Das Erdbeben und der Megatsunami in der Lituya Bay war ein Ereignis, bei dem ein durch ein Erdbeben mit folgendem subaerischen Erdrutsch verursachter Megatsunami im Fjord Lituya Bay in Alaska am Abend des 9. Juli 1958 entstand. Mit bis zu 150 Metern Wellenhöhe und 524 Metern Auflaufhöhe ist er der größte bekannte Tsunami mindestens des letzten Jahrhunderts.
Etwa 90 Millionen Tonnen oder 30,6 Millionen Kubikmeter Gestein und Eis aus bis zu 914 Metern Höhe stürzten in die Bucht und bildeten eine Welle, die die Landzunge zwischen Bucht und Meer überrollte und fünf Menschen tötete. Spuren, beispielsweise die Linie der ausgerissenen Bäume, sind bis heute sichtbar.
Ablauf Erdbeben Lituya Bay und die angrenzende Fairweather Range liegen an der Queen-Charlotte-Verwerfung, einer Transformstörungszone am Pazifischen Feuerring. Das Epizentrum des Erdbebens lag etwa 21 Kilometer südöstlich der Bucht und lag in 35 km Tiefe. Das Beben erreichte eine Magnitude von 7,8–8,3 MW und wurde noch in Orten wie Seattle oder Whitehorse auf einem Gebiet von 1.000.000 km² wahrgenommen.
Bergsturz und Tsunami Das Erdbeben löste einen Bergsturz am „Gilbert Inlet“ – einem Seitenarm der Bucht – aus, bei dem über 30 Millionen Kubikmeter bzw. 90 Millionen Tonnen Geröll aus bis zu 914 Metern Höhe ins Wasser stürzten.
Die entstehende, zunächst etwa 30 Meter hohe, Welle hatte derart viel Energie, dass sie den Lituya-Gletscher auf einer Länge von 400 Metern abriss und bei Brandung am dem Absturz gegenüberliegenden Ufer noch eine Auflaufhöhe von 524 Metern erreichte und am dortigen Berghang Bäume planierte.
Einer späteren Berechnung nach war der Wellenkamm bei Durchquerung der Bucht kurzzeitig etwa 150 Meter hoch. Die Hauptwelle überrollte die Landzunge an der Mündung zum Pazifik und tötete gemeinsam mit dem Erdbeben fünf Menschen. Drei Todesopfer wurden auf Khantaak Island nahe Yakutat zuletzt gesehen und vermutlich vom sich auftuenden Erdboden verschlungen. Von den sechs Personen, die sich zu der Zeit auf dem See befanden, verschwanden Orville und Mickey Wagner auf der „Sunmore“ und wurden nie gefunden. Die vier anderen Personen auf dem See (Bill und Vivian Swanson sowie Howard Ulrich mit seinem Sohn Sonny) konnten sich mit leichten Verletzungen retten.
Augenzeugen Bill und Vivian Swanson Das Ehepaar Bill und Vivian Swanson war zum Angeln auf dem Boot „Badger“ unterwegs. Bill Swanson beschrieb, dass sie mit ihrem Bug vor dem Wellenkamm feststeckten und „rückwärts [durch die Bucht] surften“. Sie konnten sich aus dem Wrack mithilfe eines zum Paddel umfunktionierten Campingstuhls ans Ufer retten.
Howard Ulrich Howard G. Ulrich (12. Mai 1926 bis 29. Januar 2014) befand sich zur Zeit des Ereignisses mit seinem sieben, acht oder neun Jahre alten Sohn Sonny auf seinem Boot, der „Edrie“, in der Bucht, etwa fünf Meilen vom Gilbert Inlet entfernt. Ulrich wurde vom Erdbeben aufgeweckt, warf seinem Sohn eine Rettungsweste zu, sagte ihm, er solle beten und ließ die restliche Ankerkette aus. Er beschreibt, dass der Tsunami wie eine Atomexplosion aus dem Gilbert Inlet geschossen kam, wie eine Wand aus Wasser die Bäume am Ufer abriss und schwarz von Erde und Bäumen war. Er stellte seinen Bug in Richtung Welle, wurde von dieser erfasst und auf schätzungsweise 100 Fuß (etwa 30 Meter) Höhe über einige Bäume hinweg mitgerissen. Ulrich konnte die Edrie nach mehreren kleineren Wellen (um die 20 Fuß / 6 Meter) gegen 23 Uhr AKDT durch die Mündung der Bucht retten.
Einordnung mini|Vergleich des Tsunamis mit dem Burj Khalifa, dem Empire State Building und dem Eiffelturm Es hatte bereits in den Jahrzehnten zuvor Erdrutsche gegeben, die über 30 Meter hohe Wellen verursachten. 1786 beschrieb der französische Entdecker Jean-François de La Pérouse als erster Europäer, dass entlang des Ufers keine Bäume und Vegetation mehr standen und die Baumlinie „wie durch ein Rasiermesser abgeschnitten“ erschien. Ureinwohner berichteten, dass sich entweder 1853 oder 1854 ein weiterer Tsunami in der Bucht ereignete. Zwischen 1854 und 1916 ereignete sich mindestens ein Erdrutsch (eher zwei) mit nachfolgendem Tsunami, wie aus Fotos ersichtlich wird. Am 27. Oktober 1936 bildete sich ein bis zu 150 Meter hoher Tsunami, dessen Ursache bis heute ungeklärt ist, aber nicht auf ein Erdbeben zurückgeführt wird.
Der Megatsunami von 1958 bleibt bis heute einer der stärksten jemals beobachteten Tsunamis und der höchste bekannte seit mindestens 100 Jahren. Beim Bergrutsch in der Icy Bay 2015 wurde zwar mehr Geröll freigesetzt, das jedoch aus einer geringeren Höhe stürzte und dadurch weniger Zerstörungskraft entwickelte.
Weblinks
Interview mit Howard und Sonny Ulrich
Einzelnachweise
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