mini|Älteste erhaltene Ansicht der Totenkirche von Andreas Kieser (1686). Die Totenkirche (eigentlich Kirche unserer lieben Frau am Eckertsbach) ist eine evangelisch-lutherische Kirche in der Großen Kreisstadt Backnang im baden-württembergischen Rems-Murr-Kreis. Sie gehört zum Kirchenbezirk Backnang der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Der spätgotische Sakralbau aus dem 15. Jahrhundert gilt als eines der ältesten Gebäude der Stadt und steht unter Denkmalschutz. Von der ursprünglichen Kirche blieb nur der Chor erhalten.
Geschichte Die kleine Kirche befindet sich in der Sulzbacher Vorstadt und war ursprünglich nach Maria benannt, der Mutter Jesu. Sie wurde 1452 erbaut und 1465 erstmals erwähnt. In historischen Dokumenten tauchen verschiedene Namen auf: Kirche unserer lieben Frau, Liebfrauenkirche, Marienkirche, St. Lorenz. Seit dem 16. Jahrhundert setzte sich der Name Totenkirche durch, da um das Kirchlein herum ein Friedhof angelegt wurde. Den Dreißigjährigen Krieg überstand das Gotteshaus wohl unbeschadet, obwohl die ganze Stadt 1635 ein Raub der Flammen wurde. 1686 wurde die Kirche von Andreas Kieser gemalt. 1693 wurde Backnang von den Franzosen während des Pfälzischen Erbfolgekriegs erneut eingeäschert. Wieder überstand die Totenkirche den Großbrand wie durch ein Wunder. Nach dem Krieg war die Totenkirche sogar zeitweilig die Stadtpfarrkirche, da sowohl die Stiftskirche als auch die Michaelskirche in Trümmern lagen.
Im 19. Jahrhundert kam es zu einem enormen Bevölkerungswachstum, sodass der Stadtfriedhof in der Sulzbacher Vorstadt bald zu klein wurde. Eine Erweiterung des Gottesackers kam nicht mehr in Betracht, da das Grundstück inzwischen von zahlreichen Wohnhäusern umgeben war. 1837 wurde der Friedhof in den Süden der Stadt verlegt. Die Stadt verkaufte die Totenkirche am 10. Januar 1837 an den Backnanger Gerbermeister Matthias Breuninger, der das Kirchenschiff in ein Wohnhaus umbaute; lediglich der Chorraum blieb erhalten und wurde jahrzehntelang vernachlässigt und als Lagerraum genutzt.
1899 wurde die Kirche zurückgekauft; ab 1905 fanden wieder Bibelstunden und Gottesdienste in dem Chor statt. 1925 erwarb der Arzt Alfred Bosler das ehemalige Kirchenschiff und richtete ein Jahr später seine Praxis darin ein. 1956/57 wurde das Haus und die darin verbauten Reste des Kirchenschiffs abgerissen und durch einen Neubau ersetzt.
Der Chor der Totenkirche wurde in den Jahren 1911, 1946/1947 und 1987/88 renoviert.
Innenausstattung Von der früheren Ausstattung hat sich nichts mehr erhalten. Bemerkenswert ist das spätgotische Rippengewölbe und das Maßwerk der Fenster. Auf einem Stein findet sich die lateinische Inschrift Anno d(omi)ni m. cccc. lii. die. xxii. me(n)sis iulii fundata e(st) hec. basilica (Im Jahre des Herrn 1452, am 22. Tag des Monats Juli, wurde diese Kirche gegründet).
Auf dem Dach befand sich einst ein Glockentürmchen (Dachreiter) mit zwei Glocken. Diese trugen die Inschrift: Gottlieb Jacob Rechlen gos mich in Stuttgardt. Anno 1732.Karl Eduard Paulus: Beschreibung des Oberamts Backnang. Verlag H. Lindemann, Stuttgart 1871, S. 131.
Mit der Renovierung 1987/88 erhielt die Kirche wieder eine Inneneinrichtung sowie eine neue Orgel.
Literatur
Adolf Schahl: Die Kunstdenkmäler des Rems-Murr-Kreises. Band 1. Deutscher Kunstverlag, Berlin/München 1983, ISBN 3-422-00560-9, S. 252f. Manfred Steinmetz, Renate Winkelbach, Reinhard Wolf: Kulturhistorische Vielfalt. Kleindenkmäler im Rems-Murr-Kreis. 2013, ISBN 978-3-00-043159-3, S. 52f.
Einzelnachweise
Weblinks
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