Claudia Lohrenscheit (* 1970 in Lingen, Niedersachsen) ist eine deutsche Erziehungswissenschaftlerin und Menschenrechtspädagogin. Ihre Themenschwerpunkte sind u. a. das Recht auf Bildung, Inklusion und Diversität, Kinderrechte, Geschlechtergerechtigkeit, politisch-historische Bildung und Erinnerungsarbeit. Sie ist seit 2012 Professorin für Internationale Soziale Arbeit und Menschenrechte an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Coburg.
Leben Claudia Lohrenscheit wuchs gemeinsam mit drei Geschwistern in einer klassischen Arbeiterfamilie im Emsland auf. Sie studierte Kulturpädagogik an der Universität Hildesheim, Politikwissenschaft und Geographie an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und schließlich Erziehungswissenschaften mit dem Schwerpunkt „interkulturelle Pädagogik“. Mit Beginn der Arbeit an ihrer Promotion zum Thema „Human Rights Education“ (betreut von Gottfried Mergner, Wolfgang Nitsch und Volker Lenhart) lebte und arbeitete sie immer wieder über längere Zeiträume in Südafrika, u. a. an der University of Cape Town im Project for the Study of Alternative Education unter der Leitung von Neville Alexander und Carole Bloch sowie an der Nelson Mandela University in Gqeberha (Port Elizabeth) mit Logan Athiemoolam. Im selben Zeitraum war sie Mitarbeiterin am Zentrum für erziehungswissenschaftliche Studien im Nord-Süd-Verbund an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, und dort u. a. zuständig für die Projektkoordination eines internationalen Programms für Lehrerinnen und Lehrer aus der Eastern Cape Province, Südafrika und aus Niedersachsen (INSET4TODLAC).
Für ihre Promotion erhielt sie von 1999 bis 2002 ein Stipendium der Hans-Böckler-Stiftung und ist heute selbst Vertrauensdozentin der Stiftung. Von 2003 bis 2012 arbeitete Lohrenscheit am neu gegründeten Deutschen Institut für Menschenrechte in Berlin, wo sie u. a. mit dem Aufbau einer Fachabteilung für Menschenrechtsbildung betraut wurde. In dieser Funktion entwickelte sie grundlegende Strukturen und Netzwerke der Menschenrechtsbildung in Deutschland und international und wirkte maßgeblich an der Verbreitung von Bildungsmaterialien und Standards zur Menschenrechtsbildung mit. In Kooperation mit der Stiftung EVZ und der Förderlinie „Menschenrechtsbildung durch historisches Lernen“ entwickelte sie auch Konzepte und Programme an der Schnittstelle von politisch-historischer Bildung, Menschenrechtsbildung und Erinnerungsarbeit (u. a. das Onlinehandbuch Inklusion als Menschenrecht).
Über mehrere Berichtsperioden koordinierte und begleitete sie außerdem die Staatenberichtsverfahren zur UN-Kinderrechtskonvention (UN-CRC) und zur UN-Frauenrechtskonvention CEDAW, wo sie u. a. gemeinsam mit Lucie Veith und dem Verein intersexuelle Menschen (heute: Bundesverband intergeschlechtliche Menschen e.V.) die Erarbeitung des ersten Schattenberichts über die Menschenrechte intergeschlechtlicher Menschen an den UN-Frauenrechtsausschuss unterstützte. Seit dem WiSe 2012/13 lehrt und forscht sie als Professorin für internationale Soziale Arbeit und Menschenrechte an der Hochschule Coburg u. a. mit den Schwerpunkten Inklusion und Diversity, Kinderrechte, Geschlechtergerechtigkeit, politisch-historische Bildung, Menschenrechtsbildung und Erinnerungsarbeit.
Ehrenamtliche Tätigkeiten Mitbegründerin der Fachgruppe Kinderrechte/Menschenrechte in der DGSA (seit 2025) Wissenschaftlicher Beirat der National Coalition zur Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland, Netzwerk Kinderrechte (seit 2018) Wissenschaftlicher Beirat der Fachstelle für queere Bildung Querformat (2015–2020) Mitglied der Redaktion der Zeitschrift für internationale Bildungsforschung und Entwicklungspädagogik ZEP (2000–2024) Vertrauensdozentin der Hans-Böckler-Stiftung (seit 2012)
Veröffentlichungen (Auswahl)
Monographien und Herausgeberschaften Das Recht auf Menschenrechtsbildung. Grundlagen und Ansätze einer Pädagogik der Menschenrechte. (PDF; 1,5 MB) IKO-Verlag, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-88939-718-2. [Hrsg. mit Deutsches Institut für Menschenrechte]: Sexuelle Selbstbestimmung als Menschenrecht. Baden-Baden 2009 mit Gaby Franger-Huhle, Rebekka Krauss (Hrsg.): Human Rights, Inclusion and Social Justice. International Perspectives on Challenges of Social Work in a Globalised World, Paulo Freire Verlag, Oldenburg 2014 mit Gaby Franger-Huhle (Hrsg.): Peacebuilding – Gender – Social Work. International Human Rights Dialogue: Celebrating the 100th Anniversary of the Women’s Peace Congress, Paulo Freire Verlag, Oldenburg 2015 (280 Seiten) mit Theater Thikwa (Hrsg.): Theater.Rebellion Die Ausweitung der Kunstzone – Theater Thikwa. Athena Verlag, Berlin 2018 [Redaktion – mit Jörg Maywald, Luise Pfütze, Judit Costa]: Die Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland – 5. / 6. Ergänzender Bericht an die Vereinten Nationen. Berlin 2019 (67 Seiten) mit Adolf Bartz, Katharina Gerarts, Lothar Krappmann: Praxis der Kinderrechte an deutschen Schulen. Eine Zwischenbilanz. Frankfurt am Main, 2022: Wochenschau Verlag mit Caroline Schmitt, Andrea Schmelz, Ute Straub: Internationale Soziale Arbeit und Soziale Bewegungen. Baden-Baden, 2023: Nomos Verlag; 232 S. mit Caroline Schmitt, Andrea Schmelz, Ute Straub (Hrsg.): International Social Work and Social Movements. Baden-Baden, 2024: Nomos Verlag; 212 S. „Your body is a battleground“ – Women’s Movements, Queer-feminism and Gender Justice, S. 42–60 The global movements for children’s rights – with an interview with Manfred Liebel, S. 75–90
Artikel in Zeitungen, Zeitschriften und Sammelbänden Dialogue and Dignity – Linking Human Rights Education with Paulo Freire’s Education for Liberation. In: Fritzsche, Peter/Tibbitts, Felisa (ed.) Journal of Social Science Education. Volume 1, 2006, Bielefeld mit Peter Amsler, Lutz Möller, Sandra Reitz, August Rössner, Dieter Zabel: Standards der Menschenrechtsbildung in Schulen. (PDF; 1,1 MB) Forum Menschenrechte, 2006. Die UN-Sonderberichterstattung zum Recht auf Bildung und ihre Grundlegung durch. Katarina Tomasevski. In: Overwien, Bernd/Prengel, Annedore (Hrsg.): Recht auf Bildung. Zum Besuch des Sonderberichterstatters der Vereinten Nationen in Deutschland. Opladen & Farmington Hills 2007; S. 34–50 „Curriculum and Human Rights“, in: Barry McGaw, Penelope Peterson and Eva Baker (ed.): The International Encyclopaedia of Education, 3rd Edition, Oxford (Elsevier) 2010, pp 287-292 Das Recht auf Bildung; in: Wissenschaftszentrum Berlin / Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.): Dossier Zukunft Bildung; Onlineportal 2013 Menschenrechte als Bollwerk gegen Rassismus und Diskriminierung. Erscheinungsformen – Wechselwirkungen und Gegenstrategien; in: Interkultureller Rat in Deutschland (Hrsg.): Materialheft „Internationale Wochen gegen Rassismus“; Darmstadt 2013; S. 35–40 Das Recht auf Bildung im permanenten Krisenzustand. Zur globalen Bildungssituation, in: Bundeszentrale für politische Bildung (Redaktion APuZ – Aus Politik und Zeitgeschichte). Corona. Pandemie und Krise, Frankfurt/M. 2021, S. 165–174 Menschenrechte verteidigen. Perspektivwechsel für Solidarität und Inklusion; in: Achour, Sabine/Gill, Thomas (Hg.): Politische Bildung und Flucht – ein Paradigmenwechsel?!, Frankfurt/Main 2021, S. 57–65 mit Katharina Gerarts (2024): Kinderrechte und BNE zusammendenken: Für soziale und ökologische Gerechtigkeit in der Kindheitspädagogik. In: Rost, Sebastian / Bloch, Bianca / Kaiser, Anna-Katharina / Kaul, Ina (Hg.): Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Kindheitspädagogik. Beiträge zur Disziplin, Profession und Praxis der Pädagogik der frühen Kindheit. Weinheim/Basel. Beltz Juventa. S. 49–63
Weblinks Profil auf der Website der Hochschule Coburg
Einzelnachweise
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