt, Lothar. In: Deutsches Literatur-Lexikon. Das 20. Jahrhundert. Siehe Literatur. Goldschmidt, Lothar. In: Adreß- und Geschäfts-Handbuch der königlichen Haupt- und Residenzstadt Breslau für das Jahr 1897, Teil 1, S. 184. „Dr., Schriftsteller, Gartenstr. 36, II.“
Neera = Pseudonym für Anna Radius Zuccari (1846–1918). Quelle: ARD-Hörspieldatenbank im Deutschen Rundfunkarchiv.
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