Der VdA – Verband deutscher Archivarinnen und Archivare e. V. ist ein Fachverband für das Archivwesen in Deutschland. Der Sitz des Verbandes und der Geschäftsstelle befindet sich seit 2006 in Fulda. Die Geschäftsstelle wird seit 2001 hauptamtlich von einem Geschäftsführer geleitet. Vereinszweck des VdA ist laut Satzung (Neufassung vom 9. Oktober 2024) „die Förderung von Wissenschaft, Kultur und Berufsbildung durch aktive und unmittelbare Förderung des Archivwesens und der Information im Interesse der Allgemeinheit, der Kooperation aller Archive und archivischer Einrichtungen sowie der Archivwissenschaft“.Satzung des VdA.

Der VdA, der bis zum Jahr 2000 „Verein deutscher Archivare“ hieß, wurde 1946 gegründet und hat gegenwärtig (2016) rund 2400 persönliche und korporative Mitglieder.Geschichte und Mitglieder des VdA. Er veranstaltet jährlich den Deutschen Archivtag und seit 2001 (seit 2004 im zweijährlichen Turnus) auch regelmäßig den bundesweiten Tag der Archive.

Geschichte Der VdA wurde am 11. Dezember 1946 in Bünde (Westfalen) gegründet und war damit der erste überregionale und archivspartenübergreifende Fachverband des deutschen Archivwesens. Zuvor gab es nur regionale (1896 Vereinigung thüringischer Archivare, Verband der wissenschaftlichen Beamten an preußischen Staatsarchiven) oder fachgruppenspezifische Verbände (1924 Vereinigung der deutschen staatlichen Archivare, 1925 Vereinigung der deutschen nichtstaatlichen Archivare).

Die Kriegsschäden sowie die Auflösung politischer Strukturen nach dem Zweiten Weltkrieg zwangen das Archivwesen zu einem Neuanfang. Auf Einladung der britischen Militärregierung trafen sich am 25. Juni 1946 15 Archivleiter in Bünde. Bei diesem ersten Treffen wurde bereits die Herausgabe eines „Mitteilungsblattes deutscher Archive“ beschlossen.

Bei einem zweiten Zusammentreffen am 11. Dezember 1946 beantragte man bei der Militärregierung die „Begründung einer Berufsorganisation der wissenschaftlichen Archivare Deutschlands“. Deren Aufgaben sollten die Vorbereitung des Deutschen Archivtages sowie die „Fühlungnahme mit dem Gesamtverein der Deutschen Geschichts- und Altertumsvereine“ sein. Dies gilt als Gründungsmoment des VdA. Im Folgejahr konnte der Verband bereits auf die amerikanisch besetzte Zone ausgedehnt werden.

In der Nachkriegszeit nahm der Vorstand des VdA gleichzeitig die Rolle des „Bizonalen Archivausschusses“, später „Deutschen Archivausschusses“, wahr. Dieser sollte als Verbindungsorgan zu den Militärregierungen und Ländern dienen. In den 1950er Jahren wurde der Archivausschuss aufgelöst und von der Archivreferentenkonferenz des Bundes und der Länder abgelöst.

Die Mitgliedschaft im Verband sollte ursprünglich nur Facharchivaren aus dem höheren Dienst vorbehalten sein. Dies widersprach aber dem Ziel, alle Archivsparten zu vertreten: Denn gerade in Wirtschafts-, Kirchen- und Stiftungsarchiven finden sich zahlreiche Archivare, die zwar eine wissenschaftliche, aber keine archivarische Ausbildung aufweisen können. Deswegen wurde die Satzung 1961 und 1978 entsprechend umformuliert, so dass nur die Aufnahme nebenamtlicher Archivare eines besonderen Vorstandsbeschlusses bedarf.50 Jahre Verein deutscher Archivare. Bilanz und Perspektiven des Archivwesens in Deutschland. Referate des 67. Deutschen Archivtags und des Internationalen Kolloquiums zum Thema: Die Rolle der archivarischen Fachverbände in der Entwicklung des Berufsstandes. 17.–20. September 1996 in Darmstadt. Veranstaltet vom Verein deutscher Archivare. (Der Archivar. Beiband 2) Siegburg 1998, S. 1 ff.

Seit 2011 lobt der VdA Landesverband ThüringenLandesverband Thüringen gemeinsam der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-ThüringenSparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen jährlich den Thüringer Archivpreis aus. Einen weiteren Archivpreis in Deutschland gibt es seit 2005 nur in Hessen.Hessischer Archivpreis

Vorsitzende Der/die Vorsitzende des VdA wird von der Mitgliederversammlung aus dem Kreis der Mitglieder für eine Amtszeit von vier Jahren gewählt. Er/sie kann einmal wiedergewählt werden. mini|Karl Bruchmann, Vorsitzender 1961–1967

Amtszeit Vorsitzender Archiv 1946–1952 Bernhard Vollmer Staatsarchiv Düsseldorf 1953–1957 Wilhelm Winkler Generaldirektion der staatlichen Archive Bayerns 1957–1961 Georg Wilhelm Sante Hauptstaatsarchiv Wiesbaden 1961–1967 Karl Bruchmann Bundesarchiv 1967–1977 Helmut Dahm Archivverwaltung NRW 1977–1985 Eckhart G. Franz Staatsarchiv Darmstadt 1985–1993 Hermann Rumschöttel Bayerisches Hauptstaatsarchiv München 1993–2001 Norbert Reimann Westfälisches Archivamt Münster 2001–2005 Volker Wahl Hauptstaatsarchiv Weimar 2005–2009 Robert Kretzschmar Hauptstaatsarchiv Stuttgart 2009–2013 Michael Diefenbacher Stadtarchiv Nürnberg 2013–2016 Irmgard Christa Becker Archivschule Marburg 2016–2025 Ralf Jacob Stadtarchiv Halleseit 2025Michael RuprechtStadtarchiv Leipzig

Hauptamtlicher Geschäftsführer ist seit 2001 Thilo Bauer.

Fachgruppen Seit der Gründung war die Gleichberechtigung von Archivaren staatlicher und nichtstaatlicher Archive angestrebt. Die Organisation der einzelnen Archivsparten entwickelte sich zunächst jedoch informell innerhalb des Verbandes. Die Wirtschaftsarchive hatten zwar 1957 einen eigenen Verband, die Vereinigung deutscher Werksarchivare e. V. (seit 1975 Vereinigung deutscher Wirtschaftsarchivar e. V.), gegründet, dieser blieb aber dem VdA stets eng verbunden. 1961 wurde schließlich eine Änderung der Vereinssatzung beschlossen, um der Diversifikation im Archivwesen auch im VdA Rechnung zu tragen: Die Gliederung des Vereins erfolgte seitdem in sieben Fachgruppen. 1978 wurden auch die „Hochschularchive und Archive wissenschaftlicher Institutionen“ als achte Fachgruppe ergänzt.

Die Mitglieder des VdA unterteilen sich in acht Fachgruppen, die sich im Wesentlichen an den Archivsparten orientieren: Fachgruppe 1: Staatliche Archive Fachgruppe 2: Kommunale Archive Fachgruppe 3: Kirchliche Archive Fachgruppe 4: Kulturarchive Fachgruppe 5: Wirtschaftsarchive Fachgruppe 6: Archive der Parlamente, politischen Parteien, Stiftungen und Verbände Fachgruppe 7: Medienarchive Fachgruppe 8: Archive der Hochschulen und wissenschaftlicher Institutionen Aus den zwischen ein und fünf Personen starken Vorständen dieser Fachgruppen wird der VdA-Gesamtvorstand gebildet.Fachgruppen innerhalb des VdA.

Landesverbände Innerhalb des VdA bestehen zurzeit sieben Landesverbände. Diesen haben zur Aufgabe, besondere archivische Interessen auf Ebene der Bundesländer zu vertreten und als regionale Ansprechpartner für die Mitglieder des VdA und als Ansprechpartner für externe Stakeholder zur Verfügung zu stehen. Ihre besonderen Aufgaben liegen in der Organisation regionaler Archivtage, die dem zentralen fachlichen Austausch unter Archivaren dienen.

Die Organisation der Landesverbände ist in § 10 der VdA-Satzung sowie in eigenen Geschäftsordnungen geregelt. Die Landesverbände sind wie die Fachgruppen nicht rechtlich selbstständig. Eine Einzelmitgliedschaft in den Landesverbänden ist nicht möglich. Mitglieder, die in einem der in Landesverbänden organisierten Gebiete ihren Arbeitsplatz haben, werden automatisch Mitglied des entsprechenden Landesverbands. Die Landesverbände werden durch einen Vorstand geleitet. Sie sind auf der Mitgliederversammlung antragsberechtigt.

Zurzeit bestehen folgende Landesverbände: Landesverband Berlin Landesverband Brandenburg Landesverband Hessen Landesverband Sachsen Landesverband Sachsen-Anhalt Landesverband Thüringen

Der Landesverband Mecklenburg-Vorpommern löste sich 2021 auf.

Arbeitskreise Für die Arbeit an archivspartenübergreifenden Themen haben sich Arbeitskreise gegründet. Derzeit bestehen sieben Arbeitskreise: Archivische Bewertung Archivische Rechtsfragen Archivpädagogik und Historische Bildungsarbeit Ausbildung und Berufsbild Mentoring Offene Archive Überlieferungen der Neuen Sozialen Bewegungen.Arbeitskreise innerhalb des VdA.

Diese berichten auf dem Deutschen Archivtag von ihren Tätigkeiten. Der Tätigkeitsbericht wird anschließend in der Zeitschrift Archiv – Theorie & Praxis veröffentlicht.

Archivische Bewertung Anliegen des Arbeitskreises ist es, den Austausch über Fragen der Bewertung zu fördern. Dabei werden vorrangig solche Bereiche in den Blick genommen, in denen es Überschneidungen oder Berührungen zwischen den verschiedenen Archivsparten gibt. Der Arbeitskreis strebt darüber hinaus eine Verständigung über theoretische und methodische Grundsätze der Bewertung an, die als Empfehlungen innerhalb des Verbandes und darüber hinaus zur Diskussion gestellt werden sollen.

Archivische Rechtsfragen Der Umgang mit den Archivgesetzen ist bereits seit Jahrzehnten Teil des Tagesgeschäfts in den öffentlichen Archiven. Eine Fülle rechtlicher Fragen ergibt sich aber auch in der Arbeit privatrechtlich organisierter Archive. Schwerpunkte des Arbeitskreises sind die Erarbeitung von Empfehlungen für Archivare und Archive zum Umgang mit rechtlichen Problemen in der Praxis und die Vorbereitung von Stellungnahmen des VdA in Gesetzgebungsverfahren auf Bundes- und Länderebene.

Archivpädagogik und Historische Bildungsarbeit Vorrangiges Ziel des Arbeitskreises ist es, die Historische Bildungsarbeit und Archivpädagogik in den Archiven als festen Bestandteil archivischer Aufgaben zu verankern, methodische Anregungen und Hilfen für die Umsetzung dieses Aufgabenbereichs zu geben sowie das Interesse an archivischen Themen in der Öffentlichkeit, insbesondere an den Schulen zu stärken.

Ausbildung und Berufsbild Im Arbeitskreis Ausbildung und Berufsbild wird an der Erstellung eines alle Archivsparten übergreifenden Berufsbildes gearbeitet. Nach dessen Erarbeitung besteht die nächste Aufgabe darin, dieses bei entsprechenden Multiplikatoren (Industrie- und Handelskammern, Bundesagentur für Arbeit) zu etablieren, um einem zukünftigen Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Unterarbeitskreis FaMI Außerdem hat sich ein Unterarbeitskreis „FaMI“ konstituiert. Dieser fördert die Wahrnehmung und Kommunikation dieser beiden neuen Berufe untereinander. Hierzu veranstaltet er u. a. jährlich auf dem Deutschen Archivtag einen Workshop zum Erfahrungsaustausch, bei dem nur ausgebildete bzw. in Ausbildung befindliche FaMIs zugelassen sind.

Mentoring Ziel des Arbeitskreises ist es, ein Mentoring-Programm für VdA-Mitglieder zu entwickeln und zu etablieren. Mentoring bedeutet: Eine erfahrene Person (Mentor) begleitet eine weniger erfahrene Person (Mentee) über einen festgelegten Zeitraum hinweg. Dabei geht es um den Austausch von Wissen, Erfahrungen und Perspektiven. Die Mentoren unterstützen ihre Mentees bei fachlichen und persönlichen Fragestellungen, geben Einblicke in berufliche Zusammenhänge und helfen, Herausforderungen zu reflektieren und zu meistern – in einem vertrauensvollen, konstruktiven und kollegialen Rahmen.

Offene Archive Der im Herbst 2016 eingerichtete Arbeitskreis Offene Archive ging aus der Expertengruppe Social Media und Öffentlichkeitsarbeit des VdA hervor. Er widmet sich aktuellen Entwicklungen von digitalen Kommunikations-, Kollaborations- und Präsentationsmöglichkeiten (Soziale Medien und Blogs) und ihrer Nutzung im Archiv und organisiert entsprechende Veranstaltungen. Die seit 2012 stattfindende Konferenzreihe „Offene Archive“ wurde 2017 erstmals mit durch den VdA ausgerichtet.Arbeitskreise innerhalb des VdA.

Überlieferungen der neuen sozialen Bewegungen Der Arbeitskreis Überlieferungen der neuen sozialen Bewegungen besteht seit 2009. Er soll die Kommunikation „zwischen den verschiedenen Archivwelten“ verbessern und die Bedeutung dieser Archive intensiver kommunizieren. Praktisch beschäftigt sich der Arbeitskreis mit den Problemen freier Archive, der Erstellung eines Handbuchs sowie Unterstützungsmöglichkeiten durch den VdA.

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