Die nigerianische Cricket-Nationalmannschaft (), deren Spieler auch unter dem Spitznamen Yellow Greens bekannt sind, vertritt Nigeria auf internationaler Ebene in der Sportart Cricket. Das Team wird von der Nigeria Cricket Federation (, NCF) geleitet und ist seit 2002 assoziiertes Mitglied im International Cricket Council, nachdem es zuvor Teil der westafrikanischen Cricket-Nationalmannschaft gewesen war; Westafrika nahm jedoch an keinem Cricket World Cup teil. Damit gehört es zur zweiten Reihe der Nationalmannschaften und gilt, zusammen mit Tansania, hinter den Vollmitgliedern Südafrika und Simbabwe sowie den assoziierten Mitgliedern Kenia, Namibia und Uganda, traditionellerweise als eine der stärkeren Nationalmannschaften Afrikas. Nigeria verfügt seit 2019, wie alle ICC-Mitglieder, über vollen T20I-Status.

Geschichte Anfänge des Crickets in Nigeria mini|Die Pitch beim Tafawa Balewa Square im Zentrum von Lagos (2022) Britische Kolonisten führten Cricket zum Ende des 19. Jahrhunderts im heutigen Nigeria ein. Kontakte zwischen der Verwaltung in Lagos und ihrem Gegenüber, der Goldküste (heute Ghana), führten am 25. Mai 1904 zu einem internationalen Spiel auf dem Race Course (heute Tafawa Balewa Square), Lagos, das die Goldküste mit 22 Runs gewann. Damit wurde Cricket die erste moderne Sportart im heutigen Nigeria, in der ein internationales Spiel in dem Land ausgetragen wurde. Außerdem war dies das erste interkoloniale Cricket-Match in Westafrika.

Die Begegnung entwickelte sich zu einer jährlichen Partie und war für die ersten drei Spiele multiethnisch. Im vierten Spiel im Dezember 1906 spielten lediglich Spieler europäischer Herkunft und die afrikanische Bevölkerung spielte ab 1907 ihre eigenen jährlichen Matches. Internationale Begegnungen kamen aufgrund des Ersten Weltkrieges zum Erliegen und wurden erst 1925 (für Europäer) bzw. 1926 (für Afrikaner) wieder aufgenommen. In den Zwischenkriegsjahren wurde das Cricket auf eine mehr formale Basis gehoben mit jeweils getrennten Verbänden für die Europäer und Afrikaner, die 1932 bzw. 1933 beide unter dem Namen Nigerian Cricket Association gegründet wurden. First-Class-Cricket-Spieler aus England begannen in den Spielen gegen die Goldküste zu spielen, und das Spiel 1939, das letzte vor dem Zweiten Weltkrieg, gewann die Goldküste mit 58 Runs. Unter den englischen Cricketspielern, die für Nigeria spielten, war William Shirley, der von 1928 bis 1938 in Nigeria lebte und in fünf internationalen Spielen gegen die Goldküste spielte, wobei er 350 Runs erzielte und 21 Wickets nahm.

Nach dem Krieg wurden die Begegnungen für Europäer 1947 wieder aufgenommen und die Partien für Afrikaner folgten ein Jahr später. Das erste fünftägige Spiel der Nachkriegszeit für Europäer in Lagos endete im Remis. Die Partie 1949 entschied die Goldküste für sich. Nachdem die Anzahl Europäer im Land abgenommen hatte, begannen mehr Afrikaner Cricket zu spielen. Im Jahr 1951 gründete sich in Lagos ein gemeinsamer Verband mit Abteilungen für beide Bevölkerungsgruppen und ab 1956 wurde der Sport multiethnisch organisiert. 1957 verschmolzen beide Abteilungen zum Verband Nigeria Cricket Association (NCA).

Nach der Unabhängigkeit In den ersten Jahren nach Nigerias Unabhängigkeit 1960 genoss Cricket große Aufmerksamkeit. 1964 wurden die ersten Partien gegen sowohl Gambia als auch Sierra Leone ausgetragen. Diese Begegnungen wurden bis Ende der 1970er Jahre jährlich bestritten, bis Fußball im Land beliebter wurde. Die Qualität des Cricket nahm ab und während Tansanias Besuch 1974 verlor Nigeria zwei der drei Spiele, während das dritte im Remis endete. 1976 verloren sie auch das Dreitagesspiel gegen den Marylebone Cricket Club (MCC) mit zehn Wickets. Ende der 1970er Jahre durchlief Nigeria eine Wirtschaftskrise und weniger Geld war für Cricket verfügbar. Die Anzahl junger Spieler nahm ab und der Sport verlor gegenüber Leichtathletik und Fußball an Bedeutung. Wie vieles in Nigeria erfuhr Cricket während der gesamten 1970er und 1980er Jahre Probleme wie Missmanagement, staatliche Eingriffe, Korruption, Unterfinanzierung, mangelnde Unterstützung für einen Sport mit einer starken kolonialen Verbindung und Konflikten zwischen den Ethnien. Nigeria zog lediglich Vorteil daraus, dass es die meisten Spieler für das westafrikanische Team stellte, das 1976 ein Associate Member des ICC wurde.

Bestandteil des westafrikanischen Teams Zu der Zeit waren weder Nigeria noch Westafrika Mitglieder des ICC und konnten daher nicht an den ersten beiden Cricket World Cups der Jahre 1975 und 1979 teilnehmen. Die erste Teilnahme des westafrikanischen Teams an der ICC Trophy erfolgte 1982. Dabei gelang dem Team kein Sieg, allerdings wurde es in der Gruppe aufgrund zahlreicher No Results nur Vorletzter und verpasste den Cricket World Cup 1983. Nachdem das Team zweimal ausgesetzt und damit die Cricket World Cups 1987 und 1992 versäumt hatte, war die nächste Teilnahme an der ICC Trophy 1994. In der Vorrunde belegte das Team den letzten Platz und qualifizierte sich nicht für den Cricket World Cup 1996, konnte jedoch die Trostrunde gewinnen und belegte so den 17. Gesamtrang. Drei Jahre später belegte die Mannschaft in ihrer Vorrundengruppe vor Argentinien den vorletzten Rang und scheiterte an der Qualifikation zum Cricket World Cup 1999. In der Trostrunde gelang es dem Team, den 18. Gesamtrang zu erreichen. Kurz vor der Austragung 2001 zog sich die Mannschaft wegen verweigerter Visa zurück und verpasste die Qualifikation für den Cricket World Cup 2003. Die kanadischen Beamten hatten befürchtet, die Spieler aus Sierra Leone würden sich in Anbetracht des Bürgerkrieges in dem Land weigern, in ihre Heimat zurückzukehren.

Während des Bestehens des westafrikanischen Teams wurde Nigeria weiterhin von seiner eigenen Mannschaft vertreten, obschon sich diese ab und zu von Turnieren zurückzog wie beispielsweise während der Africa Cricket Association Championship 1998. Dank seiner Dominanz innerhalb des westafrikanischen Teams überstand das nigerianische Cricket die schwierigen Jahre und der Verband wurde 2002 Associate Member des ICC, während den anderen ehemaligen Mitgliedern Westafrikas lediglich angeschlossener Status gewährt wurde. Damit wurde die West African Cricket Conference im selben Jahr aufgelöst.

Nach der Eigenständigkeit Beim Africa Cup 2002 in Sambia nahm Nigeria erstmals an einem Turnier teil. Die Nigerianer belegten den vierten Platz, nachdem sie lediglich Malawi besiegen konnten. Sie beendeten die Africa Cricket Association Championships 2004 auf dem fünften Platz und gewannen lediglich gegen die letztplatzierten Tansanier, womit sie die Qualifikation für die ICC Trophy 2005 und damit für die Cricket World Cup 2007 verpassten.

2006 benannte sich der nigerianische Verband in Nigeria Cricket Federation (NCF) um. Im August desselben Jahres nahm Nigeria an der Division Two der World Cricket League Africa Region in Tansania teil, einem Turnier unterhalb der World Cricket League und Teil der Qualifikation zum Cricket World Cup 2011, landete jedoch auf dem letzten Platz. Damit stieg es erst in die Division Three ab, zog sich dann jedoch von diesem Turnier 2008 zurück. Die Nigerianer gewannen die North West Africa Championship der Jahre 2007 und 2008. Danach wurde Nigeria in der Division Two der World Cricket League Africa Region 2008 Zweiter und qualifizierte sich damit für die ICC World Cricket League Division Seven 2009 der World Cricket League 2009–14 für den Cricket World Cup 2015. Diese beendete das Team auf dem dritten Platz und verblieb damit in dieser Division.

Im Mai 2011 erreichte Nigeria in der Division Seven 2011 in Botswana den zweiten Platz, nachdem es Kuwait im Finale unterlegen war. Damit erreichte das Team die Division Six 2011. Diese beendeten die Nigerianer auf dem fünften Platz, nachdem sie Fidschi im Play-off besiegt hatten, womit sie in die Seven 2013 abstiegen. Dort gelang der direkte Wiederaufstieg in die Division Six 2013, in der das Team ebenfalls den Aufstieg in die Division Five 2014 schaffte. Diese war Teil der Cricket-World-Cup-2019-Qualifikation und fand in Malaysia statt. Nigeria unterlag im Spiel um Platz drei Tansania und verblieb 2016 in dieser Division. Diese schlossen die Nigerianer lediglich auf dem sechsten Platz ab, womit sie die World Cricket League 2017–19 im World Cricket League Africa Region Qualifiers 2017 begannen.

Nigeria nahm nicht an den Qualifikationen der World Twenty20s für die Turniere 2007, 2009 und 2010 teil. In der Qualifikation zum ICC World Twenty20 Qualifier 2012 verpasste Nigeria den ICC World Twenty20 Qualifier und damit auch die World Twenty20 2012. Die Qualifikation zum ICC World Twenty20 Qualifier 2014 verlief auf ähnliche Weise, womit die Nigerianer die World Twenty20 2014 versäumten. Im darauf folgenden Qualifikationszyklus erreichten sie nicht die World Twenty20 Qualifier 2015 für die World Twenty20 2016. In der afrikanischen Vorqualifikation 2017 zum Cricket World Cup 2023 erreichte das Team den vierten Platz und verpasste damit die World Cricket League Division Five 2017, womit es auch die Vorqualifikation für den Cricket World Cup 2027 versäumte.

Aktuelle Entwicklung Im April 2018 gewährte der Weltverband ICC allen seinen Mitgliedern vollen T20I-Status. Demzufolge werden alle T20I-Matches zwischen Nigeria und anderen ICC-Mitgliedern seit dem 1. Januar 2019 als volle T20I anerkannt. Im August 2018 wurde Nigeria in den Africa T20 Cup 2018 von Cricket South Africa aufgenommen. Die Qualifikationsgruppe der North-Western Subregion wurde auf dem Tafawa Balewa Square Cricket Oval im Zentrum von Lagos ausgetragen und der Gastgeber erreichte hinter Ghana den zweiten Platz, womit Nigeria das Regionalfinale der Afrika-Qualifikation zum ICC World Twenty20 Qualifier 2020 erreichte. Dort bestritt das Team am 20. Mai 2019 sein erstes T20I-Match gegen Kenia in Kampala, unterlag jedoch mit acht Wickets. Die Nigerianer schlossen das Regionalfinale auf dem dritten Platz ab, womit sie den T20 World Cup Qualifier 2019 zunächst knapp verfehlt hatten. Im Juli 2019 wurde jedoch Zimbabwe Cricket vom ICC suspendiert, womit Simbabwe von Turnieren des ICC ausgeschlossen wurde. Folglich wurde es im T20 World Cup Qualifier 2019 für den T20 World Cup 2021 durch Nigeria ersetzt. Dort kam es jedoch nach Niederlagen in allen sechs Begegnungen nicht in die Endrunde. Zuvor hatte sich die U19-Nationalmannschaft erstmals für eine Weltmeisterschaft qualifiziert und debütierte beim Turnier 2020 in Südafrika.

Im November 2020 wurde der frühere sri-lankische Cricketspieler Asanka Gurusinha als neuer Nationaltrainer und High Performance-Manager angestellt und mit der Beaufsichtigung des Trainings und Monitorings lokaler Trainer beauftragt. Als Vorbereitung auf die Afrika-Qualifikation zum ICC Men’s T20 World Cup 2022 empfing Nigeria im Oktober 2021 Sierra Leone für sechs T20I-Matches. In der fünften Partie am 24. Oktober 2021 nahm Peter Aho sechs Wickets für nur fünf Runs, womit er die damals besten bowling figures überhaupt erzielte und einen neuen Rekord aufstellte. Damit wurde er auch der erste nigerianische Bowler, der einen Hattrick und ein Five-for im T20I erzielte. In der anschließenden Afrika-Qualifikation erreichte das Team zwar das Regionalturnier, schied dort jedoch aus und erreichte nicht den T20 World Cup 2022.