Ernst Ludwig Ostermann von Roth (* 12. April 1908 in Georgenborn; † 1979) war ein deutscher Diplomat. Er war Botschafter in Kolumbien.

Werdegang Ostermann von Roth trat 1923 dem rechtskonservativ und monarchistisch ausgerichteten Großdeutschen Jugendbund bei. 1926 legte er in München das Abitur ab. Anschließend studierte er von 1926 bis 1930 Rechtswissenschaft, Volkswirtschaftslehre und Politikwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München. 1930 promovierte er zum Doktor der Rechte und legte das erste juristische Staatsexamen ab. Anschließend absolvierte er das Rechtsreferendariat. 1933 trat er der SS bei (SS-Nummer 156.496).Ernst Ostermann von Roth in: Norbert Podewin (Hrsg.): Braunbuch: Kriegs- und Naziverbrecher in der Bundesrepublik und in Berlin (West). Berlin 1968, ISBN 3-360-01033-7.

1934 trat Ostermann von Roth in den Auswärtigen Dienst ein. Er war zunächst in der Zentrale des Auswärtigen Amts in Berlin, an der Botschaft in Prag, an der Botschaft in Budapest und an der Botschaft in Bukarest eingesetzt. Zum 1. März 1937 trat er in die NSDAP ein (Mitgliedsnummer 3.810.743).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/31370602 Von 1937 bis 1941 war er an der Botschaft in Washington tätig. Von 1942 bis 1943 war erneut an der Botschaft in Bukarest tätig; von 1943 bis 1944 war er Verbindungsoffizier des Auswärtigen Amts bei der 2. Panzerarmee.Johannes Hürter: Nachrichten aus dem „Zweiten Krimkrieg“ (1941/42). In: Wolfgang Elz, Sönke Neitzel (Hrsg.): Internationale Beziehungen im 19. und 20. Jahrhundert. Festschrift für Winfried Baumgart zum 65. Geburtstag. Schöningh, Paderborn u. a. 2003, ISBN 3-506-70140-1, S. 368. Hier abrufbar. Schließlich war er von 1944 bis Kriegsende 1945 an der Botschaft in Lissabon tätig. Während des Zweiten Weltkriegs durchlief er zudem verschiedene Ränge als SS-Reserveoffizier. Zuletzt war er SS-Obersturmführer.Ernst Ostermann von Roth in: Markus Moors: Die SS und die Wewelsburg – Heinrich Himmlers ideales Machtmodell. In: Markus Moors; Moritz Pfeiffer: Heinrich Himmlers Taschenkalender 1940: kommentierte Edition. Schriftenreihe des Kreismuseums Wewelsburg (Nr. 9), Paderborn u. a. 2013, Personenregister.

Nach Kriegsende kehrte Ostermann von Roth von Portugal nach Deutschland zurück und durchlief die Entnazifizierung durch ein Spruchkammerverfahren. Ostermann von Roth schönte seine Angaben: So gestand er zwar, 1933 in die SS eingetreten zu sein, gab aber lediglich die Mitgliedschaft in der Reiter-SS an. Seinen Parteibeitritt in die NSDAP 1937 und seine Ernennung zum SS-Obersturmführer erwähnte er nicht. Seine SS-Mitgliedschaft sei nur ehrenhalber und er sei ein Nazi-Gegner gewesen. Eine Untersuchung über die deutschen Diplomaten urteilte, es spräche „nichts in Ostermanns Lebenslauf für eine demokratische Gesinnung“.Eckart Conze; Norbert Frei; Peter Hayes; Moshe Zimmermann: Das Amt und die Vergangenheit - deutsche Diplomaten im Dritten Reich und in der Bundesrepublik, München 2010, ISBN 978-3-89667-430-2, S. 348.

Anschließend war er bis 1948 Mitglied des britischen Zonenbeirats in Hamburg. Von 1948 bis 1949 war er Regierungsrat und später Oberregierungsrat in der britischen Besatzungszone und Berater des Hamburger Bürgermeisters Max Brauer (SPD). 1950 wurde Ostermann der Verbindungsstelle zur Alliierten Hohen Kommission in Bonn zugeteilt. Später trat Ostermann von Roth wieder in den Auswärtigen Dienst ein. Er war Leiter des Referats „Zentrale Austauschstelle Bonn“ im Auswärtigen Amt und persönlicher Referent von Staatssekretär Walter Hallstein.Johannes Hürter: Nachrichten aus dem „Zweiten Krimkrieg“ (1941/42). In: Wolfgang Elz, Sönke Neitzel (Hrsg.): Internationale Beziehungen im 19. und 20. Jahrhundert. Festschrift für Winfried Baumgart zum 65. Geburtstag. Schöningh, Paderborn u. a. 2003, ISBN 3-506-70140-1, S. 369. Hier abrufbar. Von 1965 bis 1970 war er Botschafter in Kolumbien und Leiter der Botschaft in Bogotá.Christian Cwik: The Survival of Nazi Diplomatic Structures in Post-World War II Latin America, In: Linda Erker und Raanan Rein (Hrsg.): Nazis and Nazi Sympathizers in Latin America after 1945 (S. 61–87), Leiden 2024, ISBN 978-90-04-69929-8

1969 wurde Ostermann von Roth das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen.

Weblinks Bericht des Hohen Kommissars der Vereinigten Staaten in Deutschland an das Außenministerium der Vereinigten Staaten über Ernst Ostermann von Roth (PDF)

Einzelnachweise

Kategorie:Deutscher Botschafter in Kolumbien Kategorie:Person der deutschen Außenpolitik 1933–1945 Kategorie:Jurist im auswärtigen Dienst Kategorie:Jurist (Nationalsozialismus) Kategorie:Mitglied des Zonenbeirates Kategorie:SS-Mitglied Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse Kategorie:Adliger Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1908 Kategorie:Gestorben 1979 Kategorie:Mann