mini|Diese Plakette ist üblicherweise zwischen Notenpult und Manualen auf den Orgeln Hans Wolfs angebracht. Hans Wilhelm Ludwig Karl Erich Wolfgang Wolf (* 2. Februar 1911 in Seesen; † 10. Oktober 1971 in Verden (Aller)) war ein deutscher Orgelbauer.
Mit seinem 1958 gegründeten Orgelbaubetrieb schuf und restaurierte er insgesamt 58 Instrumente und führte die Tradition des Orgelbaus in der Region Verden nach dem Zweiten Weltkrieg fort.
Leben Nach dem Schulbesuch studierte Hans Wolf Elektrotechnik in Braunschweig. Während des Zweiten Weltkriegs geriet er in Kriegsgefangenschaft, aus der er erst nach Kriegsende zurückkehrte. Anschließend begann er eine Ausbildung zum Orgelbauer bei Friedrich Weißenborn.Winfried Topp: Der Orgelbau im Landkreis Verden. In: Heimatkalender des Landkreises Verden, 1992., S. 176–177
Am 24. Oktober 1942 heiratete Wolf in Braunschweig Irmgard Antz, eine Tochter des Verdener Stadtbaumeisters Antz, dessen Familie in der Münchmeyerstraße 22 in Verden wohnte. Nach dem Krieg siedelte Wolf im Juli 1945 von seinem zwischenzeitlichen Wohnsitz in Kiel nach Verden über. Ab Mai 1946 lebte er kurzzeitig wieder in Braunschweig, bevor er 1951 dauerhaft nach Verden zurückkehrte.
Wirken Gewerbeanmeldung und Unternehmensgründung Am 29. März 1958 erhielt Wolf von der Handwerkskammer Lüneburg‑Stade die Erlaubnis für das Gewerbe „Neuanfertigung und Reparatur von Pfeifenorgeln; Reparatur von Harmonien“. Seinen Betrieb meldete er am 1. April 1958 in Verden an.
Werkstätten Wolf arbeitete zunächst im Wohnhaus in der Münchmeyerstraße 22. Seine späteren Werkstätten befanden sich ab dem 1. November 1960 in der Brückstraße 22a und ab dem 1. Juni 1966 in der Heinrich‑Hertz‑Straße 4 (Neubau). Der Betrieb bestand bis zu Wolfs Tod und wurde am 31. Oktober 1971 abgemeldet.
Arbeitsstil und Bewertung Laut zeitgenössischen Berichten verwendete Wolf Schleifladen und mechanische Trakturen. In den frühen Jahren seines Schaffens wiesen seine Orgeln teilweise technische oder klangliche Schwächen auf. Wolfs Bemühungen, technische Neuerungen – etwa Dichtungsringe unter Pfeifenstöcken – einzuführen, seien durch den damaligen Orgelrevisor erheblich eingeschränkt worden. Diese Reglementierungen führten dazu, dass mehrere Wolf‑Orgeln später durch Neubauten ersetzt wurden.
Instrumente (Auswahl) Bis 1971 fertigte und restaurierte Wolf insgesamt 58 Instrumente, darunter Neubauten, Umbauten und Reparaturen. In der Stadt Verden selbst sind nach heutigen Erkenntnissen keine Instrumente aus seiner Werkstatt erhalten.Winfried Topp: Der Orgelbau im Landkreis Verden. In: Heimatkalender des Landkreises Verden, 1992., S. 176–177 Fertigstellung (Jahr/Monat)OrtGebäude BildManualeRegister Bemerkungen1957/10WeenerII/P121958/07Vördenev. St.-Christophorus-KircheII/P14Umbau der Gebr. Haupt Orgel1959/??Emden-Borssumprivate Hausorgel, Luise HennersdorfRalph Nickles: Orgelinventar der Krummhörn und der Stadt Emden, Historische Dokumentation (1996), Seite 504rahmenlos|234x234pxI/P7Registeranzahl Wolfs unklar, 1974 Erweiterung durch Emil Hammer.
Die Orgel wurde im September 2010 aus Altersgründen der Besitzerin an den Orgelbauer Willehard Schomberg verkauft, der sie im Februar 2014 in der katholischen Friedhofskapelle St. Ansgar in Barßel aufbaute, wo sie bis heute im Dienst ist.1959/09Barverev. KircheI/P10Das Pedal wurde 1962 in einem zweiten Bauabschnitt nachgerüstet. 2008 durch Jürgen Kopp abgebaut und von selbigem 2010 mit neuer Orgel ersetzt, die 2 Register der alten Wolf-Orgel weiterverwendet.1960/03BramscheFriedhofskapellePositiv, wurde 2008 wegen Baufälligkeit durch Jürgen Kopp abgebaut und durch neue Orgel ersetzt.1960/10BohmteSt.-Thomas-KircheII/P141980/81 durch Neubau auf der Westempore durch die Orgelbauwerkstatt Gustav Steinmann ersetzt. Die Wolf-Orgel von 1960 wurde in die Niederlande verkauft.1960/11DaverdenSigismundkirchezentriert|160x160pxII/P16Neubau des Rückpositivs in der bestehenden Orgel mit 5 Registern hinter dem alten Prospekt. Orgel wurde 1989/90 abgebaut und durch Neubau durch Firma Karl Schuke im historischen Prospekt ersetzt. 1961/03HoogstedeEvangelisch-altreformierte KircheI/P91961/10Stotelev. Kirche St. MargarethenI/P6Positiv, ursprünglich I/P 5, 1963 von Wolf um Subbaß 16' erweitert. Instrument wurde 2003 abgebaut und durch Orgel der Gebrüder Hillebrand ersetzt, die vorher in der Michaelis-Kirche in Bremerhaven-Lehe stand und dort wegen Umbau der Kirche zu einem Gemeindezentrum nicht mehr bleiben konnte.1961/11Bremerhaven-Leheev. Kirche St. Dionysius I/P6Positiv, wurde ursprünglich für das Gemeindehaus beschafft und steht seit 1970 in der Kirche.1961/12Schweringenev. Kreuzkirchezentriert|rahmenlos|301x301pxI/P6Positiv, ursprünglich mit 5 Registern erbaut, bereits 1962 von Wolf um ein sechstes Register erweitert.1962/05BarenburgHeilig-Kreuz-KircheI/P81963/03DiepholzGymnasiumII/P121963/04MelleIII/P32Umbau1963/07DaverdenFriedhofskapelleI/P5Positiv, ca. 2016 abgebaut1963/10HesedorfI/P61963/11LintorfJohannes-der-Täufer-KircheII/P181963/11Holtorf1964/01Mariendrebberev. Kirche St. Marien und Pankratiuszentriert|160x160pxII/P17Restaurierung der Hus-Vater-Haupt Orgel1964/02Schledehausenev. Kirche St. LaurentiusII/P18Tiefgreifender Umbau der Rohlfing-Orgel von 1947, inkl. Erweiterung von 15 auf 18 Register. Instrument wurde 1995 durch Orgel der Gebrüder Hillebrand ersetzt.1964/03JacobidrebberSt. JacobusUmbau oder Reparatur1964/03Siedenburgev. KapelleI/P5Positiv, Baugleich mit abgebautem Instrument in der Friedhofskapelle Daverden1964/11Quakenbrückev. Kirche St. SylvesterII/P24Neubau in drei Bauabschnitten. Hier: Bauabschnitt I: Hauptwerk1964/12Schwanewedeev. KircheI/P61965/01Rieste1965/03BarrienSt. Bartholomäuszentriert|rahmenlos|160x160pxII/P17Neubau der Rohdenburg-Schmid-Orgel unter Beibehaltung der Windladen, des Gehäuses und einiger Pfeifen. Umzug von der Empore an die Westwand (ebenerdig).1965/05Börstelehem. ev. KircheI/-4Positiv1965/05WagenfeldSt. Antonius1965/06AhldenSt. Johannes der Täuferrahmenlos|160x160pxII/P231965/08HoltorfFriedhofskapelle1965/09Bremerhaven-WulsdorfMartin-Luther-Kirchezentriert|rahmenlosII/P12Kirche wurde 2025 geschlossen und verkauft. Verbleib der Orgel unklar.1966/03Neuenkirchenev. KircheI/P91966/04HolterfehnMartin-Luther-Kirchezentriert|160x160pxII/P161966/09Brockumev. KircheII/P16Instandsetzung der Eduard Meyer-Orgel von 1834 (11 I/P) und Erweiterung um ein Rückpositiv. Die Orgel wurde 1971 an die Kirchengemeinde Scholen verkauft, wo sie noch heute steht.1966/10Wissingenev. KircheI/P6Wurde 2019 durch die Hillebrand-Orgel der profanierten Melanchthon-Kirche Osnabrück ersetzt.1966/12HechthausenSt. Marien II/P141967/03Lengerich-Hohneev. Kirche Lengerich-HohneII/P14Neubau1967/05BalgeSt. Bartholomäus Restaurierung1967/08JacobidrebberSt. JacobusRestaurierung1967/11Groß Denkte2003 in die ev. Kirche Ampleben überführt. In Groß Denkte wurde die Wolf-Orgel jahrzehntelang als „Behelfsinstrument“ gesehen und 2003 durch eine neue Orgel von Amadeus Junker aus Meinersen ersetzt.1967/12ColnradeSt. MarienII/P15Umbau der Orgel von Carl Heyder1968/03Hagen im BremischenMartin-Luther-KircheII/P15Furtwängler & Hammer Prospekt von 1896 als Hauptwerksprospekt erhalten, Rest Neubau1968/06DörverdenSt.-Cosmae-und-Damiani-Kirchezentriert|160x160pxII/P161968/08Quakenbrückev. Kirche St. SylvesterII/P24Neubau in drei Bauabschnitten. Hier: Bauabschnitt II: Pedal. Bauabschnitt III: Rückpositiv durch Fa. Steinmann, Vlotho 19751968/11TwistringenMartin-Luther-KircheII/P152017 durch Jörg Bente saniert und um ein Register auf 15 Stimmen erweitert.1968/12Weddel1969/03Melle-OldendorfMarienkircheII/P151969/06WagenfeldSt. AntoniusII/P161969/07Börstelehem. ev. KircheI/-4vmtl. Reparatur1969/11Blender-OisteKirche OisteI/P111970/02StaffhorstDorfkirche StaffhorstI/P81970/03Bad Essen-BarkhausenKatharinenkircheI/-71970/05BurlageMarienkirchezentriert|160x160pxI/P9Neubau hinter dem denkmalgeschützten Prospekt von 1717, die Pfeifen teilweise von 19051970/09ErichshagenCorvinuskircheI/P62015 Neuintonation durch Jörg Bente1971/??KirchweyheFelicianuskirche II/P212006 durch neues Instrument von Orgelbau Kuhn ersetzt1971/04Klein DenkteEvangelisch-Lutherische KircheI/P61971/04UthledeSt. Nikolauszentriert|160x160pxI/P6Das Orgelpositiv ist links im Bild zwischen Emporenpfeilern und dem Taufbecken sichtbar1971StrackholtBarbara-Kircherahmenlos|213x213pxII/P23Letzte Arbeit Wolfs vor seinem Tod. Er wurde mit der Restaurierung und Erweiterung beauftragt, verstarb aber vor der Vollendung. Die Arbeiten wurden von den Gebrüdern Hillebrand fortgesetzt.
Rezeption Eine umfassende Darstellung seines Wirkens wurde von Kantor Winfried Topp im Aufsatz „Der Orgelbau im Landkreis Verden“ im Heimatkalender 1992 veröffentlicht. Weitere Beiträge in den Jahrgängen 1993 bis 1996 dokumentieren detailliert Wolfs Instrumente in Kirchen und Kapellen des Landkreises Verden.
Literatur Winfried Topp: Der Orgelbau im Landkreis Verden. In: Heimatkalender des Landkreises Verden, 1992. Winfried Topp: Beiträge zum Orgelbau im Landkreis Verden. In: Heimatkalender des Landkreises Verden, 1993–1996. Ralph Nickles: Orgelinventar der Krummhörn und der Stadt Emden, 1996, Verlag H. M. Hauschild
Einzelnachweise
Kategorie:Orgelbauer (Deutschland) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1911 Kategorie:Gestorben 1971 Kategorie:Mann