Die Cafés der Familie Gnant existierten in Leipzig von 1893 bis 1953.
Die Familie
Alois Gnant (1864–1935) hatte in der heimatlichen Backstube in Saulgau in Schwaben das Konditorhandwerk erlernt, musste beim Erbe aber seinem Bruder den Vortritt lassen. Nach einigen Zwischenstationen kam er 1887 in das aufstrebende Leipzig, wo er seinen Traum von der eigenen Konditorei zu realisieren hoffte. Hier lernte er die aus Flensungen am Vogelsberg in Hessen stammende Minna Kahl (1866–1936) kennen. 1890 heirateten sie. Das Ehepaar bekam die Tochter Minna Anna (* 1891) und die Söhne Adolf (* 1894) und Albert (* 1902). Die Söhne heirateten, die Tochter blieb ehelos. Alle engagierten sich für das Familienunternehmen und sind in dem vom Leipziger Bildhauer Max Alfred Brumme gestalteten Familiengrab auf dem Südfriedhof Leipzig beerdigt.
Die Cafés 1893 pachtete das junge Ehepaar im noch dörflich geprägten Leipziger Stadtteil Gohlis das Café-Restaurant „Kaiser Friedrich“ in der Menckestraße 24 gegenüber dem Eingang zum Gohliser Schlösschen. Mit seinem großen Konzertgarten diente es auch als Ausflugslokal der Leipziger. 1898/1899 wurde das Gebäude des Café-Restaurants durch ein vierstöckiges städtisches Wohngebäude ersetzt, in dessen Erdgeschoss nun die Aktienbrauerei Gohlis die Gaststätte Kaiser Friedrich betrieb.
Die Gnants kauften stattdessen 1899 in der Äusseren Halleschen Straße 62 in Gohlis (seit 1945 Georg-Schumann-Straße) ein Mietshaus mit sechs Wohnungen und einem Laden. In diesem richteten sie ihr „Café Edelweiß“ mit 60 Plätzen ein. Als Grundbesitzer mit sicherem Einkommen ließ sich Alois Gnant nun in das Königreich Sachsen einbürgern. Aus nicht bekannten Gründen verpachteten 1912 die Gnants ihr Café und zogen sich ins Privatleben zurück.
Im Jahr 1919 eröffnete Alois Gnant mit dem nun 25-jährigen Sohn Adolf in der Leipziger Innenstadt „Conditorei und Café Gnant“ im Haus Goldener HirschErnst Müller: Die Häusernamen von Alt-Leipzig. (Schriften des Vereins für die Geschichte Leipzigs, 15. Band). Leipzig 1931, Reprint Ferdinand Hirt 1990, ISBN 3-7470-0001-0, S. 58 in der Petersstraße 37. 1921 zerstritten sich die beiden, und neue Teilhaber wurden nun Tochter Minna Anna und Sohn Albert. Wegen der günstigen Lage florierte das Geschäft, und die Angestelltenzahl wuchs auf 18. Die bekannte Spezialität und der Schlager des Hauses war die Schlagsahne, welche wohl über die anderen Produkte einkalkuliert offen zum beliebigen Verbrauch auf den Tischen stand.
1929 erweiterte die Familie ihre Aktivitäten. Minna Anna und Sohn Albert kauften für 1,4 Millionen Reichsmark das Bismarckhaus am Markt/Ecke Thomasgasse, das 1894 für den Kürschnermeister Ferdinand Witzleben erbaut worden war, und richteten 1930 im Erd- und ersten Obergeschoss das „Kaffeehaus Gnant“ ein. Dass Kaffee nun Café ersetzte war wohl ein Zugeständnis an die sich ändernde politische Landschaft. Das Geschäft lief so günstig, dass sie innerhalb von 13 Jahren zwei Drittel der Hypotheken tilgen konnten.
Das Geschäft in der Petersstraße 37 übernahm 1929 Adolf Gnant mit seiner Ehefrau Martha. Durch Umzüge innerhalb des Gebäudes konnte die Kapazität auf Platz für 150 Gäste erhöht werden. 1937 endete das Mietverhältnis mit dem Kaufhauskonzern Althoff, dem die Immobilie gehörte. Adolf Gnant kaufte im gleichen Jahr für 360.000 Reichsmark das an der Petersstraße 23/Ecke Preußergäßchen gelegene Haus zur Flora und eröffnete 1938 in Erd- und Obergeschoss sein „Kaffeehaus Gnant“.
Beim Luftangriff vom 4. Dezember 1943 auf Leipzig wurden die beiden Kaffeehäuser der Gnants zerstört und die Familie um ihre Existenzgrundlage gebracht. Nach dem Krieg bemühten sich Anna Minna und Albert Gnant, das elterliche Café Edelweiß in Gohlis wieder zu aktivieren. Sie eröffneten es im August 1945, durften aber zunächst nur Mittagessen anbieten. Nach Alberts Tod im August 1950 führte seine Frau Margot das Geschäft bis zu ihrer Flucht aus der DDR im Dezember 1952. Im Mai 1953 schloss Minna Anna das letzte Gnantsche Café, das die staatliche Handelsorganisation (HO) übernahm.
Literatur Ursula Mroßko, Michael Roth: Ins Gelingen verliebt. Die Kaffeehäuser der Gnants – Leipziger Familienunternehmen per excellence. IN: Leipziger Blätter, Heft 88, 2026, S. 58–61
Weblinks
Einzelnachweise
Gnant Kategorie:Abgegangenes Bauwerk in Leipzig Kategorie:Unternehmensgründung 1893 Kategorie:Aufgelöst 1953 Kategorie:Ehemaliges Unternehmen (Leipzig)