mini|Das Tabor-Haus um 2005. Das Tabor-Haus (hebr. Beit Tabor) ist ein denkmalgeschütztes Gebäude an der Prophetenstraße vor den Mauern der Altstadt von Jerusalem. Es entstand ab 1882 als privates Wohnhaus des deutschen Architekten, Archäologen und evangelischen Missionars Conrad SchickZu Conrad Schick vgl. insbes. August Strobel: Conrad Schick – ein Leben für Jerusalem. Zeugnisse über einen erkannten Auftrag, Fürth 1988 [der biographische Teil entspricht einem gekürzten Nachruf von 1902]; und Jacob Eisler: Conrad Schick – Autodidakt, Forscher, Königlich Württembergischer Baurat. Seine ersten Jahre in Palästina und Jerusalem, Stuttgart 2024. (1822–1901) und gehört zu den ältesten Gebäuden vor der Altstadtmauer.Ulf Carmesund: Refugees or Returnees: European Jews, Palestinian Arabs and the Swedish Theological Institute in Jerusalem around 1948, Uppsala 2010, S. 94; vgl. auch die Vorstellung des Hauses auf der Website des Schwedischen Theologischen Instituts [Zugriff am 7. April 2026].

Schick, der bis dahin mit seiner Familie in der Altstadt unweit des Damaskustors gelebt hatte, erwarb das Baugrundstück aus dem Besitz der in Jerusalem tätigen Frutiger-Bank. Die Grundsteinlegung erfolgte 1882; die offizielle Einweihung des Hauses mit angeschlossener Kapelle wurde 1889 vollzogen. Das Gebäude spiegelt in seiner architektonischen Gestaltung die vielfältigen kulturellen Einflüsse wider, denen Schick während seiner jahrzehntelangen Tätigkeit in Jerusalem begegnete.Jacob Eisler: Conrad Schick – Autodidakt, Forscher, Königlich Württembergischer Baurat. Seine ersten Jahre in Palästina und Jerusalem, Stuttgart 2024, S. 25.

Architektonisch handelt es sich um eine eklektische Komposition aus europäischen und lokalen Bauformen. Der Eingangsbereich erinnert an ein deutsches Schloss, während massive Mauern und Kreuzgewölbe typische Elemente arabischer Wohnarchitektur in Palästina aufgreifen. Die Giebel orientieren sich am eisenzeitlichen Altar von Megiddo. Die Innenräume folgen dem Typus eines Liwan-Hauses, angeordnet um einen zentralen Innenhof. Diese Mischung unterschiedlicher Bautraditionen macht das Gebäude zu einem markanten Beispiel Jerusalemer Architektur des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Über dem Eingang ist der Name Beit Tabor mit einem Verweis auf Psalm 89,12 eingraviert: „Nord und Süd hast du geschaffen, Tabor und Hermon jauchzen über deinen Namen“. Die Fassade ist mit Reliefs aus Palmblättern und den griechischen Buchstaben Alpha und Omega geschmückt.Nazmi al-Jubeh: Conrad Schick – Pioneering Architect, Archaeologist, and Historian of Nineteenth Century Jerusalem. In: Jerusalem Quarterly 67 (2016), S. 7–18, hier: S. 13f.; vgl. auch die Vorstellung des Hauses auf der Website des Schwedischen Theologischen Instituts [Zugriff am 7. April 2026].

Nach wechselnder Nutzung im 20. Jahrhundert, unter anderem durch die osmanischen Behörden, als methodistische Schule und zur Unterbringung jüdischer Flüchtlinge, begann 1951 die Nutzung des Hauses durch das Schwedische Theologische Institut. 1966 ging das Gebäude vollständig in den Besitz der Schwedische Kirche über. Heute dient es dem Institut als Studien- und Begegnungsstätte mit Gästezimmern, Kapelle und Veranstaltungsräumen. Die im Institutsgebäude untergebrachte Bibliothek, benannt nach dem ersten Direktor Hans Kosmala (1903–1981), geht in ihren Ursprüngen auf die Sammlung Schicks zurück. Sie umfasst heute etwa 6.000 Bände und bildet ein zentrales Arbeitsinstrument für Forschung und Lehre vor Ort.Ulf Carmesund: Refugees or Returnees: European Jews, Palestinian Arabs and the Swedish Theological Institute in Jerusalem around 1948, Uppsala 2010, S. 94, 104; vgl. auch die Vorstellung des Hauses auf der Website des Schwedischen Theologischen Instituts [Zugriff am 7. April 2026].

Weblinks

Vorstellung des Hauses auf der Website des Schwedischen Theologischen Instituts.

Anmerkungen

Kategorie:Bauwerk in Jerusalem Kategorie:Erbaut 1889 Kategorie:Wohngebäude Kategorie:Altstadt von Jerusalem Kategorie:Bauwerk des Eklektizismus Kategorie:Umgenutztes Bauwerk