Altdorf ist eine mittelalterliche Wüstung nördlich der Stadt Niemegk in Brandenburg. Die ehemalige Dorfflur ist heute vollständig in der Stadtflur von Niemegk aufgegangen.Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil V: Zauch-Belzig. Erstauflage. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992. (Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-941919-82-2, S. 2–3)

Geografische Lage Archäologische Hinweise, insbesondere zahlreiche blaugraue Scherbenfunde an einer Weggabelung nordöstlich von Niemegk, deuten auf die Lage des ehemaligen Dorfes hin. Das Flurbuch von Niemegk weist für die Feldmark Altdorf das Flurstück Wendemark an der Grenze zu Haseloff aus. Vergleichbare Angaben finden sich in der Reinkarte der Feldmark Altdorf.

Geschichte und Etymologie Die ältesten urkundlichen Belege stammen aus dem Jahr 1383 in dem alden dorpfe zcu Nymig und 1428 im aldin Dorffe zu nymigk. Im 19. Jahrhundert erscheint der Ort unter der Namensform Altdorf. Da Altdorf bei der Ersterwähnung schon als wüst bezeichnet wurde, kann damit ein ehemaliges Dorf gemeint sein. Denkbar wäre auch, dass es sich um eine Burg aus der Altdorfer Feldmark gehandelt hat.Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin, Band 13 der Brandenburgischen Historischen Studien im Auftrag der Brandenburgischen Historischen Kommission, be.bra wissenschaft verlag, Berlin-Brandenburg 2005, S. 18, ISBN 3-937233-17-2.

Besitzgeschichte Die Geschichte Altdorfs ist durch eine komplexe Aufteilung in mehrere Anteile gekennzeichnet: Vor 1388 bis nach 1420 befand sich der erste Anteil im Besitz der Familie Falke, um 1447 bei Brandt von Lindau und vor 1466 bis 1626 bei der Familie von Seelen. Von 1626 bis 1729 folgte die Familie von Bindauf, von 1729 bis 1734 von Kötteritz und von 1734 bis 1769 die Familie Müller. Danach gehörte der Anteil von 1769 bis 1810 der Familie Grust, 1810 bis 1811 Märcker, und anschließend ging er an von François über. Zum Besitz gehörten u. a. zwei Höfe, Höfe und Wiesen in der Stadt Niemegk (1388), zwei freie Höfe zum Altdorf sowie das zugehörige Gut (1447). Weitere Erwähnungen betreffen das Gut am Niedertor mit einem frei liegenden Garten (1526), den Berghof, zwei Altdorfer Höfe samt Feldgerechtigkeiten über die Altdorfer Mark (1681) sowie fünf Häuser im Altdorf (1810). Ein zweiter Anteil lag vor 1388 bis 1526 bei der Familie Preuinitz, dann von 1526 bis 1771 bei von Brück, und schließlich von 1771 bis 1819 bei von François. Der Besitz umfasste einen freien Hof vor der Stadt Niemegk und zwei Altdorfer Höfe (1388, 1419); nach 1554 kamen zwei weitere Altdorfer Höfe hinzu. 1681 wird der Anteil als Rittersitz mit vier freien Altdorfer Höfen und einem Garten in und vor Niemegk beschrieben. 1819 wurde der gesamte Besitz des ersten und zweiten Anteils an 183 Einwohner der Stadt Niemegk veräußert. Ein dritter Anteil gehörte vor 1388 gehörte der Familie Hennig, 1423 der Familie von Thümen (bereits zuvor mit Hebungsrechten), 1428 der Familie Wulff (von Wulffen) und von 1459 bis nach 1554 der Familie Gertitz, die über einen Hof und zwei (wohl Altdorfer) Höfe sowie einen Hof vor der Stadt Niemegk verfügte (1388). 1428 sind zwei Altdorfer Höfe belegt; 1465 ein freier Hof mit zwei freien Höfen in Altdorf. Nach 1554 fiel dieser Anteil an die Familie von Brück (vgl. 2. Anteil). Ein weiterer Anteil war vor 1388 bis nach 1419 im Besitz der Familie von Oppen (ein Hof zu Altdorf). Die Familie Specht besaß vor 1388 fünf Höfe zu Altdorf und die Familie Danstorf zu Niemegk vor 1419 einen Hof zu Altdorf.

14. bis 17. Jahrhundert Altdorf war vermutlich bereits um 1380 wüst gefallen und wurde fortan von Niemegk aus bewirtschaftet. In den Jahren 1550, 1575 und 1591 verfügte der Pfarrer von Niemegk über zwei Höfe, vermutlich in Altdorf gelegen. 1551 besaßen ein Brauerbe zwei Höfe in Altdorf; elf weitere Brauerben hatten je einen Hof, der Stadtschreiber einen Hof. 1575 besaß die Kirche ein kleines Gärtchen im Bereich der Wüstung. 1591 hatten drei Brauerben je zwei Höfe, dreizehn je einen Hof und ein Brauerbe einen halben Hof. Für 1640 sind insgesamt 20½ Höfe nachgewiesen (zweimal zwei Höfe, dreizehnmal ein Hof, dreimal ein halber Hof). 1764 waren 20 Höfe „gangbar“, mit einer Belastung von elf Dresdner Scheffel und einer Viertel Aussaat pro Hof. Die Altdorfer Feldmark ging vollständig in der Stadtfeldmark Niemegks auf und wurde nicht wieder besiedelt.

Literatur Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil V: Zauch-Belzig. Erstauflage. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992. (Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-941919-82-2, S. 2–3)

Einzelnachweise

Kategorie:Wüstung im Landkreis Potsdam-Mittelmark Kategorie:Ersterwähnung 1383 Kategorie:Niemegk