mini|hochkant|Federzeichnung (1910) der Apotheke nach einem Holzmodell anno 1572 Die Schützenapotheke ist die älteste bis heute betriebene Apotheke in München. Sie wurde von Heinrich dem Kray gegründet, der 1398 als einziger siegelmäßiger „Appotegger“ in den Urkunden vorkommt. Ursprünglich am heutigen Rindermarkt gelegen, wurde sie über mehrere Generationen von Apothekerfamilien übernommen und befindet sich heute in der Schützenstraße 5 im Bahnhofsviertel in der Ludwigsvorstadt.

Geschichte

Ab 1319 finden sich Belege, in als Archivalien erhaltenen städtischen Rechnungen, für einen in der Stadt ansässigen Apotheker. Die heutige Schützenapotheke wurde 1398 von Heinrich dem Kray, der zugleich Münchner Stadtapotheker war, am Rindermarkt gegründet.Ursula Lang: Zur Geschichte der pharmazeutischen Industrie in München: Pharmazeutische Familienunternehmen; Know-how, Flexibilität und eigene Marken. In: Christoph Friedrich (Hrsg.), Pharmazie in München (PDF-Datei). Marburg, 2017. Ursprünglich hieß der Rindermarkt „bei den Watmangern“ (Tuchhändler). Nach Friedrich Kray (1411), dem Sohn von Heinrich dem Kray, folgten Meister Ypolite Schapprant (1460–1474),Gerhard Gensthaler: Zur Entwicklung des Apothekenwesens in München. In: Christoph Friedrich (Hrsg.), Pharmazie in München (PDF-Datei). Marburg, 2017. Apotheker A. Wallisz (1485) und M. Hartmann, bis Jakob Seeger ein Apothekergeschlecht gründete, in dessen Besitz die Apotheke bis zum Ende des 18. Jahrhunderts verblieb. mini|links|hochkant=0.6|Dr. Michael Zaubzer mini|hochkant=0.7|Stadtplanausschnitt aus dem Jahr 1849 mit Erläuterung zur ältesten Apotheke Münchens Nach Seegers Tod heiratete dessen Tochter Katharina seinen Apothekergesellen Friedrich Pirchinger aus Burghausen, der das Haus Nr. 4 am Rindermarkt von Herzog Ferdinand von Bayern käuflich erwarb. Sieben Generationen lang verblieb danach die „Stadtappotecken“ im Besitz dieses Apothekergeschlechts, dessen Besitzstand mit Philipp Paul Nikolaus Pirchinger durch Heirat u. a. durch das Landschlösschen Kempfenhausen am Starnberger See stetig wuchs und der als Stadt-kaiserlicher Haupt-Feldapotheker im Jahr 1766 von Kaiser Joseph II. die Adelsbestätigung erhielt. Im Jahr 1773 wurde die Apotheke von Johann Baptist von Pirchinger an Josef Ranzura, Sohn des Bürgermeisters von Mühldorf am Inn, verkauft. Erneuter wechselte sie den Besitzer im Jahr 1823 und zwar urkundlich nachweisbar an den Doktor der Chirurgie und Apotheker Johann Michael Zaubzer, Inhaber der "Rosenapotheke" (früher "Stadtapotheke).Lageplan mit Eintrag der Hauseigentümer, u. a. Dr. M. Zaubzer Stadtapotheker, Rindermarkt 3 Nach Studium und Promotion Über den Keimungsprozess der mono- und dycotyledonischen Gewächse an der Universität Erlangen übernahm 1852 Dr. Ludwig Zaubzer die väterliche Apotheke, die im Jahre 1863 in das neuentstandene Bahnhofsviertel in die Schützenstraße 2 verlegt wurde. Er taufte sie um in Dr. Ludwig Zaubzersche Apotheke um. Bereits 1864 erwarb sie Otto Gierlinger, nannte sie ab 1867 "Sophien-Apotheke" (nach der Braut König Ludwigs II), kaufte das Grundstück Bayerstraße 4 hinzu und dehnte die Geschäftsräume auf beide Häuser aus. Sein Nachfolger Ludwig Morsak änderte den Namen im Jahr 1888 in Schützenapotheke, den sie bis heute führt. mini|hochkant=0.7|Die Apotheke in der Schützenstrasse 2 (1925) mini|links|hochkant=0.8|Sagitta Werk GmbH (1911) 1909 wurde sie von Hans Fasching sen. von Morsak’s Schwiegersohn Emil Vogel übernommen. Nachdem die Häuser Schützenstraße 2/Bayerstraße 4 im Jahr 1911 in den Besitz der Familie Fasching übergegangen waren, wurden einige freiverkäufliche Präparate der Schützenapotheke ausgegliedert – der Beginn des 1913 gegründeten Unternehmens Sagitta (lat.: Pfeil). Gleichzeitig schmiedete man Pläne für einen noch durchgreifenderen Umbau der beiden Gebäude, die jedoch durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Jahr 1914 vereitelt wurden. Nachdem die Söhne von Hans Fasching, Ambros und August, 1921 aus dem Ersten Weltkrieg zurückgekehrt waren, wurde die Vertriebsabteilung in eine GmbH umgewandelt. In den folgenden Jahren entwickelte Sagitta gemeinsam mit Ärzten neue Produkte und professionalisierte die Produktion stetig. So entstanden unter anderem ein Sagitta-Syrup gegen Bronchitiden und Sagitta-Bonbons als „Hustensaft in fester Form“ sowie mehrere verschreibungspflichtige Mittel.

mini|hochkant=0.7|Produkte der Fa. Sagitta, München, ab 1921 Wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage wurden nur kleine Verbesserungen des Apothekenbetriebes durchgeführt, jedoch das Lager erweitert und Büroräume in den Obergeschossen eingerichtet. Hans Fasching starb 1923, sein Sohn Ambros übernahm die Leitung der Apotheke und nach dessen Tod (1925) sein Sohn August Fasching. Mit 30 Jahren war er als Alleininhaber der jüngste Apothekenbesitzer Deutschlands. In den Folgejahren wurde das Sortiment erweitert. Die sechste Ausgabe von Gehes Codex, als Vorläufer der Roten Liste listete 1933 zahlreiche Präparate wie Sagitta-Blut- und Nervenliquor, Sagitta-Brust- und Lungentee, Sagitta-Flechtensalbe oder Sagitta-Krampfadersalbe auf. 1931 wurde der Name Schützenapotheke als nationales und 1936 als international registriertes Warenzeichen eintragen, ab 1928 weitere Arzneispezialitäten hergestellt und ab 1939 bereisten Ärztebesucher das gesamte Reichsgebiet.

Ab 1933 drohte die Liegenschaft samt Apotheke durch die großräumige Umplanung des Bahnhofs durch Hermann Alker ein ungewisses Schicksal. Der hatte von Adolf Hitler den Auftrag erhalten, für die Hauptstadt der Bewegung zwischen Laim und Pasing einen neuen Bahnhof zu erstellen. Die alte Anlage sollte einer Prachtstraße mit darunterliegender U-Bahn vom Karlsplatz zum neuen Bahnhof weichen. Siehe auch Abschnitt Reichsbahnzeit und die Umbauplanung Hitlers im

Die Planung wurde nie realisiert, dafür bekamen die Gebäude im Zweiten Weltkrieg einen Volltreffer durch eine Sprengbombe, wobei ein langjähriger Mitarbeiter den Tod fand.Baublock Bayer- und Schützenstrasse von Süden (1945) Luftaufnahme nach der Bombardierung mit Erläuterungen Der Apothekenbetrieb wurde zunächst behelfsmäßig im Keller der zerstörten, nahegelegenen Gaststätte RheinhofWerbepostkarte des Hotels Rheinischer Hof am HBF mit der Gaststätte Rheinhof, 1936 und danach in einer Baracke untergebracht. Auch die Belegschaft war durch den Krieg dezimiert. Von der Mitarbeiterschaft, die von 5 (1925) auf 120 (1944) angewachsen war, mussten 9 tote und vier schwerverletzte Betriebsangehörige beklagt werden. mini|hochkant=0.7|Schützenapotheke, Neubau 1952–1953

In den Nachkriegsjahren wurden Präparate wie Sagittacortin, Sagittamid oder Sagitralin von der Hans Fasching Erben KG hergestellt und vertrieben, und in der Münchner Wiederaufbauphase eine neue Apotheke geplant. Mit elf Facharztpraxen samt einer Passage zwischen Schützen- und Bayerstraße wurde sie 1959 vom Münchner Architekten Albert Voelter umgesetzt, nachdem für den Bahnhofsbereich eine weitere städtebauliche Umplanung des Architekturprofessors und Münchner Stadtbaurats Karl Meitinger ad acta gelegt worden war. Dieses Vorhaben hätte das Dasein der Schützenapotheke am bisherigen Standort erneut gefährdet. Ab 1965 firmierte das zusätzlich aufgebaute pharmazeutische Unternehmen unter Sagitta-Werk Arzneimittelfabrik GmbH und wurde von den Enkeln des Firmengründers, Hans Fasching jun., Fritz Fasching und Annelies Bauer-Fasching geleitet. Weitere Umbauten folgten nach dem Ableben von August Fasching, dem Präsidenten der Bayerischen Landesapothekerkammer im Jahr 1953, durch eine Erbengemeinschaft. Die heutige Apotheke, in der vierten Generation, ist mit Lager, Labors und Verwaltung in vier Stockwerken auf 1000 m² Raumfläche untergebracht. Nachdem man bereits in größere angemietete Räumlichkeiten gezogen war, wird 1960 das erste eigene Gebäude am Frankfurter Ring in München bezogen.

Das Wachstum des Unternehmens Sagitta bedingte noch größere Betriebsräume, die 1971 in Feldkirchen-Westerham durch einen Neubau auf der grünen Wiese realisiert wurden. Ohne damals Vorschrift zu sein, wurden bereits bei Planung und Ausführung die Grundregeln für die Herstellung von Arzneimitteln (GMP) der Weltgesundheitsorganisation berücksichtigt. Das Unternehmen wurde 1994 an die Knoll AG, eine Pharma-Tochter der BASF AG, verkauft und die Familie Fasching gründete die Pharmactiv Arzneimittel GmbH und später die C.P.M. Contract Pharma GmbH, die unter Leitung von Apotheker Stefan Fasching Arzneimittel im Auftrag für Novartis, Boehringer Ingelheim, Ratiopharm, Sanofi und Hexal herstellte. Im Jahr 2007 schloss sich die C.P.M. Contract Pharma GmbH der Temmler-Gruppe an, die wiederum 2012 von der Aenova Group übernommen wurde. Stefan Fasching, der der Urenkelgeneration des Firmengründers angehört, ist als Mitinhaber einer Münchner Apotheke tätig. Für über zwei Jahrzehnte hielt BASF die Rechte am Markennamen Sagitta, bis sich für die Familie Fasching 2014 die Möglichkeit ergab, die Marke wieder zu erwerben und die Sagitta GmbH in Kirchenseeon zu gründen, die eigene Nahrungsergänzungsmittel, Probiotika sowie natürliche Pflegeprodukte vertreibt.

Weblinks

Schützenapotheke, Offizielle Website Sagittamed, Offizielle Website

Einzelnachweise

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