Der Rotkopfmotmot (Baryphthengus ruficapillus, Syn.: Baryphonus ruficapillus, Baryphthengus melancholicus, Baryphthengus ruficapillus abreui, Baryphthengus ruficapillus aeruginosus, Baryphthengus ruficapillus berlai) ist eine Vogelart aus der Familie der Sägeracken (Momotidae), die im südöstlichen Brasilien, dem östlichen Paraguay und nordöstlichen Argentinien vorkommt. Der Bestand wird von der IUCN als nicht gefährdet (Least Concern) eingeschätzt. Die Art ist monotypisch.IOC World bird list Todies, motmots, bee-eaters

Merkmale Der Rotkopfmotmot erreicht eine Körperlänge von ca. 42,0 cm bei einem Gewicht von 140,0 bis 151,0 g. Beide Geschlechter haben einen rotbraunen Oberkopf und Nacken sowie eine schwarze Augenmaske mit türkisfarbem Rand. Die Oberseite ist grün, einschließlich der Flügeldecken und des Schwanzes. Die Handschwingen sind leuchtend blaugrün. Die Kehle und die Brust sind olivgrün, mit schwarzem Flecken auf der Brust. Die rostbraune Färbung beschränkt auf ein Band über den Bauch, der Unterbauch ist blaugrün. Jungtiere wirken matter als ausgewachsene Vögel. Er unterscheidet sich von dem allopatrischen Zimtbrustmotmot (Baryphthengus martii (, 1824)) durch ein insgesamt grüneres und matteres Gefieder mit weniger Rotbrauntönen, einen kürzeren Schwanz, der deutlich weniger abgestuft ist, sowie mittlere Schwanzfedern, die sich zu einem stumpfen Ende verjüngen und keine Schwanzfahne aufweist.David William Snow, u. a. (2020)

Lautäußerungen Die Rotkopfmotmot gibt vor allem in den frühen Morgenstunden und in der Dämmerung Laute von sich, wobei er eine kurze, schnelle Serie von „hu-u-u-u-u“-Rufen von sich gibt, die kehlig und vage an Eulenrufe erinnern.

Fortpflanzung Ausgrabungen von Erdbauten des Rotkopfmotmot wurden von Januar bis April dokumentiert, in einer Zeit wenn der Boden vom Sommerregen feucht ist. Die Brutzeit ist vermutlich im September und Oktober, wobei Fütterungen der Nestlinge Anfang Oktober und in der zweiten Novemberhälfte dokumentiert sind. Flügge gewordene Jungvögel wurden Anfang Dezember beobachtet. Ein aktives Nest, jedoch ohne Eier, fand man im November im Nordosten Argentiniens. Das Nest ist ein Erdbau in einem Erdwall oder in einem verlassenen Bau im Boden eines anderen Tieres (z. B. Gürteltier). Die Struktur der Nester kann stark voneinander abweichen, ist meist mehr als ein Meter lang und mit einer nicht ausgekleideten Kammer am Ende die ca. 35 cm × 14 cm groß ist. Zwei bewohnte Nester wurden in einem Abstand von nur 23 cm registriert. Ein Gelege umfasst zwei bis drei Eier. Beide Geschlechter versorgen die Jungen und besuchen das Nest null bis zehn Mal pro Stunde mit Futter. In einer Studie brachte ein Partner häufiger Futter als der Andere. Dieser schlief auch nachts bei den Jungen.

Verhalten und Ernährung Der Rotkopfmotmot ernährt sich hauptsächlich von Insekten, Insektenlarven, Spinnen, Landmuscheln, kleinen Reptilien, kleinen Säugetieren und kleineren Vögeln. Gelegentlich isst er auch Früchte. Den Nestlingen wurden zu 41,8 % Gliederfüßer, zu 32,8 % Früchte, zu 7,4 % Würmer, 6,6 % kleinere Wirbeltiere wie Frösche und Eidechsen, zu 0,8 % Muscheln und zu 10,6 % nicht zu identifizierende Nahrung zur Verfügung gestellt. Von den Gliederfüßern waren 74,5 % Insekten und Doppelfüßer. Unter den identifizierten Insekten befanden sich Käfer, Heuschrecken, Hautflügler (Ameisen und Bienen) und Raupen. Der Anteil der Gliederfüßler reduziert sich im Vergleich zu den Früchten in der Zeit in der die Jungtiere flügge wurden. Hier sind es insbesondere Virola gardineri und Myrtaceae, die eine besondere Bedeutung in der Ernährung zu haben scheinen. Er folgt gelegentlich Wanderameisen, erbeutet deren aufgescheuchte Beute und schließt sich manchmal gemischten Vogelschwärmen auf der Suche nach Nahrung an.

Verbreitung und Lebensraum mini|Verbreitungsgebiet des Rotkopfmotmots (grün) Der Rotkopfmotmot bevorzugt Primärer Tiefland- und Galeriewald entlang von Wasserläufen. Er kommt in Höhenlagen bis 1200 Meter vor.

Etymologie und Forschungsgeschichte mini|Rotkopfmotmot illustriert von Jacques Barraband Die Erstbeschreibung des Rotkopfmotmots erfolgte 1818 durch Louis Pierre Vieillot unter dem wissenschaftlichen Namen Baryphonus ruficapillus. Dabei bezog er sich auf Le Momot dombéFrançois Levaillant (1806), S. 113–116, Tafel 39. von François Levaillant. Dieser gab irrtümlich die Gegend um Lima als Verbreitungsgebiet an.Louis Pierre Vieillot (1818), S. 315. 1860 führten Jean Louis Cabanis und Ferdinand Heine junior die für die Wissenschaft neue Gattung Baryphthengus für den Rotkopfmotmot (Baryphthengus ruficapillus) und das Synonym Baryphthengus melancholicus ein.Jean Louis Cabanis u. a. (1860), S. 114–115. Der Begriff stammt von und ab.Baryphthengus The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling Der Artname ruficapillus stammt von und ab.ruficapillus The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling Neben Baryphthengus melancholicus & , 1860Jean Louis Cabanis u. a. (1860), S. 115. werden heute auch Baryphthengus ruficapillus abreui , 1926Jan Sztolcman (1926), S. 130., Baryphthengus ruficapillus aeruginosus , 1931Alípio de Miranda-Ribeiro (1931), S. 84 & 87. und Baryphthengus ruficapillus berlai , 1959Kenneth Earl Stager (1957), S. 4. als Synonyme betrachtet. Berlai ist Herbert Franzoni Berla (1912–1985) gewidmet. Abreui bezieht sich auf Cândido de Abreu. Melancholicus hat seinen Ursprung in .melancholicus The Key to Scientific Names. Edited by James A. Jobling, aeruginosus in .aeruginosus The Key to Scientific Names. Edited by James A. Jobling Alfred Laubmann hatte für sein Werk Die Vögel von Paraguay vier Bälge, gesammelt in Nueva Germania durch Eugen Josef Robert Schuhmacher (1906–1973) und Michael Mathias Kiefer (1902–1980), zur Verfügung. Laubmann sah in Barypthengus ruficapillus die Art für Paraguay. In der Literatur betrachtete er in einem von Richard Otto Rohde (1855–1912) gesammelten Exemplar aus LambaréHans Hermann Carl Ludwig von Berlepsch (1887), S. 22., das durch Hans Hermann Carl Ludwig von Berlepsch beschrieben wurde, in einem von Alfredo Borelli (1858–1943) gesammelten und von Tommaso Salvadori beschriebenes ExemplarTommaso Salvadori (1895), S. 16. aus Valenzuela, in SapucaiCharles Chubb (1902), S. 265. durch Charles Chubb, in Villarrica von Félix Posner (1873–?1931) gesammeltRoberto Raúl Dabbene (1912), S. 293. und durch Roberto Raúl Dabbene beschrieben Exemplar und im Departamento Alto ParanáArnaldo de Winkelried Bertoni (1914), S. 46. durch Arnaldo de Winkelried Bertoni weitere Nachweise für das Land.Alfred Laubmann (1939), S. 202.

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Faulvögel