mini|Santa Maria dell’Anima (Nummer 600) auf Giovanni Battista Nollis Rom-Plan von 1748. Die Nummer 599 bezeichnet die Kirche Santa Maria della Pace. mini|Innenansicht der Kirche mini|Blick ins Kirchenschiff von der Orgelempore aus Santa Maria dell’Anima (lateinisch Sanctae Mariae de Anima) war die katholische Nationalkirche für die Einwohner des Heiligen Römischen Reiches. Obwohl die Kirche ab 1859 de facto als Kirche der deutschsprachigen Katholiken in Rom galt, wurde dieser Status erst 1909 de jure anerkannt.Vincent Viaene: Belgium and the Holy See from Gregory XVI to Pius IX (1831–1859): Catholic Revival, Society and Politics in 19th-century Europe. Universitaire Pers Leuven, Löwen 2001, S. 233 f.; Carlo Sabatini: Le chiese nazionali a Roma. Presidenza del Consiglio dei Ministri, Istituto Poligrafico e Zecca dello Stato, Rom 1979. Papst Hadrian VI. († 1523) ist im Chor der Kirche begraben.

In dem angrenzenden Gebäude befinden sich Gemeindezentrum, das Archiv sowie das Kolleg. Alles zusammen bildet das Päpstliche Institut Santa Maria dell’Anima.

Die Anima „steht allen Gläubigen offen, ob sie mit der deutschsprachigen Gemeinde den Gottesdienst mitfeiern möchten oder ob sie einen Ort suchen, an dem sie mit ihrer Gruppe und dem sie begleitenden Priester Gottesdienst feiern können“.

Geschichte Die Kirche geht auf eine private Hospizstiftung des Ehepaares Johannes und Katharina Petri aus Dordrecht (in den Niederlanden)Nikitsch: DIO 3. Einleitung: Historisch-chronologischer Überblick. aus dem 14. Jahrhundert zurück, die für Rompilger aus dem Heiligen Romischen Reich gegründet worden war. Zwischen 1398 und 1406 wurde das Hospital durch Urkunden, Schenkungen sowie Stiftungen und Unterstellung unter die Jurisdiktion des Heiligen Stuhles u. a. durch die Päpste Bonifatius IX. und Innozenz VII. aktiv gefördert. Ab 1421 setzte eine breite Förderung des Hospitals durch Einwohner und Kleriker des Heiligen Römischen Reiches zu Rom ein. Zum Hospiz gehörte eine gotische Kirche, die zwischen 1431 und 1433 mit den Geldern der Miet- und Pachteinnahmen errichtet werden konnte. 1444 berechtigte Eugen IV. die Kirche zur Seelsorge an ihre Landsleute, zum regelmäßigen Gottesdienst, zum Hören der Beichte und zur Spendung der Sakramente.Joseph Schmidlin: Geschichte der deutschen Nationalkirche in Rom. S. Maria dell’Anima. Wien/Freiburg im Breisgau 1906, S. 176.Nikitsch: DIO 3. Einleitung: Historisch-chronologischer Überblick. Am 13. Dezember 1446 wurde die Kirche geweiht. Bis ins frühe 16. Jahrhundert wuchs die Beliebtheit der Kirche stetig. Dies wird u. a. durch die Popularität der Anima als Begräbnisstätte und Weiheort einer großen Zahl von Bischöfen belegt.Siehe Nikitsch: DIO 3. Einleitung: Historisch-chronologischer Überblick.

1496 wurden die an der Anima tätigen Kleriker von ihrem Provisor Johannes Burckard in einem Kaplanskollegium organisiert. 1551 wurde die beschlussfähige Versammlung zu einer kooptierenden Kongregation umgeformt. Am 24. September 1499 beschloss die Bruderschaft unter ihrem Leiter Johannes Burckard den Neubau des Hospizes sowie die Errichtung einer neuen Kirche, zu der 1500 durch Matthias Scheidt, Fürstbischof von Seckau und Gesandten Kaiser Maximilians I.Nikitsch: DIO 3. Einleitung: Historisch-chronologischer Überblick. der Grundstein gelegt wurde. Die schon in der Grundsteinlegung zu Tage tretende starke Verbindung zum Heiligen Römischen Reich wird auch im Bildrepertoire der Kirche (Schlusssteine) und der Grablegen sichtbar. 1518 nahm Kaiser Maximilian I. die Kirche auf dem Reichstag von Augsburg unter den besonderen Schutz des Reichs und erklärte sie für reichsunmittelbar: „In Nostram et Sacri Romani Imperii protectionem tuitionem defensionemque et curam suscepimus et suscipimus.“ (). Um 1523 war der Bau, dessen Architekt nicht namentlich bekannt ist, vollendet. Die Gesamtweihe des Baus wurde jedoch erst am 25. November 1542 durchgeführt.Siehe Nikitsch: DIO 3. Einleitung: Historisch-chronologischer Überblick.

1527 fielen ganz Rom und damit auch die Anima im Sacco di Roma den marodierenden Landsknechten Karls V. zum Opfer: „[D]rei der Anima-Häuser werden zerstört, in der Kirche gehen nahezu alle liturgischen Geräte und Paramente verloren.“Nikitsch: DIO 3. Einleitung: Historisch-chronologischer Überblick. Das Archiv kann jedoch gerettet werden. Trotz der brutalen Ereignisse um die Einnahme Roms und die Plünderung der Anima, fanden zumindest zwei der in die militärischen Ereignisse involvierten Kaiserlichen – nämlich der Hauptmann Heinrich von FlitzingenSiehe Eberhard J. Nikitsch, DIO 3, Nr. 82†, in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-dio003r001k0008207. sowie Melchior von FrundsbergSiehe Eberhard J. Nikitsch, DIO 3, Nr. 87, in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-dio003r001k0008702., Bruder des bekannteren Kaspar von Frundsberg und Sohn des Georg von Frundsberg, die wie er selbst Landsknechte kommandiert hatten – Aufnahme in den Denkmalsbestand der Anima, indem sie ihr „Grab in der Kirche [fanden], bezeichnenderweise […] vor dem Kreuzaltar;“Eberhard J. Nikitsch, DIO 3, Nr. 87, in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-dio003r001k0008702. wohl ohne jemals „Mitglied der Bruderschaft geworden zu sein oder Stiftungen getätigt zu haben.“Eberhard J. Nikitsch, DIO 3, Nr. 82†, in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-dio003r001k0008207.

Während der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert verwüstete ein Hochwasser die Kirche, und auch die Entwicklungen innerhalb des Reiches zeigten ihre Auswirkungen auf die Anima: ‚Belgier‘, d. h. die Bewohner der unter spanischer Herrschaft stehenden südlichen Niederlande, wurden nicht mehr aufgenommen. Während des 17. und des 18. Jahrhunderts wurde die Kirche um eine neue Sakristei und neue Glasfenster ergänzt. Ebenso wurde eine starke Barockisierung des Kirchenraumes vorangetrieben; hierbei gingen zahlreiche Denkmäler verloren oder wurden verändert. Die Kirche verlor ihren renaissancezeitlichen Charakter. Neben ‚kosmetischen‘ Änderungen trieben die Verantwortlichen aber auch baulich notwendige Maßnahmen voran. Durch die Ausschachtung einer Krypta versuchte man, der „immense[n] Nässe und d[er] Bodenfeuchtigkeit“Nikitsch: DIO 3. Einleitung: Historisch-chronologischer Überblick. entgegenzuwirken.Siehe Nikitsch: DIO 3. Einleitung: Historisch-chronologischer Überblick. 1710 kam die Kirche in den Besitz des Palazzo Gambirasi.

Ähnlich wie das Jahr 1527 wurde auch das Jahr 1798 ein Schicksalsjahr für Rom und die Anima. Die französischen Truppen nahmen die Stadt ein, und während die Römische Republik proklamiert wurde, wurde die Kirche systematisch geplündert. Bewegliches Gut, liturgisches Gerät und sogar die Glocken wurden an den Meistbietenden verkauft; Kunstobjekte gelangten auf diesem Weg bis nach Paris. Im weiteren Verlauf wurde die Anima von der militärischen Logistik als Lager und Pferdestall genutzt. Nach dem Zusammenbruch der Römischen Republik gelang es, einige der entwendeten Kunstwerke wieder zurückzuerwerben. Die Anima wurde reorganisiert und im Jahr 1801 mit einer Ostermesse wieder ihrer eigentlichen Bestimmung zugeführt.Siehe Nikitsch: DIO 3. Einleitung: Historisch-chronologischer Überblick.

Die Kirche diente unter anderem als Grablege prominenter Rompilger und in Rom ansässiger Kaufleute aus dem Heiligen Römischen Reich. Sie ist ebenfalls Grablege des letzten Papstes aus dem Heiligen Römischen Reich Hadrians VI., dessen Leichnam 1533 in die Anima überführt wurde.Eberhard J. Nikitsch, DIO 3, Nr. 89, in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-dio003r001k0008907. In der Kirche fanden ferner die Kardinäle Wilhelm III. von Enckenvoirt, Andreas von Österreich und Johannes Walter Sluse ihre letzte Ruhestätte. Das Grabmal des ebenfalls hier bestatteten Kardinals Matthäus Schiner sucht man allerdings vergebens. Es ist wahrscheinlich dem Sacco di Roma im Jahr 1527 zum Opfer gefallen.Siehe Nikitsch: DIO 3. Einleitung: Historisch-chronologischer Überblick. Der in Rom tätige Gelehrte und Bibliothekar Lukas Holste (1596–1661) ist hier bestattet. Von Jakob Fugger wurde als Grablege für seinen 1478 in Rom verstorbenen Bruder Markus und seinen 1511 als Apostolischer Protonotar verstorbenen gleichnamigen Neffen die Markuskapelle auf der Nordseite der Kirche gestiftet. Auf Albrecht von Brandenburg, Erzbischof von Magdeburg und von Mainz sowie Kardinalpriester von San Pietro in Vincoli, gehen Stiftung und Ausstattung der Markgrafenkapelle zurück.

Den übrigen Kapellenpatrozinien liegt ein dezidiertes kirchenpolitisches Programm zugrunde, das das Verhältnis zwischen Staat und Kirche thematisiert. Dem während des Investiturstreits kaiserlicherseits abgesetzten Bischof Benno von Meißen, dessen 1523 durch Hadrian VI. erfolgte Heiligsprechung eine theologische Kontroverse in der Frühphase der Reformation auslöste, ist die Bennokapelle im Nordosten des Schiffs gewidmet. Ihr gegenüber befindet sich die dem Bischof Lambert von Lüttich, der wegen seines Einsatzes für die Immunitätsrechte seines Bistums ermordet worden war, geweihte Lambertus- oder Maastricht-Kapelle. Ihr benachbart ist die Kapelle des (1729 heiliggesprochenen) Johannes Nepomuk, der aufgrund der Wahrung des Beichtgeheimnisses durch König Wenzel in Prag das Martyrium erlitt, und auch die anschließende Kapelle der Heiligen Barbara schildert die Folterung und Enthauptung der Heiligen durch ihren königlichen Vater.

Animabruderschaft mini|Titelfest

Seit 1350 unterstützt die Bruderschaft von S. Maria dell’Anima die Arbeit der Anima.Bruderschaft von S. Maria dell’Anima, abgerufen am 2. Februar 2013. Seit 1406 untersteht dieses Institut direkt dem Heiligen Stuhl. Mitglied der Bruderschaft wurde man durch Eintragung ins Bruderschaftsbuch und durch Unterstützung der Anima. Das 17. und 18. Jahrhundert war eine Blütezeit der Anima und ihrer Bruderschaft. Neben hochrangigen Mitgliedern der päpstlichen Kurie, Handwerkern und Gewerbetreibenden waren auch alle wichtigen deutschen Persönlichkeiten Mitglied der exklusiven Bruderschaft, sowohl Männer (Confratres) als auch Frauen (Sorores).Christiane Schuchard: Die Anima-Bruderschaft und die deutschen Handwerker in Rom im 15. und frühen 16. Jahrhundert. In: Knut Schulz (Hrsg.): Handwerk in Europa. Vom Spätmittelalter bis zur Frühen Neuzeit (= Schriften des Historischen Kollegs. Band 41). Oldenbourg, München 1999, ISBN 978-3-486-59442-3, S. 21. Aus der Animabruderschaft heraus wurde die Bruderschaft des Campo Santo Teutonico gegründet.Christiane Schuchard: Die Anima-Bruderschaft und die deutschen Handwerker in Rom im 15. und frühen 16. Jahrhundert. In: Knut Schulz (Hrsg.): Handwerk in Europa. Vom Spätmittelalter bis zur Frühen Neuzeit (= Schriften des Historischen Kollegs. Band 41). Oldenbourg, München 1999, S. 1–26. Verschiedene Testamente sicherten mit Legaten und Immobilienstiftungen die Animabruderschaft.Christiane Schuchard: Vier Testamente für die römische Anima-Bruderschaft (1524/1527). In: Brigitte Flug (u. a.) (Hrsg.): Kurie und Region. Festschrift für Brigide Schwarz zum 65. Geburtstag (= Geschichtliche Landeskunde. Band 59). Franz Steiner, Stuttgart 2005, ISBN 978-3-515-08467-3, S. 307–324. Eingetragene Mitglieder im Bruderschaftsbuch waren unter anderem Melchior von Meckau, Dietrich von Nieheim aber auch Kaiser Sigismund, Kaiser Friedrich III., Kaiser Karl V. sowie einige Päpste wie Pius X. und Johannes Paul II.