Robert K. Bishop (oft nur als Bishop oder The Bishop; geboren 1945 in Michigan; gestorben 1991) war ein US-amerikanischer Illustrator und Comickünstler, bekannt vor allem durch seine zahlreichen Bondage-Illustrationen und die Serie Fanni Hall.
Leben Bishop arbeitete nach dem College als technischer Illustrator. Nach einer Zeit als Kommunikationstechniker bei der US Navy studierte er bei der Society of Arts and Crafts (heute College for Creative Studies), einer privaten Kunstschule in Detroit. 1971 kam er nach Los Angeles und begann damit, Zeichnungen für die Kataloge von Centurian Publishing anzufertigen, einem kalifornischen Verleger von Bondage-Magazinen und Versender von Fetischartikeln. Die ersten Arbeiten erschienen in dem Katalog Centurians #3. Zeitweise zeichnete Bishop auch für Harmony Productions, ebenfalls ein Verlag und Versand für Fetischprodukte, schied aber aus, nachdem es zu Meinungsverschiedenheiten betreffend der bei Harmony damals vertretenen Love-Bondage-Philosophie gekommen war.
Ab 1971 arbeitete Bishop dann für House of Milan (HOM), einem auf Bondage-Magazine und -Artikel spezialisierten Verlag und wurde dort bald zum prominentesten Zeichner. Er lieferte Illustrationen zu den Zeitschriften, Umschlagillustrationen für die über 100 Romane der HIT-Serie von F. E. Campbell, einem auf verschiedene Formen der körperlichen Züchtigung spezialisierten britischen Fetischautor, und begann mit der Fanni-Hall-Serie. Unter den Mitarbeitern von HOM erscheint er bald in der Position eines Artdirectors.Zum Beispiel Editorial Staff in Bound to Please, 1/11. HOM, ca. 1972. Neben seiner Arbeit als Illustrator und künstlerischer Leiter schrieb er auch Texte – zum Beispiel unter dem Titel House of Bondage eine Kolumne für die Magazine Knotty und Hogtie – und machte gelegentlich Standfotos für die von HOM produzierten Bondage-Filme.
Die Romanserie F. E. Campbells, in der es um den gestrengen Butler Fellowes geht, dem seine Lordschaft die Züchtigungen der Tochter des Hauses überlässt, wurde unter dem Pseudonym J. Ashely illustriert, wobei allgemein angenommen wird, dass dies ein Pseudonym Bishops ist, auch wenn die Fellowes-Illustrationen in Qualität und Stil deutlich von den anderen Arbeiten Bishops abweichen, weshalb die Identifizierung auch bestritten wurde. Unter dem Namen J. Ashely wurden außerdem noch zwei weitere Bände von HOM veröffentlicht (Western Torments und Molly and the Marquise, beide 1981).
Bishops Illustrationen sind ganz überwiegend schwarzweiß, teilweise mit Airbrush ausgeführt, nur vereinzelt hat er für Umschlagbilder oder Centerfolds in Farbe gearbeitet. Seine Sujets sind meist Frauen in Bondage, obwohl es auch eine ganze Reihe von Femdom-Illustrationen mit gefesselten Männern gibt. Bekannt ist Bishop für die Vielzahl der dargestellten Knebelvarianten (Ballknebel, Ringknebel, Trensenknebel, Penisknebel, Ballonknebel etc., bis zur exotischen Poire d'angoisse), für die es oft keine zeitgenössischen Vorbilder gab, es sich daher um Entwürfe von Bishop handelt. Fesselungen erfolgen mit Stricken (Rope-Bondage), wobei der heute verbreitete japanische Shibari-Stil kaum jemals erkennbar ist. Sehr beliebt sind bei Bishop Ledergurte und -riemen, oft in Form geschirrähnlicher Konstruktionen (Harness bzw. Head-Trainer), gelegentlich Ketten, Hand- und Fußschellen, ergänzt durch Spreizstangen (Spreader-Bar), Armbinder und Zwangsjacke. Beliebte Fesselmethoden sind Hogtie, Frogtie, Spreadeagle und vor allem Strappado. Die Darstellung physischer Gewalt, also Schlägen mit Peitsche (Whipping), Stock (Caning) oder der flachen Hand (Spanking) sind selten, selbst bei den Umschlagbildern zu den Romanen von F. E. Campbell, bei denen dies im Zentrum steht.
Neben den Illustrationen hat Bishop auch Bondage-Comics geschaffen, namentlich für einige Episoden der Fanni Hall-Serie (siehe unten). Neben diesen hat er bereits in seiner Zeit bei Centurian den Comic The Adventures of Terri Tyde (1971) gezeichnet, in Stil und Inhalt ein offensichtlicher Vorläufer von Fanni Hall, mit zahlreichen Centurian-Produktplatzierungen.
Bereits ab 1972 erschienen Sammelbände mit Illustrationen Bishops (Bishop on Bondage), großenteils bei House of Milan, später dann bei London Enterprises, das House of Milan übernommen hatte, aber auch bei Centurian, das die frühen Arbeiten von Bishop gesammelt herausgab (The First Erotic Art of Bishop, 1980), sowie bei französischen und deutschen Verlagen (Bondage Katalog in 3 Bänden beim Kelm Verlag).
1991 starb Bishop durch Selbstmord, nachdem bei ihm ein nicht operabler Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert worden war.Blakemore Speaks!!, Interview mit John Blakemore, abgerufen am 26. März 2026.
Da die Originalzeichnungen Bishops – vermutlich von ihm selbst – zerstört wurden oder verloren sind, bemühte sich der Sammler Hunter Rose, alles, was verstreut im Internet und in den Beständen anderer Sammler von Erotika an Werken Bishops auffindbar war, zusammenzustellen und postete die Scans seiner Funde im Usenet unter alt.binaries.pictures.erotica.bondage, insgesamt 1359 Bilder, zusammen mit seinen Kommentaren zu Inhalt und Hintergrund. Es handelt sich allerdings nicht um 1359 verschiedene Motive, vielmehr gehören dazu zahlreiche Detailscans. Diese Postings fanden in der Folge weite Verbreitung im Internet und wurden unter anderem auf Tumblr repostet.
Fanni Hall Als Hauptwerk Bishops kann die Reihe um die Detektivin Fanni Hall gelten, die ab 1971 in verschiedenen Formen (teils als Text mit Illustrationen, wobei Bishop auch den Text schrieb, teils in Comicform) und mit großen Pausen über fast 10 Jahre erschien. Der Name der Protagonistin lehnt sich natürlich an Fanny Hill an, Heldin von John Clelands gleichnamigen klassischen erotischen Roman. Zugleich ist „Fanny“ im Englischen eine sexuell konnotierte Bezeichnung für das Hinterteil, weshalb im Verlauf der Episoden Fanni Hall immer wieder als „Ms. Buns“ oder „Bunzie“ angesprochen wird, wobei buns („Brötchen“) auch wieder eine Bezeichnung für Hintern ist.
Fanni Hall entspricht dabei nicht dem seit de Sade beliebten Stereotyp der verfolgten Unschuld (Damsel in Distress) à la Justine, sondern weiß sich durchaus zu wehren, greift gelegentlich zu Handgranate und Maschinengewehr und scheut auch nicht davor zurück, ihre Widersacherinnen auch einmal auf die Streckbank zu schnallen. Sie entspricht damit eher dem Typus der Emma Peel aus Mit Schirm, Charme und Melone, deren Verkörperung durch Diana Rigg sie auch modisch gleicht (Catsuits etc.). Bishop nennt Emma Peel auch explizit neben Jane Fonda als Barbarella als eines der Vorbilder für Fanni Hall.
Trotz aller Wehrhaftigkeit findet sich Fanni Hall immer wieder auf die verschiedenste Weise gefesselt und dabei meist weitgehend unbekleidet, außer sie ist eben selbst dabei, eine ihrer Gegnerinnen zu verschnüren.
Weitere Figuren sind: Madame Boundy, meist einfach nur als Madame angesprochen, Fanni Halls Erzfeindin, betreibt einen Handel mit weißen Sklavinnen und Waffen Wimpy, Assistent und Sidekick von Fanni Hall, der aber schon bald spurlos aus der Serie verschwindet Bertram B. Bertram, meist nur Old Man genannt, sehr reich und Kopf einer Gaunerorganisation namens OMO (Old Man’s Organsation), ein weiterer Sklavenhändler Allis Bertram, Tochter von Bertram B. Bertram, sie wird zu Beginn der ersten Episode (Fanni Hall and the Ransom Note) von Madame und Konsorten entführt, um Lösegeld zu erpressen, und Fanni Hall hat die Aufgabe, sie zu befreien A. Gorilla, ein Muskelmann, der Madame zur Hand geht, wenn es darum geht, jemanden einzufangen oder zu foltern Ian, britischer Geheimagent, der Madame wegen ihrer Waffengeschäfte mit den Kommunisten auf der Spur ist Suni Ling, Partnerin und Geliebte von Ian, eine Asiatin, meist in der einen oder anderen Weise verschnürt Dawnelle, Helferin von Madame Alisha, Assistentin von Fanni
Insgesamt weist die Fanni Hall-Serie zahlreiche Brüche und Inkonsistenzen auf, was auch an der langen Entstehungszeit liegen mag: Figuren verschwinden, Plotlinien werden nicht fortgeführt, Fanni Hall ist eigentlich brünett, zwischendurch aber auch mal blond, die Technik wechselt mitten in einer Episode von Tusche zu Airbrush usw. Bishop merkt dazu an:
Die letzten Episoden von Fanni Hall erschienen in der von Geoffrey Merrick herausgegebenen HOM-Zeitschrift Kidnap: The Tyler Files. Merrick hatte Bishop zu einer Fortführung überredet und seine RomanserieTyler – Memoirs of a White Slaver ist gewissermaßen ein Spin-Off von Fanni Hall, insofern die Hauptfigur Tyler ursprünglich ein Mitglied von OMO ist, der Old Man’s Organsation aus Fanni Hall, dann aber ausscheidet, um fortan Damsels in Distress aus den Fängen ihrer Peiniger zu befreien.
Bibliografie The Adventures of Terri Tyde. In: Centurians #3. Centurian, Westminster CA 1971. Bishop on Bondage #1. House of Milan, Los Angeles 1972. Bishop on Bondage #2. House of Milan, Los Angeles 1973. Bishop on Bondage #3. House of Milan, Los Angeles 1974. Bondage Catalog. The Art of Bishop. Centurian, Westminster CA 1974. Maitre ès "bondage". Éditions Déesse, 1978 (französisch). The Bishop (= The Bishop Ultimate Collection). House of Milan, Los Angeles 1979. Bondage Toy Catalog #1. House of Milan, Los Angeles 1980. The First Erotic Art of Bishop. Centurian, Westminster CA 1980. Bishop on Bondage #4. House of Milan, Los Angeles 1984. Bishop on Bondage #5. House of Milan, Los Angeles 1986. Bishop: The Art of Bondage. 2 Bände. London Enterprises, Van Nuys 1992f. The Art of Bondage. 2 Bände. London Enterprises, Van Nuys 1993. Bondage Katalog. 3 Bände. Kelm Verlag, Troisdorf 2000 (Illustrationen von Bishop, je 192 S.; in den Bänden 2 und 3 teilweise auch Illustrationen anderer Zeichner). Torture of Bondage Disciplin. Bishop’s Fanni Hall and Fellowes. 2006 (deutsch). Arrogant Amazon Vs. Bondage Burglar. Text und Illustrationen von Bishop. Tao Productions, Hollywood o. J., .
Fanni Hall. House of Milan, Los Angeles: Fanni Hall: Super Sleuth. Comicepisoden in: Knotty 2, Nr. 1–3, 7–12. 1971–1974; 3, Nr. 2–5 (1975–1976). The Complete Fanni Hall 1971–1976. House of Milan, Los Angeles 1978 (Sammelausgabe der in Knotty erschienenen Folgen). Nachdruck als Bishop’s Fanni Hall. 1993 (abschließende Bonusepisode der Originalausgabe fehlt). Fanni Hall 1: Fanni Hall and the Ransom Note (= Bunzie gets a Surprise). Text und Illustrationen. Neuausgaben 1977 () und 1993. Fanni Hall 2: The Plot Thickens! Text und Illustrationen. 1972. Fanni Hall 3: Further Complications. Text und Illustrationen. 1978. Fanni Hall 4: A Perilous Plot. Text und Illustrationen. 1979.
als J. Ashely: Ashely One : Western Torments. House of Milan, Los Angeles 1981. Ashely Two : Molly and the Marquise. House of Milan, Los Angeles 1981.
Literatur Eugene C. Burt: Dictionary of Erotic Artists. Painters, Sculptors, Printmakers, Graphic Designers and Illustrators. McFarland, Jefferson, North Carolina / London 2010, ISBN 978-0-7864-4874-6, S. 36f.
Weblinks Eintrag Robert Bishop in der Comic-Enzyklopädie BD Gest’ (französisch) Eintrag Robert K. Bishop auf BDSM Artzone Eintrag J. Ashely auf BDSM Artzone Robert Bishop, Beitrag von Marijn Kruijff in der Shunga Gallery
Einzelnachweise Eugene C. Burt: Dictionary of Erotic Artists. 2010, S. 36f. Robert Bishop: The Complete Fanni Hall 1971–1976. House of Milan, Los Angeles 1978, Introduction Robert Bishop, Beitrag von Marijn Kruijff in der Shunga Gallery, abgerufen am 31. März 2026. The First Erotic Art of Bishop. Centurian, Westminster CA 1980, S. 3. The Question of Bishop and Ashely, Beitrag auf Fetish Nostalgia, abgerufen am 1. April 2026.
Kategorie:Autor Kategorie:Erotischer Comic Kategorie:Comic-Zeichner (Vereinigte Staaten) Kategorie:Comic-Szenarist Kategorie:Illustrator (Vereinigte Staaten) Kategorie:Bondage Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren 1945 Kategorie:Gestorben 1991 Kategorie:Mann