Mary Helen Sullivan (* 10. April 1907 in Effingham (Kansas), USA; † 22. Dezember 1998 in Atchison (Kansas), USA) war eine US-amerikanische Mathematikerin, Ordensschwester und Hochschullehrerin. Sie war Professorin am Benedictine College und leitete viele Jahre lang den Fachbereich Mathematik am Mount St. Scholastica College. 1940 war sie maßgeblich an der Gründung des Kansas Gamma Chapters von Kappa Mu Epsilon beteiligt. Sie war eine der wenigen Frauen, die vor dem Zweiten Weltkrieg in den USA in Mathematik promovierten.https://www.ams.org/publications/authors/books/postpub/hmath-34-PioneeringWomen.pdf

Leben und Werk mini| Mount St. Scholastica Kloster in Atchison, Kansas. Eingetragen im National Register of Historic Places Sullivan war das vierte von neun Kindern von Mary E. Majerus und John Edward Sullivan. Ihre Mutter machte ihren Highschool-Abschluss in Falls City, ihr Vater besuchte die Nebraska State Normal School und das St. Benedict’s College in Atchison. Sullivan besuchte katholische Schulen in Kansas und nach ihrem Abschluss als Jahrgangsbeste 1925 besuchte sie von 1926 bis 1928 das Mount St. Scholastica Junior College und anschließend von 1928 bis 1930 das St. Benedict’s College, wo sie 1930 den Bachelor-Abschluss erwarb. Das Mount St. Scholastica College vergab erst ab 1932 akademische Grade als Hochschule. Sullivan trat 1925 den Benediktinerinnen bei und legte 1930 die Gelübde im Benediktinerorden ab. Als Sister Mary Helen Sullivan setzte sie ihr Studium an der Katholischen Universität von Amerika fort. 1931 erhielt sie dort ihren Master-Abschluss und promovierte 1934 in Mathematik und dem Nebenfach Physik und Mechanik unter der Betreuung von Aubrey E. Landry mit der Dissertation: The Number and Reality of the Non-Self-Symmetric Quadrilaterals In-and-Circumscribed to the Rational Unicuspidal Quartic with a Line of Symmetry.

Hochschultätigkeiten Nach ihrer Promotion kehrte sie an das Mount St. Scholastica College zurück, wo sie bereits im Sommer 1931 unterrichtet hatte. Sie war dort von 1934 bis 1937 Dozentin, von 1938 bis 1945 Assistenzprofessorin, von 1945 bis 1970 Professorin und wurde 1970 Professorin emeritus. Sie war von 1934 bis 1954 und von 1963 bis 1970 Vorsitzende des Fachbereichs Mathematik. Um 1936 organisierte sie den Mathematikclub, der dem von ihr 1940 gegründetem Kansas-Gamma-Chapters von Kappa Mu Epsilon vorausging. Während ihrer Zeit am Mount St. Scholastica College absolvierte sie ein Postdoktorat, bekleidete mehrere Gastprofessuren und engagierte sich in verschiedenen nationalen Berufsverbänden. Sie forschte und studierte im Sommer 1950 an der Université Laval in Québec, im Sommer 1962 an der University of Oklahoma und im Sommer 1964 am Clare College der Universität Cambridge in England. Sie war Gastprofessorin an der Loyola University, am Fort Smith Junior College und im Sommer 1968 an der Wesleyan University in Connecticut. Sullivan war Gastdozentin der National Science Foundation (NSF) an der Graduiertenschule der Universität Detroit und unterrichtete an NSF-Sommerinstituten am Rosary Hill College in Buffalo sowie an der Claflin University in Orangeburg. Sie nahm an Workshops im Argonne National Laboratory in der Nähe von Lemont, Illinois, teil, um einen Computerkurs am Mount St. Scholastica einführen zu können. Sie war Gastprofessorin an der Universität von Minnesota und nebenberuflich am College of St. Catherine in St. Paul, Minnesota, während ihres Forschungssemesters 1964/65. An der University of Minnesota wirkte Sullivan im Rahmen des von der NSF geförderten College Geometry Project als Mitglied eines Lehrbuchteams mit und sie wirkte in NSF-Gremien mit, die Anträge in Washington, D.C. prüften und bewerteten.https://www.ams.org/publications/authors/books/postpub/hmath-34-PioneeringWomen.pdf

Nachdem sie 1970 das Mount St. Scholastica College verlassen hatte, bekleidete sie verschiedene Lehr-, Studien- und Verwaltungspositionen im Ausland und in den USA. Im Frühjahr 1970 führte sie als Mitglied eines internationalen Curriculum-Komitees des Instituts für Europäische Studien Vor-Ort-Evaluierungen an Studienzentren einiger europäischer Universitäten durch. Im Sommer 1970 war sie als amerikanische Mathematikberaterin für die US-amerikanische Entwicklungshilfeorganisation USAID an der Universität Aurangabad in Indien tätig. Darauf folgte ein Forschungssemester (1970–71) als Gastprofessorin im Rahmen des Internationalen Kulturaustauschs in Irland am University College Galway. Im Jahr darauf war sie Beraterin, Studienberaterin und Tutorin für Mathematik am Institut für Europäische Studien der Universität Wien in Österreich.

Nach ihrer Rückkehr in die USA war sie von 1972 bis 1973 als Entwicklungsdirektorin an der Lillis High School in Kansas City und von 1973 bis 1975 als stellvertretende Direktorin im Diözesanen Bildungsbüro in Billings tätig. 1976 begann sie ein Theologiestudium an der Gonzaga University in Seattle und zog nach Berkeley, wo sie den größten Teil des folgenden Jahrzehnts verbrachte. Dort war sie von 1976 bis 1977 Forschungsassistentin des Dekans und der Fakultät der Jesuit School of Theology, von 1977 bis 1978 Assistentin des Präsidenten der Graduate Theological Union, von 1978 bis 1979 Assistentin des Präsidenten der School of Applied Theology und von 1978 bis 1981 Entwicklungsforschungsspezialistin für Catholic Charity Services in Oakland. Anfang der 1980er Jahre war sie Mitglied von Teams für spirituelle Begleitung und Exerzitien an der School of Applied Theology in Berkeley.

Sie kehrte 1985 nach Atchison zurück und lebte in einer Pflegeeinrichtung des Klosters Mount St. Scholastica. Sie starb dort 1998 im Alter von 91 Jahren und wurde auf dem Schwesternfriedhof beigesetzt.

Anerkennungen und Ehrungen (Auswahl) 1965 wurde von den Alumnae des Kansas Gamma Chapters ein Stipendium eingerichtet, das 1967 ihr zu Ehren nach ihr benannt wurde: Sister Helen Sullivan Scholarship.https://ancestors.familysearch.org/en/G49P-ZBQ/monica-elizabeth-sullivan-1907-1998

Ihre Verdienste um die nationale Kappa Mu Epsilon (KME), darunter ihre Tätigkeit als nationale Historikerin (1943–1947) und als stellvertretende Redakteurin der Zeitschrift Pentagon (1943–1947 und 1961–1970) wurden erstmals gewürdigt, als sie 1981 anlässlich des 50-jährigen Jubiläums von KME zu einem der 50 herausragenden Mitglieder ernannt wurde. 1991 verlieh ihr KME den George R. Mach Distinguished Service Award.

Veröffentlichungen (Auswahl) 1938: Retracing “Euclid’s Circle.” Sci. Counselor 4 (3), S. 70, 85–86. 1943: A seminar plan in mathematics. Natl. Math. Mag. 17, S. 170–173. 1944: Catholic leadership founded on reverence. Catholic Ed. Rev. 42, S. 414–419. 1944: Is mathematics a liberal art or a lost art? Catholic Ed. Rev. 42, S. 222–227. 1944: It can be done. Catholic Library World 16, S. 78–80, 88. 1944: Mathematics in the open forum. Natl. Math. Mag. 18, S. 276–279. 1945: Opportunities for women trained in mathematics. Pentagon 4 (2), S. 5–15. 1946: Mathematics in the scheme of life. Catholic Ed. Rev. 44, S. 296–300. 1946: A positive approach to vocations. J. Religious Instruction 16, S. 810–816. 1947: Mathematics for women. Catholic Ed. Rev. 45, S. 160–65. 1949: The Christian Approach to Science: A Philosophic Integration for Science Majors. In: Liberal Arts Colleges. [Atchison, KS: Mount St. Scholastica College]. 1950: Bede, the scientist. Benedictine Rev. 5 (2), S. 39–42. 1951: A philosophic synthesis of the sciences. Catholic Ed. Rev. 49, S. 21–27. 1951: A realistic view of differential calculus. Math. Mag. 24, S. 101–103. 1952: An Introduction to the Philosophy of Natural and Mathematical Sciences. New York: Vantage Press. 1956: Quantitative thinking - a correlating factor. Catholic Educator 27, S. 224–227, 240. 1967: Geometry, Analytic. In: New Catholic Encyclopedia, S. 352–353. New York: McGraw Hill. 1971: A “Canterbury Tale”: Impressions of an American Benedictine sister. The Benedictines 26, S. 62–68. 1971: Catholicism in Ireland, as I see it. The Furrow 22, S. 615–621. 1973: The experimental college: a cool medium. Improving College and University Teaching 21, S. 265–68.

Mitgliedschaften American Mathematical Society (AMS) Mathematical Association of America (MAA) National Council of Teachers of Mathematics (NCTM) Association for Women in Mathematics (AWM) Math. Assoc. of Great Britain American Physical Society Nat. Council of Administrative Women in Education American Association of University Professors (AAUP) Pi Mu Epsilon Kappa Mu Epsilon

Literatur Jacqueline A. Jensen-Vallin, Janet L. Beery, Maura B. Mast, Sarah J. Greenwald: Women in Mathematics: Celebrating the Centennial of the Mathematical Association of America. New York: Springer International Publishing, 2017, S. 44, 98–99. ISBN 978-3319666945.

Weblinks Website der Benedictine Sisters of Mount St. Scholastica (englisch) Academy of Mount St. Scholastica, Atchison, Kansas (englisch) Supplementary Material for Pioneering Women in American Mathematics:The Pre-1940 Phd’s (englisch)

Einzelnachweise

Kategorie:Benediktinerin Kategorie:Mathematiker (20. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Kansas) Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren 1907 Kategorie:Gestorben 1998 Kategorie:Frau