mini|Gisèle Guillemot (um 1945/46) Gisèle Guillemot (* 24. Februar 1922 in Mondeville; † 1. Februar 2013 in Paris) war eine französische Schriftstellerin und Widerstandskämpferin im Zweiten Weltkrieg.

Werdegang Guillemot war die Tochter einer Französin aus einer wohlhabenden Gemüsebauernfamilie und eines Italieners. Ihre Mutter heiratete später ein zweites Mal; Guillemots Stiefvater war Buchhalter in einer metallverarbeitenden Fabrik in Caen, sodass sie in einer Arbeitersiedlung aufwuchs und das soziale Elend aus erster Hand miterlebte. Mit 14 Jahren begann sie, sich in der Arbeiterjugend zu engagieren und wurde Teil der linken Bewegung „Front populaire“. Hier unterstütze Guillemot mit Hilfsaktionen unter anderem die Republikaner im Spanischen Bürgerkrieg gegen die Putschisten von Francisco Franco.

Nach der Besetzung Frankreichs durch das Deutsche Reich 1940 schloss sich die Gruppe um Guillemot der Résistance an. Später trat die Gruppe der Front national bei. Als Teil der französischen Partisanen führte Guillemot kleinere Aktionen und Sabotageakte durch und verteilte Flugblätter gegen die deutsche Besatzung. Zudem wurde die Zeitung „Le Calvados libre“ herausgegeben. Ab 1941 steigerte sich das Ausmaß der verübten Widerstandsaktionen bis hin zu Attentaten, Zugentgleisungen und Brandstiftungen in Materiallagern. Persönlich stieg Guillemot zur leitenden Funktionärin der kommunistischen Jugendgruppen auf und übernahm unter dem Decknamen Annik Kuriertätigkeiten von Botschaften sowie Sabotagewerkzeug und Dynamit.

Bei einer Sabotageaktion am 1. März 1943 wurde eines der Mitglieder ihrer Gruppe verhaftet und der Gestapo übergeben. In der Folge wurde die gesamte Gruppe kompromittiert und am 9. April 1943 auch Guillemot verhaftet. Nach zeitweiliger Inhaftierung in Caen und im Gefängnis Fresnes wurde sie am 13. Juli 1943 in Paris gefoltert und sodann von einem Sondergericht zum Tode verurteilt. Die Männer der Gruppierung wurden am Mont Valérien erschossen; die Strafen von Guillemot und ihrer Genossin Edmone Robert wurden in Deportation umgewandelt und die beiden Frauen nach „Nacht und Nebel“-Klassifikation sodann nach Deutschland deportiert. Hier wurde Guillemot zunächst in Lübeck, später in Cottbus inhaftiert. Hier hatte sie zunächst Zwangsarbeit in deutschen Rüstungsbetrieben und in der Landwirtschaft zu leisten, bevor sie im Herbst 1944 in das KZ Ravensbrück verlegt wurde. Im März 1945 kam sie in das KZ Mauthausen, wo sie am 20. April 1945 befreit wurde.

Nach Kriegsende engagierte sich Guillemot in der Fédération nationale des déportés et internés résistants et patriotes. Sie heiratete einen ehemaligen Buchenwald-Häftling. Mit ihrem Mann zog sie nach Nizza und bekam zwei Kinder. Seit den 1970er-Jahren verfasste sie zahlreiche Artikel und veröffentlichte mehrere Bücher, die insbesondere auf Aufzeichnungen basierten, die sie in den Lagern in einem kleinen Notizbuch angefertigt und versteckt hatte, auch um der ab 1980 zunehmenden Holocaustleugnung entgegenzuwirken und die Erinnerung an die Verbrechen der Nationalsozialisten wachzuhalten. Ihr Debütmonographie Une fin d'année à Dantzig erschien 1996. Es folgten Entre parenthèses de Colombelles (Calvados) à Mauthausen (Autriche), 1943–1945, Des mots contre l'oubli : résistance et déportation, le Struthof, Elles... revenir und Résistante : mémoires d'une femme de la Résistance à la déportation. 2002 erhielt sie für ihr Werk über das KZ Mauthausen den Prix François Millepierres der Académie française.Gisèle GUILLEMOT, abgerufen am 26. März 2026 (französisch). Im selben Jar wurde sie Ehrenbürgerin der Stadt Colombelles.

Guillemot ist seit 1989 Kommandeurin der Ehrenlegion und erhielt später auch die Médaille de la Résistance.

Publikationen (Auswahl) Une fin d'année à Dantzig, Paris, FNDIRP, 1996 (französisch). Entre parenthèses de Colombelles (Calvados) à Mauthausen (Autriche), 1943–1945, Paris, l'Harmattan 2001 (französisch). Des mots contre l'oubli : résistance et déportation, le Struthof, Cabourg, Éd. Cahiers du temps 2004 (französisch). Elles... revenir, Paris, Éd. Tirésias 2006 (französisch). Résistante : mémoires d'une femme de la Résistance à la déportation, Neuilly-sur-Seine, Michel Lafon 2009 (französisch).

Weblinks Gisèle Guillemot bei memoresist.org Gisèle Guillemot beim Menschenrechtszentrum Cottbus Gisèle Guillemot bei widerstandsmomente.at

Einzelnachweise

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