Die Aserische Rennratte oder Vinogradow-Rennratte (Meriones vinogradovi) ist ein in Vorderasien verbreitetes Nagetier in der Gattung der Rennratten. Das Typusexemplar wurde im Nordwesten von Iran in der Region Aserbaidschan gefunden.
Die Vinogradow-Pferdespringmaus (Scarturus vinogradovi) lebt dagegen östlich des Kaspischen Meeres.
Merkmale Diese große Rennratte erreicht eine Kopf-Rumpf-Länge von 140 bis 170 mm, eine Schwanzlänge von 130 bis 170 mm sowie ein Gewicht von 100 bis 200 g. Es sind 31 bis 39 mm lange Hinterfüße und Ohren von 19 bis 22 mm Länge vorhanden. In den Vorgebirgen des Kaukasus sind Männchen deutlich größer als Weibchen. Das gesprenkelte und weiche Fell der Oberseite besteht aus gelbbraunen und grauen Haaren. Auf der Unterseite kommt bis auf mehr oder weniger deutliche gelbbraune Striche auf Kehle und Brust weißes Fell vor. Auffällig sind ein weißer Fleck hinter jedem Ohr und die schwarze Quaste am Schwanzende. An anderen Bereichen des Schwanzes ist die Unterseite heller als die Oberseite. Die gebietsweise gleichzeitig vorkommende Tristram-Rennratte hat keine dichte Behaarung auf den Fußsohlen und einen mehr abgeflachten Paukenteil am Schläfenbein. Bei dieser Art nimmt der Paukenteil etwa 31 Prozent der Schädellänge ein. Bei Weibchen sind acht paarig angeordnete Zitzen vorhanden. Der diploide Chromosomensatz besteht aus 44 Chromosomen (2n=44).
Verbreitung Populationen sind aus der östlichen Türkei, dem nördlichen Syrien, dem nordwestlichen Iran und aus dem Süden von Armenien und Aserbaidschan bekannt. Ein vorkommen im Norden des Irak ist wahrscheinlich und muss noch bestätigt werden. In Gebirgen erreicht die Aserische Rennratte 2600 Meter Höhe. Das Tier bewohnt Halbwüsten sowie Täler in Gebirgen und besucht Ackerland. Es hält sich in Regionen mit einer dicken Erdschicht auf und meidet sandige sowie felsige Landschaften.
Lebensweise Soweit bekannt ist diese Rennratte im Winter und Frühjahr tagaktiv, während sie in den heißen Sommermonaten nachts auf Nahrungssuche geht. Allgemein wird ein Bau von einer oder zwei Familien bewohnt, wobei oft auf ein Männchen zwei Weibchen kommen. Die Reviere der Gruppen sind 0,1 bis 0,8 Hektar groß, so dass mehrere Baue in einem recht begrenzten Gebiet auftreten, was als Kolonie betrachtet werden kann. Der Bau ist komplex mit mehreren Eingängen und Tunneln, die meist 30 bis 50 cm tief liegen. In einem Bau lagen viele Vorratskammern seitlich eines etwa 19 Meter langen Ganges. Zusätzlich gibt es eher einfache Baue für kurzzeitige Aufenthalte.
Die Aserische Rennratte frisst überwiegend Pflanzensamen und grüne Pflanzenteile, die mit Kleintieren komplettiert werden. In manchen Vorratslagern für den Winter befanden sich 3 bis 5 kg Samen. Je nach Region kommen bei Weibchen ein bis fünf Würfe pro Jahr vor. Die meisten Paarungen finden zwischen März und Juni statt. Ein Weibchen kann mit bis zu 12 Embryos trächtig sein, wobei davon nur 6 bis 8 bei der Geburt nach 21 bis 23 Tagen Trächtigkeit leben. Die nackten und blinden Neugeborenen können ihre Augen nach 19 bis 20 Tagen öffnen. Die Jungtiere werden nach drei Wochen geschlechtsreif, auch wenn sie ihre erste erfolgreiche Paarung nach dem Winter haben. Bis dahin bleiben sie im Bau der Eltern.
Gefährdung Für das Tier sind keine Bedrohungen bekannt. Diese Rennratte wird häufig angetroffen und es gibt verschiedene Schutzzonen in der Region. Die IUCN listet die Aserische Rennratte als nicht gefährdet (least concern).
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Einzelnachweise
Kategorie:Rennmäuse