All-age-Literatur (Aussprache: /ɔːl eɪdʒ litəraˈtuːɐ̯/ auch: Crossover-Literatur, Aussprache, britisch: /ˈkrɒsˌəʊvə/) bezeichnet eine global auftretende Literaturform der Belletristik, die sich an eine generationenübergreifende Zielgruppe richtet und gelegentlich von Kindern und Erwachsenen, meist aber von Jugendlichen und Erwachsenen gelesen wird.

Begriffsbestimmung Die Begriffe entstanden Ende der 1990er Jahre. All-age-Literatur stammt aus dem Skandinavischen allålderslitteratur, crossover wird in Anlehnung an die Mischung von Stilen in Kunst- und Musikwissenschaft verwendet.

Zuerst fand sich der Begriff Crosswriting nach dem Erscheinen des ersten Harry Potter Bandes im Jahr 1997 bei den Literaturwissenschaftlern Knoepflmacher und Myers für Texte, die sich an mehrere Altersgruppen wandten und wurde in Crossover- und All-age-Literatur abgewandelt.

Allgemeingültige Merkmale dieser Literatur, die den Begriff – inhaltlich oder sprachlich begründet – einheitlich eingrenzen, lassen sich kaum finden. Gemeinsam verwendet wird der Terminus bei der Produktion der Werke und den Marketingstrategien.

Der Begriff wird normalerweise nicht – auch nicht rückwirkend – für ältere Literaturklassiker wie Daniel Defoes Robinson Crusoe (1719) oder Robert Louis Stevensons Die Schatzinsel (1883) verwendet, auch wenn diese Werke von allen Altersgruppen gelesen wurden.

Beispiele Zu den All-Age-Literaten und der Crossover-Literatur zählen unter anderem:

Philip Pullmans His Dark Materials (1995–2000) Joanne K. Rowlings Harry-Potter-Romane (1997–2007) Mark Haddons The Curious Incident of the Dog in the Night-Time (2001) Eoin Colfers Reihe Artemis Fowl (ab 2001) Christopher Paolinis Inheritance-Reihe (ab 2002) Cornelia Funkes Tintenwelt-Trilogie (2003–2007) und ihre Reckless-Reihe (ab 2010) Stephenie Meyers Twilight-Tetralogie (2005–2008) Suzanne Collins The Hunger Games (2008–2010)

Vermarktung Generationenübergreifende Literatur gab es auch zu früheren Zeiten. Aber um die Jahrtausendwende werden derartige Werke anders vermarktet: es gibt meist zweierlei Ausgaben, die sich für Jüngere und Erwachsene durch das Cover und gelegentlich in der Bebilderung unterscheiden, nicht aber im Textinhalt.

Kritiker sprechen von reinen Marketingstrategien und negieren den Begriff der All-age-Literatur als in den Büchern selbst begründetes kohärentes Phänomen.

All-age-Werke hielten sich jahrelang unter den Bestsellern. So fanden sich ab der Jahrtausendwende ein Viertel der gesamten Buchverkäufe bis 2012 in dieser Kategorie. Sie bleiben auch 2025 ein Verkaufsmagnet im Handel.

All-age-Bücher wurden und werden in zahlreiche Sprachen übersetzt, was höhere Einnahmen in kurzer Zeit generiert, da Übersetzungen meist rascher möglich sind als neue Werke.

Gründe für den Erfolg Für die Lektüre durch Erwachsene sprechen eine gewisse Einfachheit der Texte mit klar verständlichen Botschaften und die Rückbesinnung auf das traditionelle Erzählen von Geschichten.

Auch spendet diese Art von Literatur Trost und Klarheit in komplexen Zeiten mit drohenden Gefahren von allen Seiten und erlaubt eine Haltung des Eskapismus von der realen Welt. All-age-Literatur erlaubt eine sorgenfreie Lektürezeit, wobei sie Kritikern zufolge dem Anspruch nicht nachkommt, interessierte Leser zu erziehen.

All-age-Bücher gefallen Lesern, die sich von der komplexeren postmodernen Lektüre abgewandt haben.

Crossover-Bücher können Brücken zwischen jungen Menschen und Erwachsenen bauen, die durch die Lektüre des gleichen Buches miteinander besser ins Gespräch kommen.

Darüber hinaus werden die Bücher interessant für Menschen aller Altersklassen in Gesellschaften, in denen internationale Kontakte und internationaler Austausch leicht möglich ist. Die Werke in verschiedenen Sprachen können zu Gesprächsthemen für Menschen aus verschiedenen Kulturen werden.

Die Leser selbst sprechen von folgenden Vorteilen dieser Literatur: Identifikation mit manchen Figuren, Ideen für das eigene Leben, Eintauchen in die Literatur während der Lektüre und emotionales Miterleben. Zusätzlich regen die Bücher die Phantasie der Leser für andere Verläufe am Ende oder für die gestalterische Umsetzung in Bild und Ton an. Außerdem schätzen die Leser die Möglichkeit, von der Lektüre ausgehend weiterführende Gedanken aller Art zu hegen.

Manche Wissenschaftler sprechen im Gegenzug zu denen, die von zu einfacher Literatur sprechen, von der Attraktivität von besonders komplexen Texten mit Formen der Ironie und der Intertextualität, die eine gewisse Erfahrungsebene voraussetzen und die sich in All-age-Literatur findet.

Die Thematik der Fantasy-Literatur findet sich zahlenmäßig häufiger, aber nicht ausschließlich, unter dieser Gruppierung, was an der Verwendung von allgemeinen Themen für mehrere Altersklassen in dieser Sorte von Literatur liegt, die Leser anzieht. Auch lässt diese Literaturart ihre Leser andere Welten erleben, greift philosophische Fragen nach Gut und Böse, nach Macht und nach der eigenen Rolle im Weltgeschehen auf.

Bewertung Positiv gesehen wird, dass ein breiteres Lesepublikum für die Kinderliteratur den Status der Kinderliteraturwissenschaft hebt.

Auch können Jugendliche profitieren, die sich komplexeren Themen wie Scheidungen und Tod literarisch aufgearbeitet annähern wollen, bei dem weniger vereinfachende Sichtweisen oder sogar komplexere Verwicklungen dargestellt werden, als wenn diese Themen für reine Kinder- und Jugendbücher konzipiert werden.

In der Mischung der Altersgruppen können Jugendliche aufgewertet werden, da sie in ihrem Bemühen, die Welt zu begreifen, so ernst wie Erwachsene genommen werden, wenn sie diese Art der Literatur lesen.

Negativ bewertet wird, dass diese Art der Literatur als Zeichen der Infantilisierung der Gesellschaft gelesen werden kann oder sogar die Besonderheiten bedroht sein können, die Kinderliteratur ausmachen. Der Idee der feindlichen Übernahme (laut Spreckelsen) durch Erwachsene widersprechen andere Autoren mit der Aussage, dass es weiterhin genügend altersspezifische Literatur gibt und dass Erwachsene zusätzlich weiterhin Erwachsenenliteratur lesen.

Literatur Wissenschaftliche Literatur zum Thema

Falconer, Rachel: Cross-reading and Crossover Books. In: Children’s Literature. Approaches and Territories. Hrsg. von Janet Maybin, Nicola J. Watson. London: Palgrave Macmillan, 2009, S. 366–379, ISBN 978-0230227132.

Auswahl: Primärwerke, jeweils erster Band bei Reihen

Einzelnachweise

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