Gunter Holzmann (* 1912 in Breslau; † 6. Januar 2001 in Santa Cruz, Bolivien) war ein deutsch-bolivianischer Unternehmer und politischer Aktivist.

Leben und Tätigkeit

Holzmann wuchs in einem preußisch-jüdischen Elternhaus in Breslau auf. Nach dem Abitur begann er das Studium der Medizin in seiner Heimatstadt. Daneben engagierte er sich in linken Selbstschutzverbänden. Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten wurde Holzmann während einer Polizeirazzia anlässlich einer verbotenen Zusammenkunft von Funktionären einer linken Jugendorganisation kurzzeitig in Haft genommen.

1935 musste Holzmann sein Medizinstudium aufgrund der Begrenzung der Zahl der an deutschen Hochschulen zugelassenen jüdischen Studenten gemäß dem „Gesetz gegen die Überfüllung deutscher Schulen und Hochschulen“ aufgeben. Er zog daraufhin nach Großbritannien, wo er sein Studium in Cambridge weiterführte. 1936 brach er das Studium dort aber ab und siedelte nach Südamerika über, wo er eine sicherere Existenz als im unruhigen Europa aufzubauen plante. Im August 1936 fuhr er mit dem Dampfer Lautaro in Liverpool ab. In Südamerika schlug Holzmann sich während der 1930er- und 1940er-Jahre erst in Peru, dann in Bolivien, in verschiedenen Berufen durch, so als Ingenieur in einem großen Bergwerk, als Archäologe und als selbständiger Goldgräber.

Nachdem er nach dem Zweiten Weltkrieg kurzzeitig nach Europa zurückgekehrt war, ließ Holzmann sich endgültig in Santa Cruz de la Sierra in Bolivien nieder, wo er es als Holzhändler zu Wohlstand brachte. Daneben entwickelte er aus dem Gift von Ameisen ein Mittel gegen Gelenkrheumatismus, organisierte die Müllabfuhr und das kulturelle Leben seiner Heimatstadt. Als ewiger politischer Linker engagierte Holzmann sich bis zu seinem Tod für Umweltschutz und Menschenrechte.

Mitte der 1990er-Jahre spendete Holzmann der Zeitung Le Monde diplomatique eine Summe von einer Million Dollar, um ihr ein von fremden Kapitel unabhängiges Arbeiten zu ermöglichen. Dank der Spende konnte die Zeitung sich in der Rechtsform einer Tochtergesellschaft ("Association Gunter Holzmann") innerhalb der Monde AG konstituieren und als solche zu einem der drei Aktionäre des Unternehmens werden.

Ende der 1990er-Jahre veröffentlichte er seine Autobiografie, die 2001 auch in deutscher Sprache erschien. Der Historiker Eric Hobsbawm nannte diese „beispiellos-beispielhaft“.

Die taz würdigte Holzmann in ihrem Nachruf als eine „außergewöhnliche Persönlichkeit, die einige der besten Traditionen der europäischen Linken verkörpert“ habe und einen „Abenteurer mit Grundsätzen, mit nie versiegender Neugier und offenen Augen für die Nöte und Hoffnungen der Menschen“.

Ehe und Familie Holzmann hatte aus seiner Ehe mit einer Bolivianerin drei Kindern: Teresa, Anaï und Claudio.

Schriften "Wie ich den Aufstieg der Nazis erlebte", in: Le Monde diplomatique vom 12. Mai 1995. Und es beginnt eine neuer Tag. Autobiografie, Zürich 2001.

Literatur „Ein Abenteurer mit Grundsätzen. Gunter Holzmann war Goldgräber, Holzhändler und Kämpfer für eine lebenswerte Welt“, in: taz vom 5. Februar 2002. „Gunter Holzmann – ein Nachruf“, in: Le Monde diplomatique vom 16. Februar 2001.

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