Jeserig ist ein Gemeindeteil im Ortsteil Niederwerbig der Gemeinde Mühlenfließ im Landkreis Potsdam-Mittelmark in Brandenburg.Mühlenfließ, Dienstleistungsportal des Landes Brandenburg, abgerufen am 22. März 2026.
Geografische Lage Der Gemeindeteil liegt im nördlichen Bereich der Gemarkung. Er grenzt im Norden an die Gemeinde Linthe. Südlich befindet sich Niederwerbig, östlich schließen sich mit den Radewiesen, den Nicheler Wiesen und den Mordelwiesen ausgedehnte Wiesenflächen an. Durch den Ort führt in Nord-Südost-Richtung die Landstraße 85; die Kreisstraße 6919 führt in südwestlicher Richtung aus dem Ort. Die höchste Erhebung ist der hohe Buschberg im Nordosten. Das Gelände liegt auf einer Höhe von rund 62 bis 64 Metern. Im Süden fließt der Rehdenbach in Richtung Nichel.Jeserig, Brandenburgviewer, abgerufen am 22. März 2026.
Geschichte und Etymologie Etymologie Das Dorf erschien erstmals im Jahr 1334 durch einen Coppen Jeseric, ieseric in Treuenbrietzen. Weitere Nennungen waren to Jeserig im Jahr 1388, Jeserig vor der Briszen im Jahr 1419 und die Bezeichnung Jeserigk im Jahr 1550. Der Name leitet sich aus dem Slawischen ab und bedeutet so viel wie „Siedlung an einem kleinen See“Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin, Band 13 der Brandenburgischen Historischen Studien im Auftrag der Brandenburgischen Historischen Kommission, be.bra wissenschaft verlag, Berlin-Brandenburg 2005, S. 83, ISBN 3-937233-17-2..
Besitzgeschichte Jeserig stand vor 1426 bis um 1550/1552 unter der Vogtei beziehungsweise Pflege beziehungsweise dem Amt Belzig und gehörte danach, von etwa 1550/1552 bis 1872, zum Amt Belzig‑Rabenstein über Ober- und Untergericht. Vor 1419/1420 bis nach 1612 verfügten die Brandt von Lindau über Hebungen und das Herrenrecht auf fünf Erben, wobei sie 1487 sowie in den Erbbüchern von 1506 und 1591 erwähnt wurden, in letzterem jedoch nicht mehr. Das Gut Sandberg besaß vor 1506 Anteile über Hebungen von zwei Höfen, später über einen Hof mit Herrenrecht, wobei diese Rechte in den Erbbüchern von 1506 erwähnt wurden, 1591 jedoch nicht mehr. Vor 1388 bis nach 1420 standen den von Schwanebeck der Fleischzehnt auf zwei Höfen sowie der Herrenpfennig zu. Vor 1388 bis nach 1420 hielten die von Lindow zu Treuenbrietzen sechs Morgen Wiesenwachs beziehungsweise vierzehn Wiesen, die 1420 von ihnen zu Lehen ausgegeben wurden.Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil V: Zauch-Belzig. Erstauflage. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992. (Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-941919-82-2, S. 176)
13. und 15. Jahrhundert Für das Jahr 1388 wurden Abgaben des Richters mit zwei Schock und des Lehnmanns mit einem Schock verzeichnet. 1419/1420 besaß der Richter das Gericht zusammen mit drei Hufen. Im Jahr 1496 wurden zehn Türkensteuerpflichtige, darunter der Schulze und der Hirte, sowie neun Personen Gesinde genannt.
16. Jahrhundert Im Jahr 1506 hatte Jeserig neun Einwohner. Der Richter besaß das Gericht mit drei Lehnshufen, dazu Wiesen und den Zins von einer wüsten Hufe. Ein weiterer Einwohner hatte Wiesen und erhielt Zins von zwei Hufen sowie zweimal je einer Hufe. Ein anderer verfügte über Wiesen und bezog Zins von einer wüsten Hufe und zwei Hufen. Ein weiterer hatte Wiesen und den Zins von einer Hufe, zweimal je einer Hufe sowie zwei Hufen. Ein Einwohner verfügte über Wiesen und den Zins von zweimal je einer Hufe. Zwei Einwohner hatten Wiesen und bezogen den Zins von jeweils einer Hufe und jeweils zwei Hufen. Zwei weitere besaßen jeweils ein Haus. 1530 wurden sieben Hufner und zwei Kossäten genannt. Bei einer Visitation erhielt der Pfarrer früher von 27 Hufen 2 ½ Scheffel Roggen und zwei Scheffel Hafer. Die Kirche besaß in den Jahren 1506 und 1591 drei Wiesen, 1575 aber 19 Morgen Wiese.Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil V: Zauch-Belzig. Erstauflage. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992. (Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-941919-82-2, S. 178) Im Jahr 1542 besaß der Lehnschulze ein Haus, einen Hof und vier freie Hufen. Fünf weitere Einwohner hatten Haus, Hof und jeweils vier Hufen, ein weiterer Haus, Hof und drei Hufen. Ein Kossätenhof hatte Haus, Hof und Garten, ein anderer bestand aus einem Garten. Ein Hausgenosse entrichtete Abgaben von drei Morgen. Der Hirte hielt eine Kuh, zwölf Schafe und sieben Lämmer. Im Ort lebten fünf Knechte und fünf Mägde, und es wurden 44 Morgen Wiese verzeichnet. Im Jahr 1550 wurden neun besessene Männer, darunter zwei Gärtner, genannt. Der Richter besaß Haus, Hof und drei freie Lehnshufen, fünf weitere Einwohner verfügten über Haus, Hof und jeweils vier Erbhufen, ein weiterer über Haus, Hof und drei Erbhufen. Zwei Häusler hatten jeweils einen Garten. Ein Mann aus Feltheim bezog den Zins von einer Wiese. Insgesamt wurden 27 Hufen verzeichnet. 1555 wurden sieben Hufner und zwei Gärtner genannt. 1565 bestanden ein Lehnschulze, ein Erbgut, ein Hufnergut, vier Häuser und Höfe, zwei Kossätenhöfe sowie ein Hirte, der zwei Kühe, vierzehn Schafe und zwei Ferkel hielt. Es bestanden ein Erbhufner und insgesamt 24 Hufen. Die Wiesenflächen betrugen 76½ Morgen, davon gehörten 24 Morgen der Gemeinde. 1575 wurden erneut sieben Hüfner und zwei Kossäten genannt. 1591 wurden wiederum neun besessene Männer, darunter zwei Gärtner, aufgeführt. Der Richter verfügte über drei Lehnshufen und eine Erbhufe, fünf Einwohner hatten Viererbhufen, einer Dreierbhufen, zwei Häusler jeweils einen Garten. Insgesamt bestanden 27 Hufen. Die Wiesen umfassten 68¼ Morgen, davon lagen 65 Morgen vor Jeserig, 1¼ Morgen vor Trebitz und zwei Morgen vor Rottstock.Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil V: Zauch-Belzig. Erstauflage. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992. (Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-941919-82-2, S. 177)
17. Jahrhundert Im Jahr 1640 wurden sieben Hufner, davon zwei wüst, sowie zwei Kossäten, davon einer wüst, und ein Häusler, ebenfalls wüst, genannt; außerdem der Hirte. 1661 bestanden erneut sieben Hüfner, darunter einer abgebrannt, dazu zwei Kossäten sowie ein wüster Häusler und der Hirte. Die Wiesen umfassten 101 Morgen, davon gehörten 24 Morgen der Gemeinde; 35½ Morgen waren neu zugemessen worden. 1676 wurden sechs Anspänner oder Hüfner, zwei Halb‑Hufner und Kossäten sowie insgesamt 27 Erbhufen verzeichnet. 1682 besaß der Schulze drei Lehnshufen und eine Zinshufe. Fünf Häusler hatten jeweils eine Zinshufe und drei Pachthufen; es gab außerdem einen Dreizinshufner, zwei Kossäten, einen wüsten Häusler sowie den Hirten. Die Wiesen betrugen 94 1/8 Morgen 200 Ruten, davon gehörten 24 Morgen der Gemeinde.
18. Jahrhundert Im Jahr 1701 wurden sieben Hufner, zwei Kossäten, ein wüster Häusler sowie der Hirte genannt. Die Wiesenfläche betrug 94 Morgen 237 Ruten. 1718 waren erneut sieben Hüfner und zwei Kossäten verzeichnet. Insgesamt bestanden 27 Hufen, deren Aussaat mit 155 Dresdner Scheffel und vier Metzen angegeben wurde; auf jede Hufe entfielen 5 Scheffel und 12 Metzen. 1743 wurden sechs Vierhufner, darunter der Schulze mit drei Lehn- und einer Zinshufe, sowie ein Dreihufner genannt; insgesamt bestanden weiterhin 27 Hufen. 1764 bestanden sechs Vierhufner (darunter der Schulze), ein Dreihüfner, zwei Gärtner (einer davon mit einem Wort) sowie ein Häusler. Die 27 Hufen waren in 17 bestellte und 10 bewachsene Hufen unterteilt. Die Aussaat betrug 7 Dresdner Scheffel 2 Metzen pro Hufe. 1777 wurden elf Männer aufgeführt: sechs Ganzhufner, ein Halb‑Hufner, zwei Kossäten, ein Häusler und ein Hirtenhaus.
19. Jahrhundert Im Jahr 1806 wurden ein Vierhufner, dessen Schulze drei Lehn- und eine Zinshufe besaß, sowie fünf weitere Vierhufner genannt, die jeweils drei Pachthufen und eine Zinshufe hielten. Außerdem bestanden ein Drei‑Zinshufner, zwei Kossäten, die jeweils zwei Gärten und ein Haus hatten, sowie ein Häusler. Insgesamt wurden 27 Hufen verzeichnet. 1822 bestanden sieben Vollhufner, darunter der Lehnschulze, sowie zwei Kossäten und ein kabelholzberechtigter Häusler, der das Recht besaß, Holz aus dem Gemeindewald zu schlagen. Die Laufschmiede wurde vom Schmied in Niederwerbig versehen. Es bestanden 27 Dorfhufen, davon drei Lehnshufen, sowie eine halbe wüste Hufe zu Vettesen, zusammen also 27½ Hufen. 1837 wurde Jeserig als Dorf mit zehn Wohnhäusern genannt. 1858 wurde das Dorf mit zwei öffentlichen Gebäuden, zwölf Wohnhäusern und 54 Wirtschaftsgebäuden beschrieben, darunter zwei Ziegeleien. Die Fläche umfasste 2247 Morgen: 30 Morgen Gehöfte, 1311 Morgen Acker, 288 Morgen Wiese, 339 Morgen Weide und 279 Morgen Wald.
20. Jahrhundert In Jeserig standen zur Jahrhundertwende 14 Häuser. Im Jahr 1931 bestand das Dorf aus 15 Wohnhäusern mit 16 Haushaltungen. 1939 wurden die land- und forstwirtschaftlichen Betriebe wie folgt erfasst: sechs Betriebe mit 20–100 Hektar, vier Betriebe mit 10–20 Hektar, drei Betriebe mit 5–10 Hektar und ein Betrieb mit 0,5–5 Hektar.
1958 bestand eine LPG des Typs III mit 20 Mitgliedern und 111 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche. 1960 wurde eine LPG Typ III mit 28 Mitgliedern und 189 Hektar LN geführt, die 1967 der LPG Typ III Niederwerbig angeschlossen wurde. Dazu kam eine LPG Typ I mit zehn Mitgliedern und 41 Hektar LN, die 1965 an die LPG Typ III angeschlossen wurde. Jeserig wurde 1959 nach Niederwerbig eingemeindet und war dort ab 1964 ein Ortsteil.
Bevölkerungsentwicklung Einwohnerentwicklung in Jeserig von 1817 bis 1964 Jahr 1817 1837 1858 1871 1885 1895 1905 1925 1939 1946 Einwohner 130 90 96 89 94 108 84 93 76 116
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Dorfkirche Jeserig Die Jeserig ist eine mittelalterliche Feldsteinkirche. Im Innern steht unter anderem ein Altarretabel aus dem Jahr 1724.
Weblinks
Literatur Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil V: Zauch-Belzig. Erstauflage. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992. (Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-941919-82-2, S. 176 bis 178)
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Potsdam-Mittelmark Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Potsdam-Mittelmark) Kategorie:Ersterwähnung 1334 Kategorie:Gemeindeauflösung 1964 Kategorie:Mühlenfließ