Zippelsdorf ist eine historische Wüstung südwestlich von Riesdorf im heutigen Landkreis Teltow-Fläming in Brandenburg. Ihre Lage wird in der Forschung vor allem durch kartographische und archäologische Hinweise erschlossen und mit einem mutmaßlichen Turmhügel in Verbindung gebracht.Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg Teil X Jüterbog-Luckenwalde. Erstauflage erschienen im Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992, Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam, 2011, ISBN 978-3-941919-87-7, S. 571.
Geografische Lage Die Wüstung Zippelsdorf liegt südwestlich von Riesdorf. Ihre Lage wird möglicherweise durch einen ehemaligen Dorfpfuhl angezeigt, der auf einem Messtischblatt 2247 aus den Jahren 1902/1927–1928 eingezeichnet ist. Die Wüstung befindet sich an einer feuchten Senke auf der Hochfläche, an der bereits im Jahr 1847 ein kegelförmiger Hügel verzeichnet wurde, um den ein Graben verlief. An diesem Hügel wurden zahlreiche blaugraue Scherbenfunde gemacht. Aufgrund der topographischen Situation (Hügel mit umlaufendem Graben) und der Fundlage wird der Platz als wahrscheinlicher ehemaliger Turmhügel gedeutet. Die Wüstung stieß im Jahr 1734 an die Wendemark. Nach der Konzeptzeichnung der Schulenburgschen Karte von 1778/1786 erschien dort sowohl die Wüstung als auch der Flurname Steinem Berg.
Geschichte und Etymologie Etymologie Die Wüstung erscheint seit dem 14. Jahrhundert in zahlreichen, stark variierenden Namensformen. Die früheste bekannte Erwähnung stammt aus dem Jahr 1368, in dem der Ort als Subbelstorp bezeichnet wurde. Im Jahr 1384 wurde er in einer lateinischen Form als in campis ville deserte czubbestorp und damit bereits als wüst liegend überliefert. Weitere Nennungen folgten im Jahr 1446 als zcu Schibbestorff, im Jahr 1467 als zcu Czuwerstorff sowie im Jahr 1481 als zu Czubelstorff. Die letzte Nennung stammt aus dem Jahr 1734 als Flurname in der Form Zippelsdorfer Feld Marcke, was die fortdauernde Nutzung der Feldmark dokumentiert, obwohl der Ort selbst längst wüst gefallen war. Der Name leitet sich von einem Mann mit dem slawischen Personennamen Sobel oder Sobol ab.Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin, Band 13 der Brandenburgischen Historischen Studien im Auftrag der Brandenburgischen Historischen Kommission, be.bra wissenschaft verlag, Berlin-Brandenburg 2005, S. 191 ISBN 3-937233-17-2.
14. bis 17. Jahrhundert Bereits 1368 wurde Zippelsdorf bei seiner Ersterwähnung als Wüstung bezeichnet. Im Jahr 1381 erschien es als „wüste Dorfstätte“ (villa deserta). Sie gehörte vor 1584 mit allen Rechten zum Gut Riesdorf (1600, 1656). Vor 1368 bis nach 1383 besaß die Familie von Gersdorf den Zins von drei Hufen, von denen jede drei Scheffel Roggen und drei Scheffel Hafer abgab (1368, 1383). Danach fiel dieser Besitz an den Landesherrn bzw. das Amt. Bis 1384 befand sich Zippelsdorf im unmittelbaren Besitz des Erzbischofs von Magdeburg. Anschließend lag der Besitz 1384 bis vor 1530 beim Elendenaltar in St. Nikolai in Jüterbog. Er umfasste zwei Hufen aus der Wüstung (1384). Vor 1446 bis nach 1466 hielten die Gebrüder Lindwurm und die Gebrüder Rode den Zins von sechs Hufen, von denen jede zwei Scheffel Roggen und zwei Scheffel Hafer gab (1446). Danach gelangte der Besitz wieder an den Landesherrn bzw. das Amt. Von 1467 bis nach 1489 besaß Jüterboger Bürger Künecke den Zins von sieben Hufen, die jeweils zwei Scheffel Roggen und zwei Scheffel Hafer abgaben, sofern sie nicht wüst lagen (1467). Auch dieser Besitz fiel anschließend an den Landesherrn bzw. das Amt zurück.
Der Pfarrer aus Bochow besaß im Jahr 1562 eine Hufe auf der Wüstung, die der Schulze aus Fröhden innehatte und von der zwei Scheffel Roggen und 1½ Scheffel Hafer abzugeben waren. Eine weitere Hufe war „ausgetan“ und gab ebenfalls zwei Scheffel Roggen und 1½ Scheffel Hafer. Zudem entrichteten drei Bauern aus Fröhden von der Wüstung zwei Scheffel Roggen, und auch die Gemeinde zu Riesdorf gaben zwei Scheffel Roggen von der Wüstung ab.Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg Teil X Jüterbog-Luckenwalde. Erstauflage erschienen im Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992, Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam, 2011, ISBN 978-3-941919-87-7, S. 572.
18. Jahrhundert Im Jahr 1703 wurde die Wüstung erneut genannt: Sie lag brach, das Gut Riesdorf hatte sie „unter dem Pflug“. Allerdings beabsichtigten die von Thümen aus Genshagen eine Bewirtschaftung. Im Jahr 1816 bewirtschafteten die Kossäten in Riesdorf insgesamt acht Hufen auf der Wüstung. Danach ging Zippelsdorf vollständig in der Feldmark von Riesdorf auf und wurde nicht wieder besiedelt.
Literatur Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg Teil X Jüterbog-Luckenwalde. Erstauflage erschienen im Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992, Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam, 2011, ISBN 978-3-941919-87-7, S. 571–572.
Einzelnachweise
Kategorie:Wüstung im Landkreis Teltow-Fläming Kategorie:Ersterwähnung 1368 Kategorie:Niederer Fläming (Gemeinde)