Die Geschichte des Stahlbaues in Magdeburg umfasst die Herstellung und Montage von Stahlkonstruktionen aus Profilstählen, Rohren und Blechen am Standort Berliner Chaussee 106–112. Der wichtigste produktivitätssteigernde Schritt in der technologischen Entwicklung war der Übergang von der genieteten in die geschweißte Ausführung. Im Zeitraum seit 1951 produzierten am Standort folgende Unternehmen unterschiedlicher Rechtsform, beginnend mit einem volkseigenen Betrieb (VEB) bis zur privaten Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) in der Gegenwart: VEB Stahlbau Magdeburg 1951–1968 VEB MLK-Werk Magdeburg 1969–1990 Magdeburger Stahlbau GmbH 1990–1996 MSt Magdeburger Stahlbau GmbH 1997–1999 Stahlbau Magdeburg GmbH seit 1999.
VEB Stahlbau Magdeburg Mit der Gründung des VEB Stahlbau Magdeburg aus dem Bereich Elbestahl des VEB Bau-Union Mitte beginnt die Entwicklung einer eigenständigen Fertigung und Montage von Stahlkonstruktionen in Magdeburg. Der Betrieb war anfangs mit der Beseitigung von Kriegsschäden sowie der Errichtung von Industrianlagen befasst.
Geschichte Auf dem Gelände des Werkes Magdeburg befand sich bis etwa 1950 der VEB Waagenfabrik Magdeburg (ehemals Böhmer & Co.). Im Frühjahr 1951 wurde die Waagenproduktion nach Thüringen verlegt und zum 1. Juli 1951 ging das Gelände samt darauf befindlicher Anlagen in die Rechtsträgerschaft des am 1. September 1951 gegründeten VEB Stahlbau Magdeburg über. Der Betrieb selbst war aus der Abteilung Stahlbau Elbe der Bau-Union Mitte hervorgegangen und seine Fertigungsstätten waren über das gesamte Stadtgebiet verstreut, die nun am Standort Berliner Chaussee konzentriert werden konnten. Noch im Jahr 1951 begann am neuen Standort die Werkstattfertigung und es erfolgte der Beginn der Bauarbeiten an der geplanten Fertigungshalle mit den beiden Außenkranbahnen. Bis zu deren Fertigstellung im Jahre 1954 erfolgte der überwiegende Teil der Fertigung in den Außenstellen Parey und Weddersleben sowie auf Baustellen vor Ort. Ende 1952 zog die gesamte Verwaltung an den Standort Berliner Chaussee. Bereits zu Beginn des Jahres 1953 wurde der Fertigungsbetrieb in Parey aus dem VEB Stahlbau Magdeburg ausgegliedert und als VEB Stahlbau Parey weitergeführt. Gleiches erfolgte mit dem Standort Weddersleben im Jahre 1954. Im Jahre 1956 wurde die Abteilung Weichenbau Magdeburg des VEB Stahl- und Weichenbau Halle dem VEB Stahlbau Magdeburg als Werk II angegliedert und für die Fertigung von Stahlkonstruktionen in der Landwirtschaft mit Spannweiten bis 15 m genutzt. Weiterhin wurde 1960 die Montageabteilung des VEB Stahlbau Brandenburg übernommen, so dass fortan die Lieferungen aus Parey und Brandenburg durch die Magdeburger Stahlbauer montiert wurden, bis 1965 alle Montageabteilungen der Stahlbaubetriebe im VEB Industriemontagen Leipzig konzentriert wurden. Eine wesentliche Steigerung der Arbeitsproduktivität in der Fertigung von Stahlkonstruktionen wurde durch den Übergang von der genieteten Ausführung zu Schweißkonstruktionen erzielt. Hierzu wurden zielgerichtete Investitionen in die Erweiterung schweißtechnischer Anlagen realisiert.
Als Werkleiter bzw. Betriebsdirektoren fungierten:
Johann Falkenreich Ernst Bullert Otto Stephan Dieter Schmidt bis 31. Dezember 1968
Projektrealisierung Für die Abteilung Stahlbau Elbe in der Bau-Union Mitte standen im kriegszerstörten Magdeburg anfänglich vor allem Reparaturleistungen und die Produktion von Konsumgütern für die Bevölkerung im Vordergrund. Nach der Gründung des VEB Stahlbau Magdeburg und dem Baubeginn für die zukünftige dreischiffige Fertigungshalle in den Abmessungen 60 × 100 m erfolgte die Stahlbaufertigung im Zeitraum 1952 bis 1954 in den Außenstellen Parey und Weddersleben sowie auch vor Ort auf den Baustellen der Auftraggeber. So arbeiteten mehr als 220 Stahlbauer unter schwierigsten Bedingungen im Freien beim Aufbau des Niederschachtofenwerkes in Calbe sowie gleichzeitig bei der Fertigung und Montage der Kabelkrananlage in der Warnowwerft Warnemünde unter ähnlichen Bedingungen. Nach Abschluss der Bauarbeiten an der Fertigungshalle 1954 konnte die Stahlbaufertigung am eigentlichen Firmensitz konzentriert werden. Im Zeitraum 1950 bis 1960 wurden Projekte im Umfang von ca. 90.000 t Stahlkonstruktionen realisiert. In der Folgezeit war der VEB Stahlbau Magdeburg auf zahlreichen Industriebaustellen mit der Lieferung und Montage von Stahlkonstruktionen beteiligt. Hier sind besonders die Industrieöfen in den Walzwerken Brandenburg, Hennigsdorf , Finow und Ilsenburg zu nennen sowie die Lieferungen für die Kohlekraftwerke in Vockerode, Hirschfelde, Lübbenau und Finkenheerd. Weitere Lieferungen erfolgten für die Fördergerüste im Kali-, Erz- und Kohlebergbau sowie für den Ausbau des Mansfeldkombinates, des Mineralölwerkes in Lützkendorf, des Kunstseidenwerkes in Premnitz, des Stickstoffwerkes in Piesteritz, des Kalikombinat Merkers, den Waggonbau Bautzen und den Aufbau von Gaswerken in Berlin, Leipzig, Magdeburg und im Kombinat Schwarze Pumpe . Auch im Export von Stahlkonstruktionen nach China. in die UdSSR, den Irak und nach Ägypten waren die Magdeburger tätig. In den 70er Jahren wurden Lieferungen für die Kohlekraftwerke in Boxberg, Hagenwerder, Vetschau und Jänschwalde realisiert.
VEB Metallleichtbaukombinat – Werk Magdeburg Das Werk Magdeburg im VEB MLK war spezialisiert für schwere Stahlhochbaukonstruktionen im Inland sowie für den Export. Es war spezialisiert für den Stahlbau im Kernkraftwerksbau und für die Anlagen im Kraftwerksbau. Als Nachfolgebetrieb des VEB Stahlbau Magdeburg wurde das Werk Magdeburg zum 1. Januar 1969 auf Weisung des Ministers für Bauwesen juristischer Bestandteil des VEB MLK und zum 21. April 1969 im Register der volkseigenen Wirtschaft gelöscht.
Geschichte Auf der Grundlage des Politbürobeschlusses vom 22. November 1966 und der Ministerratsbeschlüsse vom 9. Februar 1967 sowie 5. Oktober 1967 über die weitere Erhöhung der Anwendung von Konstruktionen des Metallleichtbaues (MLB) zur Entlastung des Bauwesens im Investitionsgeschehen der DDR erging die Verfügung des Ministers für Schwermaschinen und Anlagenbau sowie des Ministers für Bauwesen vom 16. Januar 1968 über die Gründung eines VE Metallleichtbaukombinat zum 1. Januar 1968. Mit Wirkung vom 31. Dezember 1968 endete die Rechtsfähigkeit der VVB IAS. Rechtsnachfolger wurde der VEB Metallleichtbaukombinat (MLK), der am 1. Januar 1969 aus der VVB Industrieanlagenmontagen und Stahlbau (IAS) sowie weiteren Betrieben gebildet wurde. Im Zuge der in der volkseigenen Industrie der DDR eingeleiteten Konzentrationsprozesse kam es zu Fusionen von Werken und der Bildung von Kombinaten. So erfolgte die Fusion des VEB Stahlbau Brandenburg und des VEB Stahlbau Parey zu Werkteilen mit dem Werk Magdeburg im Zuge der Kombinatsbildung.
Gleichzeitig erfolgte mit der Kombinatsbildung eine erzeugnisspezialisierte Fertigungsorganisation zur Steigerung der Produktivität, wodurch das Werk Magdeburg auf die Fertigung von Stahlzellen im KKW-Bau ausgerichtet wurde. Zur Rationalisierung der Stahlbaufertigung mit überwiegend Blechverarbeitung erfolgten zu Beginn der siebziger Jahre die Errichtung einer neuen Vorfertigungshalle sowie der Neubau einer Konservierungshalle und die Inbetriebnahme einer Durchlaufstrahlanlage für Bleche und Profile. Voraussetzung für diese Betriebserweiterungen war die in den sechziger Jahren erfolgte Erschließung des Geländes hinter der Werkstraße im Osten. Zu den neu verlegten Gleisanlagen gehörten auch die Errichtung einer dringend benötigten Versandkranbahn sowie eine neue Materialkranbahn im Zuge dieser Geländeerschließung. Als Voraussetzung für den Export von Stahlkonstruktionen erwarb das Werk Magdeburg 1979 den „Großen Eignungsnachweis“ zum Schweißen nach DIN-Vorschriften.
Als Werkleiter bzw. Betriebsdirektoren fungierten:
Dieter Schmidt ab 22. Januar 1969 bis 31. Januar 1980 Bernd Lindnau ab 1. Februar 1980 bis 30. Juni 1985 Manfred Riedel vom 1. Juli 1985 bis 15. Juni 1990
Projektrealisierung
In den 70er Jahren wurden Lieferungen für die Kohlekraftwerke in Boxberg, Hagenwerder, Vetschau und Jänschwalde realisiert. Mit der Kombinatsbildung 1969 gehörten schwere Stahlkonstruktionen für alle Bereiche des Stahlhochbaus zum Lieferumfang der 3 Werkteile des MLK-Werk Magdeburg sowie als Übergangslösung die Lieferung von C-Stahlverkleidungen für das KKW Lubmin mit einem hohen Anpassungsaufwand auf der Baustelle. Die darauf betriebene Forschung und Entwicklung zur Produktivitätssteigerung erlaubte 1973/74 den Übergang zur Fertigung von ebenen Stahlzellen für die Wandkonstruktionen des Reaktorgebäudes. Im Ergebnis der weiteren Forschung und Entwicklung erfolgte eine Erweiterung der Stahlzellenfertigung für den Reaktorschacht, das Abkling- und Umladebecken, für Kanäle und Schächte der Nasskondensation und den Ringkabelkorridor. Daraus resultierte die folgende Entwicklung des Lieferumfanges für die Blöcke im KKW Lubmin: Block 4 ca. 600 t; Block 6 ca. 3250 t; Block 8 ca. 4000 t.
Mit der Zugehörigkeit zum Metallleichtbaukombinat erfolgte eine spezialisierte Fertigungsorganisation für Stahlzellen und Kuppelelemente für das Containment im KKW-Bau in Lubmin bzw. Stendal. Hierfür wurden im Zeitraum 1969 bis 1988 Investitionen im Wertumfang von 38952 TM im Werk Magdeburg sowie 49000 TM in Parey und 43800 TM in Brandenburg getätigt. Der Grundmittelbestand entwickelte sich in allen 3 Werkteilen von 51000 TM (1969) auf 260000 TM (1988). Seit 1980 war das MLK-Werk Magdeburg für die Entwicklung, Konstruktion und Fertigung von ein- und zweiachsig gekrümmten Stahlzellen für das Containment mit 1000 MW Druckwasserreaktoren (DWR) im KKW Stendal verantwortlich.
Der Lieferumfang je Block im KKW Stendal betrug ca. 6.300 t davon 4500 t für das Containment. Zum 31. Dezember 1988 betrugen die Lieferungen 2964 t (M), 596 t (P), 701 t (B), d. h. in Summe 4261 t für des KKW Stendal.
Die Anzahl der hierfür beschäftigten Arbeiter und Angestellten (A+A) im Werk Magdeburg und seinen Werkteilen in Parey und Brandenburg hatte ausgehend vom Jahr der Kombinatsbildung 1968 folgenden Stand:
A + A PGA/PHA Übrige 1968 1590 1970 1605 1021 584 1975 1703 1137 626 1980 1827 1218 659 1985 1901 1248 653 1988 1890 1247 643
Literatur Klaus-Peter Winter: Moderne Schweißtechnologien im Fertigungsfluss eines Stahlbaubetriebes. In: Schweißtechnik 30 (1980) H. 9, S. 388–391. F. Weikert, H. Berretz,G. Schmidt: Herstellung und Montage von Stahlzellen für Kernkraftwerke. In: Informationen des VEB MLK-Forschungsinstitut (23) H. 2/1984, S. 13–17. Jana Männig: Eine Firmengeschichte der Stahlbau Magdeburg GmbH 1950–2015. Hrsg. Stahlbau Magdeburg GmbH. 2015
Magdeburger Stahlbau GmbH Die Magdeburger Stahlbau GmbH als Nachfolgeunternehmen des VEB MLK-Werk Magdeburg war ein mittelständisches Unternehmen auf dem Gebiet der Herstellung und Montage kompletter Bauwerke aus Stahlkonstruktionen sowie von Zuschnitt- und Korrosionsschutzleistungen für den Stahlbau.
Geschichte