Der Nacktgesichthokko (Crax fasciolata) ist eine Vogelart aus der Familie der Hokkohühner (Cracidae), die in Bolivien, Brasilien, Paraguay und Argentinien verbreitet ist. Der Bestand wird von der IUCN als gefährdet (Vulnerablel) eingeschätzt.

Merkmale Der Nacktgesichthokko erreicht eine Körperlänge der Männchen von ca. 77 bis 85 cm und der Weibchen von 75 cm bei einem Gewicht der Männchen von ca. 2700 bis 2800 und der Weibchen von ca. 2200 bis 2700 g. Das Gefieder des Männchens ist überwiegend schwarz, mit einem leichten grünlich blauen Schimmer, besonders am Mantel. Nur der Bauch und Schienbeinfederbüschel sind weiß und heben sich deutlich vom übrigen Gefieder ab. An den Schenkeln können vereinzelt weiße Federn vorkommen, vermutlich jedoch nur bei Jungvögeln, und die meisten Schwanzfedern weisen kleine weiße Spitzen auf. Bei den Weibchen ist die Haube überwiegend weiß mit eingerollten schwarzen Spitzen und teilweise bzw. gelegentlich auch stärker schwarzen Ansätzen. Die Haube ist insgesamt gut entwickelt und oft aufgestellt. Der Hals, die obere Brust, der Mantel, der Rücken, die Flügel und der Schwanz sind schwarz oder grauschwarz und vollständig weiß gebändert, an den Schultern und am Rücken manchmal leicht gelblich gebändert. Am Hals ist da Weibchen einfarbig und nicht gemustert. Der Schwanz weist etwa zwölf schmale weiße Bänder auf und alle Steuerfedern außer dem mittleren Paar haben weiße Spitzen die ca. 2,5 cm lang sind. Vermutlich ist die gelbliche Färbung bei Jungvögeln am intensivsten. Der Schnabel des Männchens ist dunkel, mit hornfarbener Spitze und leuchtend gelber, leicht geschwollener Wachshaut. Beim Weibchen ist sowohl der Schnabel als auch Wachshaut dunkel. Die Iris ist bei Männchen dunkelbraun, bei den Weibchen heller. Die Gesichtshaut um das Auge ist bei beiden Geschlechtern schwarz. Die Beine und Zehen sind dunkel braungrau beim Männchen, blassrosa bei den Weibchen.Guy Maxwell Kirwan, u. a. (2020)

Lautäußerungen Der Gesang des Nacktgesichthokkos besteht aus einer Serie tiefer, dröhnender Laute, die wie hm-hm-hm hm-hm hm klingen und gelegentlich vom Boden aus ertönen. Er ähnelt dem des Amazonashokkos (Mitu tuberosum), ist jedoch weniger deutlich artikuliert, gedämpfter und enthält einige aufsteigende Töne. Es wurde auch ein gereizter Laut als ein hohen Pfeifton PSIIu mit einer Klangfarbe, die dem Weißkappen-Schleppentyrann (Colonia colonus) ähnelt, beschrieben. Der Alarmruf klingt wie ein bellendes Koa, waiu-u-U, oder wenn er nachts auf dem Schlafplatz gestört wird, kann ein waaiu erklingen, gefolgt von einem lauten Flüsterton. Ein anderer Ruf, bei dem der Kontext unklar ist, besteht aus einem langgezogenen Pfiff in mittlerer Tonlage, der wie SFIeoiu klingt. Dieser wird manchmal zu einem kürzeren, nachdrücklicheren und höheren, niesenden kseiu, das regelmäßig wiederholt und abfallend intoniert wird. Der Gesang ist manchmal die ganze Nacht hindurch zu hören, dann meist in der ersten Stunde nach Sonnenaufgang, ausnahmsweise auch bis ca. 10:00 Uhr.

Fortpflanzung Küken des Nacktgesichthokkos wurden im Dezember in Paraguay beobachtet. In der Provinz Formosa wurden Nester mit Eiern Ende November entdeckt. In Minas Gerais wurden Altvögel mit Jungen im Juli und August, in südliches Mato Grosso im November und in Goiás Ende Dezember gesichtet. Ein beschriebenes Nest befand sich in einem Baum, ein weiteres lag vier Meter über dem Boden, versteckt in einem Gewirr von Kletterpflanzen. Das Nest ist eine solide Plattform aus Stöcken, Zweigen, Stängeln und Blättern, die mit frischen Blättern ausgelegt wird. Die Nistplattform ist 40 Zentimeter breit und 10 Zentimeter tief. Die weißen Eier sind oval und 78,1 bis 81,0 × 53,8–58,4 mm groß. In Gefangenschaft werden sie 30 Tage alleine vom Weibchen bebrütet. Die Küken wiegen ca. 90 g nach dem Schlüpfen. Nach 28 Tagen wiegen diese schon 400 g und nach 93 Tagen 1260 g. Die Jungtiere bleiben einige Monate bei den Altvögeln.

Verhalten und Ernährung Der Nacktgesichthokko gilt im Allgemein als monogam, doch Beobachtungen aus dem Pantanal lassen auf ein mögliches Balzverhaltens der Männchen schließen. Er ernährt sich von Früchten, meist solchen, die an Bäumen hängen oder auf den Boden gefallen sind. Außerdem gehören Samen, Blüten und Wirbellose zu seiner Nahrung. Er besucht Salzlecke, um salzreiche Erde aufzunehmen. Seine Nahrung sucht er allein oder paarweise. Es wurde beobachtet, dass der Vogel in Gesellschaft von Chacoguan (Ortalis canicollis), Blaukehlguan (Pipile cumanensis) und Rotbrustguan (Penelope ochrogaster) an Blüten eines Tabebuia-Baumes fraß. in In Gefangenschaft wurden 20 Früchte, eine Blüte (Pavonia ), einen Trieb und eine Schnecke als Nahrung dokumentiert. Zu den Früchten gehörten Guatteria, Cordia, Davilla, Carpotroche brasiliensis, Cassia, Pterocarpus rohrii, Byrsonima, Pavonia, Miconia camoena, Miconia holosericea, Miconia nervosa, Passiflora, Serjania, Urvillea stipitata, Micropholis crassipedicellata, Solanum swartzianum und Lantana camara. Dazu kamen drei Früchte, denen nur die Familie Hundsgiftgewächse, Seifenbaumgewächse und Ulmengewächse zugeordnet werden konnten. Offenbar sind die Samen in seinem Kot normalerweise nicht keimfähig, doch die Samen von Syagrus romanzoffiana scheinen den Körper des Vogels unversehrt passieren zu können.

Verbreitung und Lebensraum mini|Verbreitungsgebiet des Nacktgesichthokkos (grün) Der Nacktgesichthokko bevorzugt feuchte immergrüne, halbimmergrüne Vegetation und Galeriewälder, manchmal mit Bambus, in Höhenlagen von bis mindestens 700 Meter in Bolivien und 800 Meter im östlichen Amazonasgebiet Brasiliens. Er ist häufig an Waldrändern und in der Nähe von Flüssen anzutreffen. Gelegentlich verirrt er sich an Strände, dies hauptsächlich am frühen Morgen oder am späten Abend.

Unterarten Es sind folgende Unterarten bekannt: Crax fasciolata fasciolata , 1825Johann Baptist von Spix (1825), S. 48–49, Tafel 62a. kommt im zentralen und südwestlichen Brasilien, in Paraguay und dem nordöstlichen Argentinien vor. Crax fasciolata pinima , 1870August von Pelzeln (1870), S. 287 & 341. ist im nordöstlichen Brasilien verbreitet. Das Männchen ist überwiegend schwarz, einschließlich des gekräuselten Schopfes aus verlängerten Federn, mit weißem Steiß. Die Haut um das Auge ist unbefiedert schwarz, die Wachshaut am Schnabelansatz gelb. Es unterscheidet sich vom Männchen von der Nominatform durch seine deutlich geringere Größe. Das Weibchen hat ein dunkles Obergefieder mit sehr schmaler, heller Bänderung, einen gekräuselten Schopf aus verlängerten, schwarzweißen Federn und ist von der unteren Brust bis zum Steiß blassgelb bis weißlich. Im Vergleich zum Weibchen der Nominatform ist es viel kleiner, dunkler mit schmalerer und stark reduzierter weißer oder gelblicher Bänderung auf der Oberseite und besonders am Schwanz, viel blasser gelblich auf der Unterseite und hat eine gelbe Wachshaut. Crax fasciolata grayi , 1893William Robert Ogilvie-Grant (1893), S. 480–481. kommt im östlichen Bolivien vor. Einige Männchen weisen einen sehr hellen, gelbbraunen Hinterleib auf und der Weißanteil im Schopf der Weibchen variiert offenbar stark individuell, von nahezu vollständig weiß bis hin zu einem höheren Schwarzanteil als bei jedem Individuum der Nominatform. Das Weibchen unterscheidet sich von der Nominatform durch eine hellere Oberseite, einschließlich der Flügel, insbesondere der Oberschwanzdecken und des Bürzels. Es hat deutlich breitere gelbbraune Binden auf den Schwungfedern, Flügeldecken, dem Rücken und dem Schwanz, einen sehr großen und auffälligen ockerfarbenen Fleck am Flügelrand. Die äußeren kleinen, mittleren und großen Flügeldecken sind ungebändert. Eine weniger dichte und ausgedehnte schwarze Bänderung ziert die weniger ockerfarbenen Unterseite.

Crax Sclateri , 1867George Robert Gray (1867), S. 14., Penelope circinnatus , 1877Hans Friedrich Gadow (1877), S. 182. und Crax fasciolata xavieri 1993Pedro Mário Nardelli (1993), S. 14. werden alle als Synonym zur Nominatform betrachtet. Crax incommoda , 1872Philip Lutley Sclater (1872), S. 690. wird heute als Synonym zu C. f. pinima gesehen.

Migration Der Nacktgesichthokko gilt im Pantanal und wahrscheinlich im gesamten Verbreitungsgebiet als Standvogel.

Etymologie und Forschungsgeschichte mini|Nacktgesichthokko illustriert von Spix Die Erstbeschreibung des Nacktgesichthokko erfolgte 1825 durch Johann Baptist von Spix unter dem wissenschaftlichen Namen Crax fasciolata. Als Verbreitungsgebiet gab er Pará an. 1758 führte Carl von Linné die für die Wissenschaft neue Gattung Crax ein.Carl von Linné (1758), S. 157. Der Begriff stammt von ab.Crax The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling Der Artname fasciolata stammt von .fasciolata The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling Grayi ist George Robert Gray gewidmet, sclateri Philip Lutley Sclater und xavieri José Xavier de Mendonça (genannt Vié) (-1992). Pinima kommt aus der Tupi-Sprache und steht dort für den Belemhokko.pinima The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling Circinnatus hat seinen Ursprung in circinnatus The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling, incommoda in und incommoda The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling und sulcirostris in und .sulcirostris The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling Alfred Laubmann hatte für sein Werk Die Vögel von Paraguay drei Bälge, gesammelt in Zanja Moroti im Bergland des Río Apa durch Eugen Josef Robert Schuhmacher (1906–1973) und Hans Krieg (1888–1970), zur Verfügung. Laubmann sah in Crax fasciolata sclateri die Unterart für das Land. In der Literatur betrachtete er in einem von Richard Otto Rohde (1855–1912) gesammelten Exemplar vom Río Pilcomayo, welches durch Hans Hermann Carl Ludwig von BerlepschHans Hermann Carl Ludwig von Berlepsch (1887), S. 22. beschrieben wurde, am Unterlauf des Río PilcomayoJohn Graham Kerr (1892), S. 147 durch John Graham Kerr, im Departamento Alto ParanáArnaldo de Winkelried Bertoni (1914), S. 35. und am Río ConfusoArnaldo de Winkelried Bertoni (1930), S. 257. durch Arnaldo de Winkelried Bertoni Nachweise für das Land. Zusätzlich erwähnte er Yacú del mitúFélix de Azara (1805), S. 83–89. von Félix de Azara als Nachweis.Alfred Laubmann (1939), S. 122.

Literatur

Weblinks

Einzelbelege

Kategorie:Hokkohühner