mini|Das Universitätszentrum Obergurgl liegt auf 1.940 m. Das Universitätszentrum Obergurgl ist ein Außenstandort der Universität Innsbruck mit drei Gebäuden () und umfasst die Alpine Forschungsstelle Obergurgl sowie ein Konferenzzentrum mit 90 Betten und Gastronomie. Geschichte Auf Bestreben des an der Universität Innsbruck tätigen Geologen, Geographen und Sportinstruktors Wolfgang Burger wurden 1951 in drei leerstehenden Zollhäusern, errichtet 1938/39, oberhalb von Obergurgl, die Alpine Forschungsstelle der Universität Innsbruck sowie ein Bundessportheim eingerichtet. Hierfür wurden drei der vier Zollhäuser aus der Kompetenz der Finanzverwaltung in die des österreichischen Unterrichtsministeriums überführt. Als Aufgabe des Standorts in Obergurgl wurde die Pflege von Alpinismus, alpinem Skilauf und Wissenschaft im und vom Hochgebirge definiert.

Am 18. März 1951 trug sich der erste Gast in das Meldebuch ein; die offizielle Einweihung erfolgte am 7. Juli 1951.

Ab 1959 teilten sich das Ministerium für Unterricht und Sport sowie das Ministerium für Wissenschaft und Forschung die Geschicke der beiden Einrichtungen auf. Über die Jahre wurden sowohl der sportliche als auch der wissenschaftliche Schwerpunkt weiter ausgebaut. Aufgrund von Sparprogrammen wurden 1997 die Bundessportheime in ganz Österreich veräußert (mit Ausnahme von jenem in St. Christoph am Arlberg). Im Zuge dessen übernahm das Wissenschaftsministerium alle drei Gebäude für die Universität Innsbruck. Fortan wurde der Standort unter dem Namen Alpine Forschungsstelle und Universitätssportheim geführt.

Nach der Ausgliederung der österreichischen Universitäten im Rahmen des Universitätsgesetzes 2002 wurde 2004 im Auftrag des damaligen Vizerektors für Forschung, Tilmann Märk, eine Neuausrichtung des Standorts in Obergurgl vorgenommen, mit dem Ziel, ein universitätseigenes internationales Sport-, Forschungs- und Konferenzzentrum einzurichten.

Seither firmiert der Standort unter dem Namen Universitätszentrum Obergurgl und dient als Forschungsstandort für Wissenschaftler aus aller Welt, als Tagungsort für internationale wissenschaftliche Kongresse, als Zentrum für Kurse und Lehrveranstaltungen der Universität Innsbruck sowie internationaler Universitäten und Hochschulen und als Stätte für Sportausbildungen.

Denkmalschutz Die drei Häuser wurden im Rahmen des bestehenden renoviert und modernisiert. Insbesondere die Beherbergung und die Gastronomie wurden verbessert und ein Kongressbetrieb eingeführt.

Alpine Forschungsstelle Obergurgl mini|Studierende im Rotmoostal oberhalb der Alpinen Forschungstelle Obergurgl An der Alpinen Forschungsstelle Obergurgl durchgeführte Forschungsprojekte betreffen die Fachbereiche Zoologie, Botanik, Mikrobiologie, Geologie, Geographie, Geophysik, Meteorologie, Glaziologie und Soziologie sowie Medizin und Sportmedizin. Bereits in den frühen Jahren der Forschungsstelle wurden Messstationen für das Wetter (seit 1953), zu mikroklimatischen Veränderungen, Pollenvorkommen und Erdbeben eingerichtet. Einige aufgezeichnete Gletschermessreihen zählen zu den ältesten weltweit.

Das Herzstück der Alpinen Forschungsstelle ist ein weitreichendes Messnetz, das sich über verschiedene Standorte zwischen 1.900 und 2.800 Metern Höhe erstreckt. Es besteht aus zwei Wetterstationen im Rotmoostal, elf kleineren Messstationen, die Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Bodenfeuchte erfassen, sowie 20 Beobachtungsflächen, auf denen die Pflanzenwelt langfristig beobachtet wird. Außerdem gibt es eine Messstelle an der Rotmoosache, die Wasserstand und Wasserqualität überwacht. Zudem werden auf über 100 Flächen regelmäßig Pflanzen erfasst und dokumentiert sowie die Entwicklung von Insekten und anderen Gliedertieren an den Messstellen und entlang des gesamten Rotmoostales erfasst. Dazu kommen Untersuchungen am Blockgletscher im äußeren Hochebenkar (seit 1938). Viele der Langzeitmessreihen sind in das Austrian Long-Term Ecosystem Research Network (LTER-Austria) eingegliedert.

Auf dem Gelände des Universitätszentrums Obergurgl befinden sich die höchstgelegene Pollenfalle des Pollenwarndienstes Tirol, eine Wetterstation von GeoSphere Austria und weitere Messeinrichtungen des österreichischen Eichamts, des Hydrographischen Dienstes des Landes Tirol, des österreichischen Strahlenfrühwarndienstes und der Universität Luxemburg.

Zwischen 1971 und 1979 war der Standort Teil des UNESCO-Programms Mensch und Biosphäre, das die langfristigen komplexen Auswirkungen von menschlichen Eingriffen in die alpinen Ökosysteme untersuchte. Anhand von unterschiedlichsten Daten wurde ein Computersimulationsmodell erstellt, um Trendberechnungen für die Region durchzuführen.

Im Zentrum des Interesses von Wissenschaftlern der Alpinen Forschungsstelle steht seit jeher auch die Moorlandschaft im Rotmoostal. In den Torfböden entdeckten die Innsbrucker Biologiestudenten Walter Gams und Ernst Leitner 1957 den Mikropilz Tolypocladium inflatum. Das von dem Pilz produzierte Cyclosporin A wird in der Transplantationsmedizin zur Minderung von Abstoßungsreaktionen eingesetzt.

Weblinks

Universitätszentrum Obergurgl, Universität Innsbruck Alpine Forschungsstelle Obergurgl, Universität Innsbruck

Einzelnachweise

Kategorie:Forschungsinstitut in Österreich Kategorie:Forschungseinrichtungsgründung 1951 Kategorie:Erbaut in den 1930er Jahren Kategorie:Universität Innsbruck