mini|200px|Lafayette Rodrigues Pereira Lafayette Rodrigues Pereira (* 28. März 1834 in Queluz, heute: Conselheiro Lafayette, Minas Gerais; † 29. Januar 1917 in Rio de Janeiro) war ein Rechtsanwalt, Journalist und Politiker im Kaiserreich Brasilien, der unter anderem mehrmals Mitglied der Abgeordnetenkammer und des Senats war. Er fungierte zudem von zwischen 1878 und 1880 als Justizminister sowie von 1883 bis 1884 als Premierminister und Finanzminister.
Leben Lafayette Rodrigues Pereira war der Sohn des Grundbesitzers Antônio Rodrigues Pereira, Barão de Pouso Alegre (um 1805–1883) und Clara Lima Rodrigues, Baronesa de Pouso Alegre sowie ein Neffe des Magistrats Alcides Rodrigues Pereira, Barão de Lamim (1812–1889). Er absolvierte nach dem Schulbesuch ein Studium der Rechtswissenschaften an der Faculdade de Direito de São Paulo und nahm nach dessen Abschluss mit einem Bachelor (Bacharel em direito) 1857 eine Tätigkeit als Rechtsanwalt auf. Bereits während seines Studiums arbeitete er für verschiedene Zeitschriften, darunter die „Revista Mensal do Ensaio Philosofico Paulistano“. Er war zunächst als Rechtsanwalt in der Anwaltskanzlei Teixeira de Freitas in Rio de Janeiro tätig und ging später eine Partnerschaft mit dem Anwalt Domingos de Andrade Figueira ein. Zugleich arbeitete er zwischen 1858 und 1864 als Journalist für die politische, literarische und Nachrichtenzeitschrift „A Atualidade“.Er war zudem zeitweise Staatsanwalt in Ouro Preto, Mitglied der Liberalen Partei (Partido Liberal) und als Nachfolger von Vicente Alves de Paula Pessoa vom 4. April 1864 bis zu seiner Ablösung durch Francisco Inácio Marcondes Homem de Melo am 10. Juni 1865 Präsident der Provinz Ceará. Im Anschluss löste er am 14. Juni 1865 José Caetano Vaz Júnior als Präsident der Provinz Maranhão ab und verblieb in diesem Amt bis zum 19. Juli 1866, woraufhin Miguel Joaquim Ayres do Nascimento neuer Präsident dieser Provinz wurde.
Er arbeitete danach als Redakteur der Tageszeitung „Atualidade“ und von 1867 bis 1869 als Journalist für das „Diário do Povo“ sowie zwischen 1870 und 1874 für „A República“, die Zeitschrift des Republikanischen Clubs. Am 15. Dezember 1878 wurde er für die Provinz Minas Gerais Mitglied der Abgeordnetenkammer (Câmara dos Deputados) und fungierte vom 5. Januar 1878 bis zum 28. März 1880 im Kabinett von Premierminister João Lins Vieira Cansanção de Sinimbú als Justizminister (Ministro da Justiça). Dieses Kabinett strebte eine Wahlreform an und führte Direktwahlen ein. 1880 wurde er für die Provinz Minas Gerais erstmals Mitglied des Senats des Kaiserreichs (Senado do Império do Brasil), dem er nach seinen Wiederwahlen 1882, 1885 und 1886 bis 1889 angehörte.
Am 24. Mai 1883 übernahm Pereira von João Lustosa da Cunha Paranaguá selbst den Posten als Premierminister und bekleidete dieses Amt als Präsident des Ministerrates (Presidente do Conselho de Ministros) bis zum 6. Juni 1884, woraufhin Manuel Pinto de Sousa Dantas zum Premierminister berufen wurde. In seinem Kabinett bekleidete er zwischen dem 24. Mai 1883 und dem 6. Juni 1884 Personalunion auch das Amt des Finanzministers (Ministro da Fazenda). Im Juni 1884 bat er Kaiser Peter II., um die Auflösung des Kabinetts. Wenige Tage zuvor war ein Misstrauensvotum gegen das Kabinett mit nur vier Stimmen (60 zu 56) abgelehnt worden.
Lafayette Rodrigues Pereira war Mitglied des Schiedsgerichts (Tribunales Arbitrales) im Streitfall des Salpeterkrieges zwischen Chile, Peru und Bolivien, dessen Streitparteien Italien, Frankreich und England waren. Während der Panamerikanischen Konferenz von 1889 trat er am 17. November 1889 aufgrund von Meinungsverschiedenheiten mit der nunmehrigen republikanischen Regierung von Staatspräsident Manuel Deodoro da Fonseca aus der Delegation aus. Er war auch als Schriftsteller tätig, wobei gerade sein juristisches Werk von höchstem Wert ist. 1908 wurde er zum Mitglied der Brasilianischen Akademie der Literatur ABL (Academia Brasileira de Letras) gewählt, wo er die durch den Tod von Machado de Assis entstandene Vakanz auf dem Sitz 23 (Cadeira 23 – „José de Alencar“) einnahm. Über de Assis verfasste er eine bedeutende Studie, in der er ihn gegen die Kritik von Sílvio Romero Nach seinem Tode am 29. Januar 1917 nahm Alfredo Pujol den Sitz 23 der ABL ein.
Veröffentlichungen Direitos de família, („Familienrecht“), Rio de Janeiro, 1869 Direitos das coisas, („Eigentumsrecht“), Rio de Janeiro, 1877 Proposta e relatório apresentados à Assembléia Legislativa na 4ª sessão da décima oitava legislatura pelo Ministro e Secretário de Estado dos Negócios da Fazenda, („Vorschlag und Bericht, vorgelegt der Nationalversammlung in der 4. Sitzung der 18. Legislaturperiode vom Finanzminister und Staatssekretär“), Rio de Janeiro, 1884 Princípios de Direito Internacional, („Grundsätze des Völkerrechts“), 2 Bände, J. Ribeiro dos Santos, Rio de Janeiro, 1902–1903 Projeto de Código de Direito Internacional Privado, („Entwurf eines Gesetzbuches zum Internationalen Privatrecht“), Imprensa Nacional, Rio de Janeiro, 1911
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