mini|St. Ägidius am Dom, ältestes erhaltenes Gebäude in Breslau In der heute polnischen Stadt Breslau ( ) in Schlesien bestanden und bestehen seit dem 13. Jahrhundert verschiedene Klöster der Franziskanischen Orden.
Zu den Franziskanischen Orden zählen die Männerorden des „Ersten Ordens“ (Ordo Fratrum Minorum ‚Minderbrüder-Orden‘), der sich im 16./17. Jahrhundert infolge einer observanten Reformbewegung in drei Untergruppen teilte: die Observanten (Franziskaner, in Polen Bernhardiner genannt); zahlreiche Klöster übernahmen zu Beginn des 16. Jahrhunderts die „Martinianischen Reformen“ als Kompromiss zwischen der strengen Observanz und einer großzügigen Auslegung der Armutsgelübde, andere folgten weiter einer strikten Observanz; die Konventualen (Ordo Fratrum Minorum Conventualium, Minoriten, seit 1517 eigener Orden) und die Kapuziner (Ordo Fratrum Minorum Capucinorum, seit 1617 eigener Orden). Den Zweiten Orden (für Frauen) bilden die verschiedenen Zweige der Klarissen. Zum Dritten Orden gehören neben einer Laiengemeinschaft (Ordo Franciscanus Saecularis) zahlreiche Frauen- und Männergemeinschaften, die als Regulierter Dritter Orden des heiligen Franziskus in Klöstern zusammenleben.
Etwa gleichzeitig zu der Spaltung des Ordens hatten die Reformation und später der Dreißigjährige Krieg gravierende Auswirkungen auf die katholischen Orden, ebenso die Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Daraus ergaben sich große Diskontinuitäten im Bestehen der Klöster auch in Breslau, und zeitweise bestanden Klöster mehrerer Zweige der Franziskanischen Orden in der Stadt.
Franziskaner Jakobskloster (1236–1534) mini|Kirche St. Jakob, ab 1530 St. Viktor
Die Brüder des 1209 in Italien gegründeten Franziskanerordens ließen sich erstmals um 1236 in Breslau nieder, zunächst außerhalb der Stadt. Als ihre Unterkunft 1241 bei einem Angriff des Mongolenheeres zerstört wurde, siedelten sie in das Jakobskloster in der Stadt um, das von der herzoglichen Familie, Herzog Heinrich II. „dem Frommen“ und Herzogin Anna von Böhmen, nach 1234 gestiftet und erbaut worden war. 1274 wurde es Sitz einer der 12 Kustodien der Sächsischen Franziskanerprovinz. Im Haus bestand ein Ordensstudium für den Nachwuchs der Franziskaner, und die Brüder stellten die Seelsorger für die Schwestern des Klarissenklosters.
Im Jahr 1506 wurde der Konvent im Sinne der Martinianischen Konstitutionen reformiert, durch die ein Kompromiss zwischen unterschiedlichen Zweigen des Franziskanerordens im Armutsstreit ermöglicht werden sollte. 1530 wurde das Prämonstratenserstift St. Vinzenz vor der Stadtmauer Breslaus (dort seit 1180/93) in das Jakobskloster der Franziskaner verlegt, weil die Bauten des Stifts abgetragen wurden, als der Magistrat von Breslau aus Furcht vor den Türken alle möglichen Stützpunkte für Angreifer außerhalb der Stadtmauern zerstören ließ. Die Prämonstratenser nannten die Jakobskirche in Vinzenzkirche um. Neun martinianisch reformierte Franziskaner zogen daraufhin von St. Jakob in das Kloster an St. Dorothea um, das von den meisten Augustiner-Chorherren gerade verlassen worden war, weil sie sich der Reformation zugewandt hatten. Jedoch erlosch das Franziskanerkloster aus ähnlichen Gründen ebenfalls bereits bis 1534 aus.
Franziskaner-Observanten (Bernhardinerkloster, 1453–1522)
Die Franziskaner der strengen Observanz (Bernhardiner) ließen sich um 1450 in der Stadt nieder, inspiriert von Johannes Capistranus, der die strikte Einhaltung der Ordensregel, insbesondere des Armutsgelübdes, im Franziskanerorden mit Erfolg propagierte. Bis 1505 war das Kloster und die dem hl. Bernhardin von Siena gewidmete Kirche als zweites Kloster der Franziskaner in Breslau neben dem Jakobuskloster fertiggestellt. Da sich die Bernhardiner strikt gegen die Reformation stellten, mussten sie 1522 auf Betreiben des Stadtrats die Stadt Breslau verlassen.
Antoniuskloster (1679–1793, 1793–1810) mini|hochkant|St. Antonius von Padua
Das Antoniuskloster ist als Nachfolgekloster der observanten Franziskaner des Bernardinerklosters anzusehen, da 1517 Papst Leo X. die Teilung des Ordens in die Observanten und die Minoriten (‘‘Ordo fratrum minorum conventualium‘‘, Konventualen) anerkannte. Die Konventualen oder Minoriten hatten sich bereits 1612 in Breslau niedergelassen. Die Franziskaner verzichteten am 20. Juli 1678 vertraglich auf alle Ansprüche auf das frühere Kloster und wurden 1679 feierlich in Breslau eingeführt. Auf einem Grundstück, das ihnen die Stadt auf Geheiß des böhmischen Landesherrn Kaiser Leopold I. zur Verfügung stellte, bauten sie zwischen 1682 und 1695 ein Kloster und die dem hl. Antonius von Padua gewidmete Kirche.
1793 mussten sie auf Befehl des preußischen Ministers Karl Georg Graf von Hoym ihr Kloster den Kranke pflegenden Elisabethinnen überlassen und in das baufällig gewordene Kloster der Schwestern in der Rosengasse umziehen. Dieses Kloster fiel am 30. Oktober 1810 der Säkularisation zum Opfer und wurde vom preußischen König aufgehoben.
Franziskanerkloster an St. Ägidius am Domplatz (1888–1945)
Auf Einladung von Fürstbischof Georg von Kopp kamen 1888 einige Franziskaner der Sächsischen Franziskanerprovinz (‘‘Saxonia‘‘) als Beichtväter an den Breslauer Dom. 1889 überließ ihnen das Domkapitel das Haus Domplatz 18 zum Wohnen und die benachbarte Ägidiuskirche für ihre Gottesdienste. Ab 1924 bauten sie vom Kloster aus mit der Ortsgruppe des Dritten Ordens eine umfangreiche Familienhilfe auf. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs endete das Engagement der deutschen Franziskaner am Dom, das aus Sicht des Bistums Breslau nicht mehr als opportun angesehen wurde.
mini|Kirche St. Antonius in Carlowitz Franziskanerkloster an St. Antonius in Carlowitz (seit 1897)
Zwischen 1897 und 1898 begannen die Franziskaner der „Saxonia“ vom Domplatz aus mit der Gründung eines großen Klosters und der Antoniuskirche in Carlowitz im Norden Breslaus. Ab der Wiedergründung der Schlesischen Franziskanerprovinz („Silesia“) im Jahr 1911 befanden sich hier der Sitz des Provinzials und der Provinzleitung. Bis 1933 gab es ein philosophisch-theologisches Studium der Ordensprovinz zur Ausbildung ihres Priesternachwuchses, von 1899 bis 1911 ein Internat für Gymnasiasten. 1945 ging das Kloster an polnische Franziskaner über.
Minoriten (Konventualen, 1612–1810)
Die Minoriten kamen 1612 nach Breslau und übernahmen 1615 das Kloster an der Dorotheenkirche, wo von 1530 bis 1534 die letzten Franziskaner gewohnt hatten. Nach deren Auszug wurde es zur städtischen Lagerhalle. Eine Ansiedlung von Jesuiten war nicht erfolgreich. Die Minoriten gründeten im Kloster ein Studienhaus für den Ordensnachwuchs mit einer großen Bibliothek, im 18. Jahrhundert engagierten sie sich zudem in der Pfarrseelsorge, bis das Kloster 1810 säklularisiert und später abgerissen wurde.
Kapuziner (1666–1810)
Die Kapuziner waren hauptsächlich am Breslauer Dom als Beichtväter und Domprediger tätig.
Klarissen (1260–1811)
Die Herzogin Anna von Böhmen, Witwe des Herzogs Heinrich II. des Frommen, wollte ein Kloster für arme adlige Jungfrauen errichten und lud daher die Klarissen nach Breslau ein, für die sie ein Kloster gründete, das 1270 fertiggestellt wurde. Die Schwestern wurden seelsorglich von den Franziskanern des Jakobsklosters betreut, nach der Reformation von den Minoriten. Als das Klarissenkloster 1810 säkularisiert wurde, übernahmen es die Ursulinen, die wegen der von ihnen unterhaltenen Schulen in Breslau von der Säkularisation nicht betroffen waren.
Kapuziner-Terziarinnen von der Heiligen Familie (seit 1992)
Die Ordensgemeinschaft wurde 1885 in Spanien gegründet und ist sozial und karitativ tätig. Seit 1992 hat sie eine Niederlassung in Breslau.
Literatur Lucius Teichmann: Die Franziskanerklöster in Mittel- und Ostdeutschland 1223–1993 (ehemaliges Ostdeutschland in den Reichsgrenzen von 1938). (= Studien zur katholischen Bistums- und Klostergeschichte, 37) Benno Verlag, Leipzig 1995.
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