Aylar Haghi (; aserbaidschanisch Aylar Həqqi; * 1999 in der Stadt Malekan, Verwaltungsbezirk Malekan, Provinz Ost-Aserbaidschan, Iran; † 16. November 2022 in Täbris, Iran) war eine iranische Studentin aserbaidschanischer Abstammung. Sie wurde von den iranischen Sicherheitskräften während der Mahsa‑Amini‑Proteste in Täbris ermordet.

Leben Haghi befand sich zum Zeitpunkt ihrer Ermordung im vierten Studienjahr des Medizinstudiums an der Universität Täbris. Sie schloss sich den Antiregierungsprotesten am 16. November 2022 in Täbris im Rahmen der landesweiten Protestbewegung im Iran an. Die Sicherheitsbehörden des iranischen Mullah-Regimes begannen, die Versammlung mit Gewalt aufzulösen. Um der Verfolgung zu entgehen, suchte Haghi Zuflucht in einem der Gebäude. Mehrere ihr folgende Beamte drangen in das Gebäude ein und erschossen sie gezielt am Kopf, wodurch sie getötet wurde. Um die Spuren der Tat zu verwischen, wurde ihr Körper aus einem mehrstöckigen Gebäude geworfen. Anschließend übten Sicherheitskräfte Druck auf die Familie von Haghi aus und behaupteten, sie sei aus großer Höhe gestürzt und habe damit Suizid begangen. Als die Familie diese Darstellung ablehnte, wurde ihr Vater, Radschab Haghi, von den Sicherheitskräften festgenommen. Die Behörden verweigerten der Familie zwei Tage lang die Herausgabe des Leichnams, um zusätzlichen Druck auszuüben.

Während der Proteste im Iran im Jahr 2022 führte die iranische Regierung die Todesursachen von Protestteilnehmern häufig auf verschiedene „Zufälle“ zurück. Sehr oft wurde behauptet, die Verstorbenen seien an „Stürzen aus großer Höhe“, „Suizid“, „Herzproblemen“ oder „Angriffen während der Unruhen“ gestorben. Es wurde etwa angegeben, dass Mahsa Amini, deren Tod die landesweiten Proteste entfachte, an einer Krankheit gestorben sei.

Beerdigung und Proteste Nachdem die Familie von Haghi ihr Leichnam zurückbekommen hatte, wurde ihnen zunächst verweigert, die Beerdigung in der Geburtsstadt Malekan abzuhalten. Ihr Vater wurde dazu aufgefordert, die Trauerfeier still und ohne öffentliche Aufmerksamkeit zu organisieren. Trotz dieser Einschüchterungsversuche verbreitete sich die Nachricht rasch, und zahlreiche Bürger nahmen an der Zeremonie teil. Die Beerdigung fand zwei Tage nach Haghis Ermordung in Täbris statt. Die Trauergäste nutzten die Gelegenheit, um ihren Protest gegen das Mullah-Regime zum Ausdruck zu bringen. Daraufhin griffen die Sicherheitskräfte die auf dem Friedhof versammelten Bürger an, vertrieben sie vom Gelände und nahmen mehrere Personen fest. Auch am Tag der Gedenkzeremonie anlässlich des 40. Todestages von Haghi am 27. Dezember kam es zu Zusammenstößen zwischen den Versammelten und den Sicherheitskräften. Infolgedessen wurden die Eltern von Haghi sowie mehrere weitere Personen festgenommen.

Nach Haghis Ermordung nahmen die Proteste in der Provinz Ost-Aserbaidschan deutlich an Intensität zu. In Täbris, Binab, Malekan etc. fanden zahlreiche Protestaktionen und Gedenkveranstaltungen statt. Im Laufe dieser Aktionen wurden viele aserbaidschanische Aktivisten festgenommen. Auch die Studierenden der medizinischen Fakultät der Freien Universität Täbris führten an der Universität eine Protestaktion durch.

Am 28. November 2022 veranstalteten junge Frauen aus der Republik Aserbaidschan einen Flashmob, um sowohl den Einsatz für Frauenrechte im Iran zu würdigen als auch an die getöteten aserbaidschanischen Frauen Hadise Nadschafi, Esra Panahi und Aylar Haghi zu erinnern.

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