Arthur Wolfgang Cohn (* 7. Januar 1894 in Breslau; † 1920 bei einem Unfall in den Scheegruben im Riesengebirge) war ein deutscher Musik- und Wirtschaftswissenschaftler.
Leben und Wirken Cohn war als Sohn des Altphilologen Leopold Cohn ein in Judentum und Deutschtum erzogener Wissenschaftler, der in Breslau und München in Jura, Nationalökonomie und Musiktheorie ausgebildet sein Studium mit einer juristischen Dissertation abschloss. Er versuchte Elemente der philosophischen Phänomenologie in die Musikästhetik zu übertragen und promovierte ein zweites Mal bei Adolf Weber in Frankfurt/Main über die Frage, ob eine Abschaffung des Geldes möglich sei. Bereits im 1. Jahrgang der von Alfred Einstein redigierten Zeitschrift für Musikwissenschaft veröffentlichte er einen Grundsatzartikel über „die Erkenntnis der Tonkunst. Gedanken über Begründung und Aufbau der Musikwissenschaft“, dessen Absicht und Bedeutung mit ähnlichen Versuchen aus jener Zeit (spätes 19./frühes 20. Jahrhundert) von Friedrich ChrysanderSiehe Vorwort und Einleitung zum 1. Band von Chrysanders Jahrbücher für musikalische Wissenschaft 1863, S. 9–16, wieder abgedruckt in: Melanie Wald-Fuhrmann/Annette van Dyck-Hemming (Hgg.), "Grundlagentexte der Musikwissenschaft", Edition und Kommentar, Kassel 2026, S. 73–83, eingeführt und kommentiert von Alexander Wilfing., Philipp SpittaSiehe Spittas Rede in der Berliner Akademie der Künste, März 1883 über Kunstwissenschsft und Kunst, wieder abgedruckt in:Melanie Wald-Fuhrmann/Annette van Dyck-Hemming (Hgg.), "Grundlagentexte der Musikwissenschaft", Edition und Kommentar, Kassel 2026, S. 97–107, eingeführt und kommentiert von Alexander Wilfing., Gustav JacobsthalSiehe Jacobsthals "Vorläufige Gedanken zur Verbesserung der musikalischen Zustände an den preußischen Universitäten. Memorandum an das preußische Kultusministerium" 1883, sowie die Gutachten von Heinrich Bellermann und Philipp Spitta, mit einer Vorbemerkung herausgegeben von Peter Sühring. In: Jahrbuch des Staatlichen Instituts für Musikforschung, Stuttgart 2002, S. 295–322. Zusammen mit einem ideengeschichtlich-musikpädagogischen Kommentar; urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2–390281, Guido AdlerSiehe Adlers "Umfang, Methode und Ziel der Musikwissenschaft", in: Vierteljahrsschrift für Musikwissenschaft I (1885), Heft 1, S. 5–20, wieder abgedruckt in: Melanie Wald-Fuhrmann/Annette van Dyck-Hemming (Hgg.), "Grundlagentexte der Musikwissenschaft", Edition und Kommentar, Kassel 2026, S. 84–96, eingeführt und kommentiert von Barbara Boisits., Hermann AbertSiehe Aberts Denkschrift über die musikalischen Verhältnisse an der Universität Halle-Wittenberg, abgedruckt in: Werner Rackwitz (Hg.) Dokumente zu den Anfängen des Instituts für Musikwissenschaft der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, S. 29–31; vorgestellt und kommentiert von Kathrin Eberl-Ruf, Die Etablierung der Musikwissenschaft als akademische Disziplin an preußischen Universitäten. Zum Lehrkonzept Hermann Aberts, in: Musikwissenschaft 1900–1930. Zur Institutionalisierung und Legitimierung einer jungen akademischen Disziplin, Hildesheim 2017, S. 25–44. oder Hugo RiemannSiehe Riemanns "Grundriß der Musikwissenschaft", Leipzig 1908, wieder abgedruckt in: Melanie Wald-Fuhrmann/Annette van Dyck-Hemming (Hgg.), "Grundlagentexte der Musikwissenschaft", Edition und Kommentar, Kassel 2026, S. 140-51, eingeführt und kommentiert von M. Wald-Fuhrmann. verglichen werden kann. Die dort niedergelegten Gedanken über das wissenschaftliche Verstehen von Musik vertiefte er in zwei posthum veröffentlichten Artikeln: einer Kritik an Riemanns System der Musikwissenschaft und mit der phänomenologisch inspirierten Darstellung „Das musikalische Verständnis. Neue Ziele“. Weitere Artikel in der Zeitschrift für Musikwissenschaft waren Rezensionen, darunter eine Sammelbesprechung zeitgenössischer ästhetischer Theorien sowie von einzelnen Buchpublikationen von Paul Bekker, Arnold Schering, Hans-Joachim Moser und Edgar Istel.
Schriften Das Tonwerk im Rechtssinne, (1. Dissertation) Berlin 1917. Die Erkenntnis der Tonkunst. Gedanken über Begründung und Aufbau der Musikwissenschaft, in: Zeitschrift für Musikwissenschaft I (1918/19), Heft 6, S. 351–60, wieder abgedruckt in: Melanie Wald-Fuhrmann/Annette van Dyck-Hemming (Hgg.) Grundlagentexte der Musikwissenschaft. Edition und Kommentar, Kassel 2026, S. 153–57. Das Erwachen der Ästhetik. Neue Bücher und Schriften, in: Zeitschrift für Musikwissenschaft, I (1918/19), Heft 11, S. 669–79. Kann das Geld abgeschafft werden? (2. Dissertation), Jena 1920. Hugo Riemann als Systematiker der Musikwissenschaft, in: Zeitschrift für Musikwissenschaft III (1920/21), Heft 1, S. 46–50. Das musikalische Verständnis. Neue Ziele, in: Zeitschrift für Musikwissenschaft IV (1921/22), Heft 3, S. 129–35.
Literatur Felix Wörner, Form als Wesen des musikalischen Kunstwerks. Zur phänomenologischen Musikbetrachtung von Arthur Wolfgang Cohn und Hans Mersmann, in: Musiktheorie 21 (2007), S. 261–74. Andrew Wilson, Improvisation und das musikalische Kunstwerk in Arthur Wolfgang Cohns "Das Tonwerk im Rechssinne", in Musiktheorie 36 (2021), S. 196–213. Melanie Wald-Fuhrmann, Einführung und Kommentar zum Wiederabdruck von Cohns Die Erkenntnis der Tonkunst, in: Melanie Wald-Fuhrmann/Annette van Dyck-Hemming (Hgg.), Grundlagentexte der Musikwissenschaft. Edition und Kommentar, Kassel 2026, S. 152 und 158–62.
Weblinks
Cohn, Arthur Wolfgang in Deutsche Biographie abgerufen am 29. März 2026
Einzelnachweise
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