Westgreußen ist eine Gemeinde im thüringischen Kyffhäuserkreis, zwei Kilometer nordwestlich von Greußen entfernt. Sie gehört zur Verwaltungsgemeinschaft Greußen. mini|Kirche St. Martin in Westgreußen mini|Nachgebaute germanische Funkenburg nahe Westgreußen: Lageplan
Geschichte Westgreußen wurde erstmals im Jahre 817 in einer Urkunde an das Kloster Fulda erwähnt. Als Lehen des Landgrafen und der Grafen von Hohnstein und Schwarzburg-Sondershausen gab es im Mittelalter neun adlige Rittergüter. Westgreußen gehörte bis 1918 zur Unterherrschaft des Fürstentums Schwarzburg-Sondershausen.
Am 10. April 1945 standen vier deutsche Selbstfahrlafetten mit darauf montierter Zwillingsflak getarnt vor der Gemeindeschenke. Sie wurden bei einem Angriff von amerikanischen Jagdbombern auf den Ort entdeckt und trotz Abwehrfeuer bombardiert. Drei deutsche Soldaten verbrannten und wurden auf dem Gemeindefriedhof beerdigt, zusammen mit einem am 9. April bei einem Luftkampf abgeschossenen deutschen Flugzeugpiloten.Jürgen Möller: Der Kampf um Nordthüringen im April 1945. Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza 2010. S. 132. ISBN 978-3-86777-212-9
Westgreußen wurde, wie ganz Thüringen, Anfang Juli 1945 von den Amerikanern an die Rote Armee übergeben und damit Bestandteil der SBZ und ab 1949 der DDR.
Einwohnerentwicklung Entwicklung der Einwohnerzahl (31. Dezember): 1994 – 476 1995 – 481 1996 – 488 1997 – 483 1998 – 476 1999 – 463 2000 – 456 2001 – 454 2002 – 445 2003 – 447 2004 – 438 2005 – 433 2006 – 424 2007 – 418 2008 – 413 2009 – 408 2010 – 393 2011 – 385 2012 – 387 2013 – 374 2014 – 367 2015 – 371 2016 – 373 2017 – 368 2018 – 362 2019 – 363 2020 – 369 2021 – 375 2022 – 365 2023 – 349 2024 – 351 Datenquelle: Thüringer Landesamt für Statistik
Wappen Blasonierung: „In Gold auf braunem Hügel drei stilisierte silberne Lilien mit grünen Stengeln und Blättern.“
Die Entstehung des Wappens ist nicht eindeutig geklärt. Es wird angenommen, dass das Familienwappen derer von Salfeld übernommen wurde. Diese Familie lebte um 1500 in Westgreußen und führte drei stilisierte Lilien im Wappen. Ältere Siegel, auch das bis zum Jahre 1950 gültige, zeigte die drei Lilien.Neues Thüringer Wappenbuch Band 2 Seite 32; Herausgeber: Arbeitsgemeinschaft Thüringen e. V. 1998 ISBN 3-9804487-2-X
Das Wappen wurde von dem Westgreußener Ulrich Müller gezeichnet.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Historische Stätten Funkenburg
Die Funkenburg war ein befestigter Siedlungsplatz in der Flur der Gemeinde Westgreußen und zwischen 200 v. Chr. und 50 n. Chr. besiedelt. Sie befand sich auf einem an drei Seiten steil abfallenden flachen Bergsporn. Der Ort war bereits durch Flurbegehungen als archäologischer Fundplatz bekannt, als in den 1970er Jahren großflächige Untersuchungen einsetzten, die bis 1980 in mehreren Etappen fortgesetzt wurden. In dem von Graben und Palisadenring mit Wachturm gesichertem Areal wurden Vorrats- und Wohngebäude um ein „Häuptlingshaus“ und mehrere Kultstätten im Zentrum der Siedlung bestimmt. Die in der kelto-germanischen Kontaktzone errichtete „Burg“ war bis in das 1. Jahrhundert v. Chr. bewohnt. Die Konzeption für den „Wiederaufbau“ der Funkenburg wurde in den Folgejahren durch einen ortsansässigen Verein unter wissenschaftlicher Anleitung des Museum für Ur- und Frühgeschichte Thüringens ausgearbeitet. Auf Grundlage der Grabungsergebnisse wurde schon 1977 über die Errichtung eines archäologischen Freigeländes nachgedacht. Das als Bodendenkmal ausgewiesene Gelände wurde nach der Wende neben der Töpferwerkstatt bei Haarhausen ein Zentrum für experimentelle Archäologie in Thüringen. Zu den Veranstaltungen in der Funkenburg werden Einblicke in das Leben vor 2000 Jahren geboten. Nahrungszubereitung, die Herstellung von Kleidung, Schmuck, Waffen und Gebrauchsgegenständen und die dazu erforderlichen Handwerkstechniken werden erläutert.
Zengenhöck
Das Zengenhöck ist eine prähistorische Grabanlage, ein EinzelgrabhügelMichael Köhler: Grabmale und Ahnenlandschaften : Grabhügel und vorgeschichtliche Nekropolenareale in Thüringen. Jenzig Verlag im Verlag Beier & Beran, 2023, ISBN 978-3-941791-24-4. am Feldweg nach Rohnstedt. Die Flurbezeichnung (auch Zengenhög)Thüringisches Flurnamenarchiv der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Westgreußen (Hög = kleiner Hügel/Erhebung) Gerhard Köbler, Althochdeutsches Wörterbuch, (6. Auflage) 2014 geht auf die Familie Zenge zurück, die hier im Mittelalter ansässig war.
Bauwerke Kirche St. Martin, deren romanischer Turm aus der Zeit von 1250 bis 1300 stammt
Wehr der Helbe in Westgreußen
Persönlichkeiten Cäsar von Dachröden (* 1808 in Westgreußen; † 1882 in Rom), Offizier, Hofmarschall und führender Freimaurer Edmund König (1858–1939), Pädagoge, Kommunalpolitiker und Philosoph
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Funkenburg Westgreußen
Einzelnachweise
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