Die Liebigstraße in Leipzig ist eine Innerortsstraße im Ortsteil Zentrum-Südost im Stadtbezirk Mitte. Sie ist benannt nach dem Chemiker und Schöpfer der Agrikulturchemie Justus von Liebig (1803–1873) und bildet den Campus des Universitätsklinikums Leipzig. Sie ist die zentrale Straße im sogenannten Medizinisch-Naturwissenschaftlichen Viertel.
Verlauf Die Liebigstraße beginnt an der Nürnberger Straße und führt nach Osten. Nach 235 Metern mündet die Talstraße von Norden, nach 380 Metern die Stephanstraße. Nach 450 Metern folgt ein leichter Schwenk von 7 Grad nach Süden, und nach 790 Metern wird die Johannisallee gekreuzt. Nun verläuft die Liebigstraße entlang der Mauer des ehemaligen Neuen Johannisfriedhofs (seit 1983 Friedenspark) bis zu dessen Eingang, wo vom Ostplatz kommend die Straße Vor dem Hospitaltore mündet. Von hier führt sie als Fußweg bis zur Karl-Sigismund-Straße.
Bis nach dem Zweiten Weltkrieg führte die Liebigstraße über die Nürnberger Straße hinweg bis zur Windmühlenstraße, weshalb in der heutigen Straße die niedrigen Hausnummern fehlen.
Vom öffentlichen Personennahverkehr aus ist die Liebigstraße vom Bayrischen Platz und aus der Johannisallee zu erreichen.
Geschichte mini|links|Waisenhaus, 1863 mini|Die Liebigstraße 1885 1860 wurde an einem namenlosen Weg am Südrand der Kleingartenanlage im Johannistal das städtische Waisenhaus errichtet. 1861 wurde der Weg zur Waisenhausstraße. Im Volksmund hieß er auch Leichenweg, da er zum 1842 eröffneten Neuen Johannisfriedhof führte.
Im Deutschen Krieg von 1866 diente das Waisenhaus als Lazarett und wurde anschließend vom Jacobshospital als Krankenhaus genutzt, was sich zunächst mit Baracken und später weiteren Bauten zum Städtischen Krankenhaus St. Jakob entwickelte.
Aber auch die Universität errichtete an der Straße, die 1871 in Liebigstraße umbenannt wurde, wegen Platzmangels in der Innenstadt einige Institute wie das Anatomische (1875), das Physiologische (1869), das Physikalische (1873), das Mineralische (1873) und das Pathologische (1871) sowie das Chemische Laboratorium (1868). Das führte dazu, dass die Liebigstraße 1885 an der Südseite komplett und an der Nordseite zur Hälfte bebaut war (Abb.). In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erfolgten Erweiterungsbauten und insbesondere 1931 der Neubau der Hautklinik nach Plänen von Hubert Ritter (1886–1967).
Im Zweiten Weltkrieg erlitt die Liebigstraße schwere Schäden, so totale Zerstörungen der Anatomie, des Physiologischen Instituts, des Chemielaboratoriums, des Pharmakologischen Instituts und des historischen Haupthauses des St. Jakob-Krankenhauses. Nach dem Krieg entstanden einige Neubauten, wie 1951–1956 das Anatomische Institut und 1955–1960 das Physiologische zusammen mit dem Pharmakologischen Institut. 1953 war das Krankenhaus St. Jakob an die Universität übergegangen, und 1965 wurde das Straßenstück von der Johannisallee bis zum Friedenspark der Liebigstraße zugeordnet.
Nach der deutschen Wiedervereinigung setzte eine rege Bautätigkeit ein, wobei auch Nachkriegsbauten wieder abgetragen wurden, wie 2013 das 1984 fertiggestellte zwölfgeschossige Bettenhaus in Plattenbauweise. Das strategische Ziel der Bautätigkeit ist die Konzentration der Patientenbehandlung im Medizincampus entlang der Liebigstraße, wozu beispielsweise die Frauen- und die Kindermedizin aus entfernteren Lagen in die Liebigstraße geholt wurden.
Bebauung Auf der Südseite der Liebigstraße stehen fast ausschließlich nach 1990 errichtete Gebäude des Universitätsklinikums. Einzige Ausnahme ist das Institut für Pathologie an der Ecke zur Johannisallee. Dieses und die folgenden beiden Gebäude auf der Nordseite der Straße sind die einzigen Bauten von vor 1945. Das sind die ehemalige Hautklinik, die heute als Zentrales Forschungsgebäude dient, und der etwas zurückgesetzte Institutsbau mit Eingang von der Talstraße und der Adresse Talstraße 35, der ursprünglich für die Physik und die Mineralogie errichtet wurde, dann aber über 100 Jahre Heimstatt der Institute für Mathematik und Geophysik war. Heute enthält er das Institut für Erdsystemwissenschaft und Fernerkundung. Diese drei Gebäude und die der Anatomie sowie der Physiologie und der Pharmakologie stehen unter Denkmalschutz.Vergleiche Liste der Kulturdenkmale in Leipzig-Zentrum-Südost Das einzige auf der Nordseite der Straße nach 1990 errichtete Gebäude ist jenes für die Abteilung Medizin und Naturwissenschaft der Universitätsbibliothek und die Mensa.
So kann grob gefolgert werden, dass die südliche Seite der Straße den Patienten und die nördliche der Wissenschaft vorbehalten ist.
Ohne Bebauung ist der auf einer Länge von 110 Metern an die Liebigstraße grenzende und unter Denkmalschutz stehende Bereich der Parkanlage am ehemaligen Kanonenteich zwischen dem Anatomischen Institut und der Talstraße.
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Innerortsstraße in Leipzig Kategorie:Straße in Europa