Pierre Bousquet (* 2. November 1919 in Tours, Frankreich; † 29. August 1991 in Paris) war ein französischer Kollaborateur und Politiker.
Als Soldat der Waffen-SS, der in der Waffen-Grenadier-Division „Charlemagne“ diente, wurde er zu einer prominenten Figur der französischen extremen Rechten. Er war der erste Schatzmeister des Front National, dessen Statuten er und Jean-Marie Le Pen 1972 einreichten, bevor er die Partei Ende 1980 verließ.
Anschließend war er 1983 an der Gründung der Französischen Nationalistischen Partei (: Parti nationaliste français – PNF) beteiligt.
Biografie Persönlicher Hintergrund Pierre Émile Bousquet war der Sohn von Émile Georges Bousquet, einem Hauptmann der Pioniertruppe, und Simone Olga Dufresne. Er wuchs im Elsass auf, wo er bis zu seinem fünften Lebensjahr von seiner Großmutter auf Elsässerdeutsch unterrichtet wurde. Anschließend hatte er Schwierigkeiten, sich wieder an die französische Sprache anzupassen.B. T.: Jean-Marie Le Pen est un réformiste qui se trompe car la démocratie n'est pas amendable... Le Monde. 24. Juni 1986. Link. Abgerufen am 28. März 2026.Nicolas Lebourg: 50 ans du FN-RN : l’histoire secrète du Waffen-SS qui déposa les premiers statuts du parti. mediapart.fr vom 5. Oktober 2022. Link. Abgerufen am 28. März 2026.
Er arbeitete zunächst als Kassierer und nach dem Krieg als Verkaufsleiter auf dem Großmarkt Rungis.
Vor dem Zweiten Weltkrieg Als Mitglied der faschistischen Kleinpartei Parti Franciste seit 1935 wurde er 1941 Generaldelegierter des Kommandobüros der Franziskischen Jugend.
1939 nahm er an den letzten Aktionen des Spanischen Bürgerkriegs teil. Im selben Jahr wurde er inhaftiert, weil er in Orléans Flugblätter gegen den Krieg gegen Deutschland verteilt hatte. Um der Haft zu entgehen, trat er den französischen Streitkräften bei.
SS-Mitgliedschaft und Haft Am 31. August 1943 trat er der Waffen-SS bei.
Als Gefreiter (Rottenführer) der 33. SS-Grenadier-Division „Charlemagne“ Le Point. 3. Jahrgang und Absolvent der Kampfschule Wilhelm Webers gehörte er zu den 300 Franzosen, die im April 1945 in der deutschen Hauptstadt gegen die Sowjets kämpften. Bousquet wird in Jean Mabires Buch „La Brigade Frankreich“ unter dem Pseudonym Pierre Mousquet erwähnt.
Nach dem Fall Nazi-Deutschlands gab er sich als Zwangsarbeiter aus und arbeitete mit amerikanischen Truppen zusammen. Daraufhin wurde er als Kollaborateur verhaftet.Les anciens SS ont reconstruit l'extrême droite française après 1945. auf: Slate.fr 8. Mai 2014.
Bei der Befreiung wurde er zum Tode verurteilt. Ein befreundeter Richter wandelte das Urteil jedoch in eine dreijährige Haftstrafe um, von der er nur zweieinhalb Jahre absaß.
Nachkriegsaktivismus in der extremen Rechten 1946 versuchte er gemeinsam mit anderen ehemaligen französischen Waffen-SS-Mitgliedern, sich antikommunistischen Organisationen anzuschließen. Er schloss sich der Freddy-GruppeVingt prévenus sont poursuivis pour reconstitution de groupements dissous Le Monde. 24. Januar 1950. Link. Abgerufen am 28. März 2026. unter der Führung von Alfred DourouxPhilippe Douroux: Un père ordinaire Sur les traces d'Alfred Douroux, de la LVF et de la Waffen-SS. Flammarion. 2025. ISBN 978-2-08-045925-1. an, einer Gruppe ehemaliger Nazis, die ihre Aktivitäten fortsetzen wollten. Als ihr Waffenlager entdeckt wurde, stellte sich Bousquet der Polizei und erhielt eine hohe Geldstrafe wegen der Wiedergründung einer aufgelösten Organisation. Daraufhin zog er sich vorübergehend aus dem Aktivismus zurück und wurde lediglich Mitglied der Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit der ehemaligen Angehörigen der Waffen-SS (HIAG).
Von 1956 bis 1958 war er Mitglied der Jeune Nation der Fédération des étudiants nationalistes (FEN) und wurde 1960 wegen „Gefährdung der inneren Sicherheit des Staates“ und „Wiedergründung einer aufgelösten Organisation“ – unter anderem zusammen mit François DupratSix Memres de "Jeune Nation" parmi lesquels les incendiaires de le rue Racine sont écroués a la santé. Le Monde. 19. März 1960. Link. Abgerufen am 28. März 2026. – erneut inhaftiert.
Während der Präsidentschaftswahlen 1965 war er an der Leitung des Wahlkampfs von Jean-Louis Tixier-Vignancour beteiligt.
Er schloss sich 1963 dem Team von Europe-Action an und wurde in dieser Funktion zu einer der führenden Figuren der Nationalistischen Bewegung für Fortschritt (: Mouvement nationaliste du progrès – MRP), die 1966 aufgrund von Meinungsverschiedenheiten mit Jean-Louis Tixier-Vignancour gegründet wurde,Nouvelle scission au sein du mouvement animé par M. Tixier-Vignancour. Le Monde. 31. Januar 1966. Link. Abgerufen am 28. März 2026. und später deren Ablegers, der Europäische Vereinigung für die Freiheit (: Rassemblement européen de la liberté – REL), aus der er im März 1968 ausgeschlossen wurde.Rassemblement Européen de la Liberté (REL). Auf: www.france-politique.fr - Link. Abgerufen am 28. März 2026.
Nach der Auflösung der REL beteiligte er sich im folgenden Jahr an der Gründung der rechtsextremen Zeitung Militant und 1970 an der Gründung der kurzlebigen Nationalen Volkspartei (: Parti politique français – PNP), deren Generalsekretär er unter dem Präsidenten Roger Holeindre war.Laurent de Boissieu: Parti national populaire (PNP) 1970. Auf: www.france-politique.fr - Link. Abgerufen am 28. März 2026. Die PNP fusionierte im folgenden Jahr mit der Partei der Französischen Einheit (: Parti de l'unité française – PUF),Laurent de Boissieu: Parti de l'Unité Française (PUF). Auf: www.france-politique.fr - Link. Abgerufen am 28. März 2026. aus der wiederum 1972 die Front National hervorging.
Zur Gründung der Partei 1972 reichte Bousquet, als Mitglied der ersten Stunde und engem Vertrauten von Georges BidaultJoseph Beauregard & Nicolas Lebourg: Les numéros deux du FN (4/4): Louis Aliot, le mariniste. Le Monde. Ausgabe: 31. Juli 2011. , gemeinsam mit dessen erstem Präsidenten Jean-Marie Le Pen, die Statuten ein. Er war Mitglied des ersten politischen Büros der Partei und acht Jahre lang deren erster Schatzmeister. Innerhalb des Front National unterstützte er allerdings nicht Jean-Marie Le Pen, sondern wiederum François Duprat.
Er kandidierte bei den Parlamentswahlen 1978 im 9. Wahlkreis von Paris.Mme Scrivener ne se présentera pas. Le Monde. 13. Januar 1978. Link. Abgerufen am 28. März 2026.
1980 verließ er den Front National, da er der Ansicht war, Israel würde Le Pen seit Duprats Ermordung unter seiner Kontrolle haben.
Jean-Marie Le Pen erklärte 1984 über ihn:
Nach seinem Austritt aus dem Front National war Bousquet 1983 einer der Gründer der Französischen Nationalistischen Partei (PNF).
1986 erklärte er, er betrachte seine SS-Vergangenheit nicht als „Jugendsünde“, präzisierte jedoch: „Auch wenn ich zugebe – und ich betone: zugebe –, dass es Gaskammern und Folter gab, verurteile ich sie.“ Er bekräftigte, er werde sich weiterhin „für ein weißes Europa, von Brest bis Wladiwostok“ einsetzen.
Serge Ayoub stand ihm ab 1987 nahe.Frédéric Haziza: Vol au-dessus d'un nid de fachos: Dieudonné, Soral, Ayoub et les autres. Fayard. Paris. 2013. ISBN 978-2-213-68105-4.
Er starb am 29. August 1991. Roland Gaucher und Roger Holeindre waren bei seiner Beerdigung anwesend.
Literatur Isabelle Ziegler & Roland Lewin (Hrsg.): Pierre Bousquet et le Parti nationaliste français: du francisme à nos jours, mémoire et histoire d'un apparatchik fasciste français. Mémoire pour le diplôme de l'Institut d'études politiques de Grenoble. Institut d'études politiques de Grenoble. Grenoble. 1991.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Person im Spanischen Bürgerkrieg Kategorie:Person (französische Kollaboration) Kategorie:Angehöriger der Waffen-SS Kategorie:FN-Mitglied (Frankreich) Kategorie:Person des Rechtsextremismus Kategorie:Verurteilte Person Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1919 Kategorie:Gestorben 1991 Kategorie:Mann Kategorie:Person des französischen Faschismus