Ernest Szabó (* 1885; † 1955) war ein österreichischer Glockengießer.

mini|Glocke (fis') mit Henkelkrone mit Stierköpfen von Szabó in Eggersdorf bei Graz (1950). mini|Die Glocken der Pfarrkirche Eggersdorf/Graz (es' ges' as' b' des", 1950) bilden das umfangreichste erhaltene Ensemble der Gießerei Szabó. Leben Ernest Szabó arbeitete wohl um 1900 bis 1911 in Kooperation mit dem Glockengießer Johann Frisch, welcher ursprünglich selbstständig als Feuerspritzen- und Glockengießer in der Feuerbachgasse tätig war, unter der Bezeichnung Frisch & Szabo in Graz. Mit dem Jahr 1911 arbeitete Szabó als alleiniger Gießer. Sitz seiner Gießerei war im Stadtteil Gries am Griesplatz 10 bzw. Zweiglgasse 14 und nach dem Zweiten Weltkrieg in der Wienerstraße 91. In der Zwischenkriegszeit war Szabó sehr tätig, musste aber in der Mitte der 30er Jahre seine Gießerei wegen Überschuldung schließen. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm Szabó seine Tätigkeit wieder auf. Wegen finanzieller Schwierigkeiten wurde der Betrieb im Jahr 1951 endgültig geschlossen, damit endete der Glockenguss in Graz. mini|Glocke (cis") von Frisch und Szabó in Bad Waltersdorf (1902). Werk Szabó goss seine Glocken in einer etwas kantig wirkenden, unten stark ausladenden Barockform mit einer mittleren bis leichten Rippe, die klanglich eher mittelmäßig war, als Septimglocken mit vertiefter Prim und oft blecherner Tongebung. Während sich österreichweit von Wien aus in den 20er Jahren die Oktavglocke durchsetzte, goss Szabó selbst nie Oktavglocken und blieb bei der klassischen Barockrippe mit dem Septimtyp.

Die Glocken haben Verzierungen klassizistischer Art, darunter oftmals filigraner Blätterschmuck, teils mit Henkelkronen in radialer Anordnung, teils mit Scheibenkronen. Die nach 1945 gegossenen Glocken zeigen oftmals schönen neugotischen Dekor. Insbesondere der Gestaltung der Kronen kam große Aufmerksamkeit zu. Im Gegensatz zu anderen Gießereien, welche für sämtliche Glocken dieselbe Kronenform verwendeten, variierte bei Szabó die Henkelgestaltung der Kronen, auch innerhalb von Geläuten aus einem Guss, stark (teils mit Engels-, Löwen- oder Stierköpfen). Die Gußausführung ist gut, manchmal auch unsauber, was aufgrund der Massenbestellungen in der Zwischenkriegszeit nicht zu vermeiden war.

Aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, es waren wohl wenige Glocken, sind keine erhaltenen Glocken bekannt. In der Zwischenkriegszeit goss Szabó zahlreiche Glocken und Geläute, Hauptabnahmegebiet war die Steiermark und Kärnten, aber auch Osttirol und das südliche Burgenland. Szabó fertigte auch Glockenstühle aus Eisen und Klöppel mit spitz zulaufenden Flachballen. Nach 1945 bis 1951 goss Szabó im Vergleich zu früher viel weniger Glocken, diese oftmals, aufgrund von schwer verfügbarem Material, in Legierungen, mit einem größeren Anteil von, für Glockenbronze untypischen, Buntmetallen. Durch teils unsaubere Abstimmung der Glocken innerhalb eines Geläutes, entsteht in Kombination mit der Septimrippe und den Sonderlegierungen ein charakteristischer, herber und oft verstimmter Geläuteeindruck, wodurch sich Szabógeläute erkennen lassen.

mini|Glocke (e') mit Henkelkrone mit Löwenköpfen und originalem Klöppel in Nestelbach b. Graz (1950). mini|Gießervermerk Szabós auf der Glocke der Berndorfer Kapelle.

Nicht erhaltene Geläute der Zwischenkriegszeit 1920 Stadtpfarrkirche Gleisdorf 1920 Kirche St. Leonhard-Graz 1920 Pfarrkirche Groß Sankt Florian 1920/1922 Pfarrkirche Kals am Großglockner 1922 Basilika Mariatrost 1922 Pfarrkirche Flirsch 1922 Pfarrkirche Hopfgarten in Defereggen 1922 Pfarrkirche Kappel am Krappfeld 1922 Pfarrkirche Sankt Stefan ob Stainz 1923 Pfarrkirche Dölsach 1923 Pfarrkirche Friesach 1923 Pfarrkirche Mörtschach 1923 Pfarrkirche Schöder 1923 Dekanatspfarrkirche Sillian 1924 Pfarrkirche Feldkirchen bei Graz 1924 Pfarrkirche Guttaring 1924 Pfarrkirche Köflach 1924 Wallfahrtskirche Maria Lankowitz 1924 Pfarrkirche Neustift im Stubaital um 1924 Redemptoristenkirche Leoben

Glocken nach 1945 Pfarrkirche Dobl bei Graz – die größte erhaltene Glocke Szabós, 2160 kg, Ton c'. Pfarrkirche Eggersdorf bei Graz – fünf Glocken auf es'. Katholische Pfarrkirche Rechnitz Kirche St. Leonhard-Graz Pfarrkirche Oberzeiring Pfarrkirche St. Stefan im Rosental Pfarrkirche Fürstenfeld Katholische Pfarrkirche Neuhaus am Klausenbach Pfarrkirche Salla Pfarrkirche St. Georgen im Lavanttal Pfarrkirche Stallhofen Alte Pfarrkirche Stegersbach 1950 Kapelle zur Gottesmutter Maria in Berndorf, Kirchberg an der Raab

Literatur Steiermark. Bürgerliche Gießereien. Ernest Szabo (1911–1951). In: Jörg Wernisch: Glockenkunde von Österreich. Journal Verlag, Lienz in Osttirol 2006, ISBN 3-902128-10-0, S. 173–174.

Einzelnachweise

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