alternativtext=Das im Text beschriebene Objekt|mini|Der Kopf einer trauernden Frau im Museum Schnütgen (2026)

Der Kopf einer trauernden Frau, aus der Sainte-Chapelle in Dijon ist ein um 1430–1450 datiertes Fragment eines Kirchenfensters, das dem Delfter Glaskünstler Thierry Esperlan zugeschrieben wird. Die Glasmalerei wurde ursprünglich für die herzogliche Privatkapelle in Dijon angefertigt und befindet sich seit 2019 in der Sammlung des Museum Schnütgen in Köln (M 722).

Beschreibung Der Kopf der dargestellten Frau ist zur linken Seite geneigt, der Blick ebenso wie die Mundwinkel zeigen in einem Ausdruck von Trauer nach unten. Sie trägt eine Kinnbinde mit Schleier; ihre faltenreiche, turbanartige Kopfbedeckung, bei der der Stoff in einem Wulst um ihre Stirn geführt wird, bedeckt ihr Haar vollständig.

Es handelt sich um ein Fragment in den Maßen 20 × 21,5 × 0,5 Zentimeter, das ursprünglich wohl zu einer größeren Personengruppe, vermutlich einer Beweinungs- oder Kreuzigungsgruppe, gehörte. Das Motiv, das mit Braunlotmalerei auf Klarglas ausgeführt ist, ist entlang der Kopfkontur in Blei gefasst und heute in eine quadratische, gradlinig bleiverglaste Klarglasscheibe eingesetzt.

alternativtext=fein schraffierte und schattierte Zeichnung der Augenpartie mit Wimpern, Lidern und Tränensäcken|mini|Ausschnitt Augenpartie und Teil der Kopfbedeckung

Das Porträt ist detailreich mit gestrichelten Schattierungen ausgeführt; dichte und präzise gesetzte Kreuzschraffuren wechseln sich mit hellen, aus der dunklen Farbe sgraffitoartig herausgekratzten weißen Schraffuren ab. Der Helldunkel-Effekt wird außerdem durch flächig aufgetragene und gestupfte Farbe erzielt. Die Wimpern der ausdrucksstarken Augen und andere Details wie Augenfalten oder Tränensäcke sind fein herausgearbeitet.

Die Scheibe ist nahezu unbeschädigt erhalten; nur eine kleine Farbabplatzung an der Mitte der Oberkante wurde ausgebessert.

Provenienz Durch direkte Vergleiche mit anderen Glasmalereien, die von Thierry Esperlan nachweislich für die Sainte-Chapelle in Dijon geschaffen wurden, konnte der Kunsthistoriker Matthew Reeves 2019 die Herkunft des Kopfes aus dieser Gruppe bislang unwidersprochen belegen. Der Delfter Glaskünstler Esperlan kam an den burgundischen Hof von Philipp dem Guten (1396–1467) und wurde dort mit der Gestaltung einer Kreuzigungsgruppe mit Heiligen und Stiftern für die herzogliche Kapelle beauftragt.Jahrhunderte später verwahrloste die Kapelle im Zuge der französischen Revolution und wurde ab 1802 abgerissen. Dabei konnten fünf Fensterbilder geborgen und in der gotischen Kirche Notre-Dame wiederverwendet werden. Vermutlich bei der Neuausstattung der Fenster dieser Kirche zwischen 1874 und 1897 durch Edouard Didron wurden sie wieder entfernt. Eine der Scheiben gelangte danach nach England und wurde 1914 für das Victoria and Albert Museum in London erworben (Inv.-Nr. C.129-1914). Weitere kamen in die Sammlung des Musée des Beaux-Arts in Dijon, während andere in burgundische Privatsammlungen gerieten.

Die originale Komposition bzw. die Position im Gesamtkontext lassen sich für das Fragment der trauernden Frau nicht mehr rekonstruieren, da die Glasmalereien schon im 19. Jahrhundert neu zusammengesetzt und ergänzt wurden, um in ihr neues Umfeld zu passen. Die Scheibe wurde 2009 aus der Sammlung eines Glasrestaurators in der Galerie de Chartres in Le Coudray verkauft und 2019 bei Sam Fogg in London durch das Museum Schnütgen erworben, wo sie zusammen mit weiteren Glasbildern aus der Sainte-Chapelle die Dauerausstellung (Stand 2026) ergänzt.

Literatur

Weblink

Einzelnachweise

Kategorie:Glasmalerei (15. Jahrhundert) Kategorie:Glasmalerei (Museum Schnütgen) Kategorie:Werk der Glasmalerei (Frankreich)