mini|Trajan mit Bürgerkrone und Schwertband sowie Ägis mit Medusenhaupt und Schlangen als Symbol des göttlichen Herrschaftsanspruchs (Münchner Glyptothek)

Trajan (* 18. September 53, vielleicht Italica, in Hispania BaeticaEutrop 8,2 nennt Italica als Geburtsort. Alle anderen Autoren verweisen nur auf Trajans Herkunft aus Hispania, was eine rechtliche Aussage mit ökonomischen Konsequenzen ist, nicht jedoch eine Aussage zum Geburtsort. oder in RomKarl Strobel: Kaiser Traian. Eine Epoche der Weltgeschichte. Regensburg 2010, S. 40.; † 8. August 117 in Selinus, Kilikien) war von Januar 98 bis 117 römischer Kaiser. Sein Geburtsname war Marcus Ulpius Traianus, als Kaiser führte er den Namen Imperator Caesar Nerva Traianus Augustus.Sein vollständiger Titel zum Zeitpunkt seines Todes war Imperator Caesar divi Nervae filius Nerva Traianus optimus Augustus Germanicus Dacicus Parthicus, pontifex maximus, tribuniciae potestatis XXI, imperator XIII, proconsul, consul VI, pater patriae.

Trajan, der erste römische Kaiser, der aus einer Provinz stammte (Hispanien), gilt in der traditionell von Senatoren verfassten Geschichtsschreibung als bester römischer Princeps (optimus princeps). Nach den von Verfolgungen und Hinrichtungen römischer Senatoren geprägten letzten Regierungsjahren Domitians und dem Ende der flavischen Dynastie wurde mit der kurzen Regierungszeit seines Vorgängers Nerva und besonders durch Trajan das Adoptivkaisertum begründet. Mit der Eroberung Armeniens und Mesopotamiens im Partherkrieg sowie vor allem des Dakerreiches erlebte das Römische Reich unter seiner Herrschaft seine größte Ausdehnung, wenngleich die Eroberungen im Osten nur kurzzeitig waren. Innenpolitisch zielte Trajan durch umfangreiche Bau- und Sozialmaßnahmen auf eine Stärkung Italiens und Förderung der Romanisierung in den Provinzen des Reiches.

Leben bis zum Herrschaftsantritt Herkunft und Jugend mini|Münzbild Trajans mit der Umschrift Imp[erator] Caes[ar] Nerva Traian[us] Aug[ustus] Germ[anicus] P[ontifex] M[aximus] (aus einem Münzfund bei Lyon) Trajan gehörte zu den Nachfahren einer Gruppe von Kolonisten, die 206 v. Chr. von Scipio Africanus in Italica in der Provinz Hispania (später Baetica) im Süden der Iberischen Halbinsel angesiedelt worden waren. Seine Gens, die gens Ulpia, stammte ursprünglich aus Tuder in Umbrien. Trajan selbst dürfte jedoch eher ein Stadtrömer als ein Südspanier gewesen sein, denn sein gleichnamiger Vater stand im Geburtsjahr seines Sohnes am Anfang seiner senatorischen Laufbahn, was einen Aufenthalt in Italica fast ausschließt.Werner Eck: Der Weg zum Kaisertum. In: Annette Nünnerich-Asmus (Hrsg.): Traian. Ein Kaiser der Superlative am Beginn einer Umbruchzeit? Mainz 2002, S. 7–20, hier: S. 10. Der Vater hatte wohl unter Claudius als einer der ersten Nicht-Italer den Aufstieg in den römischen Senat geschafft. Im Jahr 70 wurde der ältere Traianus Suffektkonsul und 73/74 in den Stand der Patrizier erhoben. Von etwa 73 bis 78 vertraute ihm Kaiser Vespasian die Statthalterschaft in Syrien an, der wichtigsten Militärprovinz im Osten. Dort kämpfte der ältere Traianus zwischen Herbst 73 und Mitte 74 erfolgreich gegen die Parther.Karl Strobel: Kaiser Traian. Eine Epoche der Weltgeschichte. Regensburg 2010, S. 51. Er erhielt die ornamenta triumphalia, die Auszeichnung eines Triumphators. Durch Konsulat, Zugehörigkeit zum Patriziat und den Rang eines triumphalis vir hatte er seinem Sohn einen leichten Weg in eine senatorische Laufbahn geebnet. Über die Mutter ist wenig bekannt. Vielleicht hieß sie Marcia und kam dann wohl aus einer senatorischen Familie Italiens, die schon seit tiberischer Zeit konsularen Rang hatte.Werner Eck: Traianus , in: Der Neue Pauly 12/1 (2002), Sp. 746–749, hier: Sp. 746. Aus der Ehe mit Marcia ging neben dem späteren Kaiser Trajan die vor 50 geborene Ulpia Marciana hervor.

Über Kindheit und Jugend Trajans ist nichts bekannt. Er wird eine standesgemäße Erziehung erhalten haben, die neben Lesen und Schreiben auch den späteren höheren Unterricht in Grammatik und Rhetorik einschloss. Auch von Trajans senatorischer Laufbahn gibt es nur wenige Informationen; er diente wohl Mitte 73 bis Mitte 75 als Militärtribun unter seinem Vater in Syrien.Karl Strobel: Kaiser Traian. Eine Epoche der Weltgeschichte. Regensburg 2010, S. 63. Die Behauptung des Plinius, Trajan habe zehn Jahre lang dieses Amt bekleidet,Plinius, Panegyricus 15,3. wird als unglaubwürdig angesehen,Karl Strobel: Kaiser Traian. Eine Epoche der Weltgeschichte. Regensburg 2010, S. 64, 208. da ein Legionstribunat unter gewöhnlichen Umständen zwei bis drei Jahre dauerte. Noch unter Vespasian übernahm Trajan wohl 78 als Quästor sein erstes senatorisches Amt. Danach könnte er seinen Vater als Legat in die senatorische Provinz Asia begleitet haben, die der ältere Traianus im Jahr 79/80 oder 80/81 als Prokonsul leitete.

Gewaltsames Ende der flavischen Dynastie Unter Kaiser Domitian bekleidete Trajan wohl 84 die Prätur. Möglicherweise verhinderten Differenzen zwischen Domitian und Trajan, dass Letzterer, wie für einen Patrizier üblich, zwei bis drei Jahre später das Konsulat erhielt. Stattdessen wurde er 88 Legat bei der in Nordspanien stationierten Legio VII Gemina. Als Kommandeur dieser Legion beorderte ihn Domitian im Winter 88/89 nach Obergermanien zur Niederschlagung des Aufstandes des Lucius Antonius Saturninus in Mogontiacum (Mainz). Bevor Trajan eintraf, war der Saturninusaufstand allerdings schon durch Aulus Bucius Lappius Maximus niedergeschlagen worden. Für sein loyales Verhalten bekleidete er im Jahr 91 gemeinsam mit Manius Acilius Glabrio zum ersten Mal das Konsulat – relativ spät für einen Patrizier.Karl Strobel: Kaiser Traian. Eine Epoche der Weltgeschichte. Regensburg 2010, S. 103.

Der Verlust einer römischen Legion im Krieg gegen die Jazygen löste eine innenpolitische Krise aus.Karl Strobel: Kaiser Traian. Eine Epoche der Weltgeschichte. Regensburg 2010, S. 123. Domitian machte daraufhin als Princeps seine faktisch autokratische Stellung gegenüber der römischen Oberschicht in aller Klarheit deutlich. In der ersten Hälfte der 90er Jahre wurden zahlreiche Prozesse wegen Ehebruchs, Majestätsbeleidigung und Hochverrats durchgeführt.Karl Strobel: Kaiser Traian. Eine Epoche der Weltgeschichte. Regensburg 2010, S. 121. Nach dem August 93 traf eine Verfolgungswelle Personen, bei denen man Zeichen der Ablehnung des Regimes zu erkennen meinte.Karl Strobel: Kaiser Traian. Eine Epoche der Weltgeschichte. Regensburg 2010, S. 122. Doch ist die Anzahl der hingerichteten Senatoren mit 14 bekannten Namen sehr viel geringer als unter Claudius.Karl Strobel: Kaiser Traian. Eine Epoche der Weltgeschichte. Regensburg 2010, S. 122. Auf die zahlreichen Verschwörungen gegen ihn reagierte der Kaiser ebenfalls mit Hinrichtungen. Wie unberechenbar Domitian wurde, zeigte sich, als er im Jahre 95 seinen Cousin Titus Flavius Clemens hinrichten ließ. Selbst seine Familienangehörigen wussten nun, dass sie nicht mehr sicher waren. Die Angst so vieler Personen war die Ursache für eine weitere Verschwörung gegen Domitian und führte am 18. September 96 zu seiner Ermordung. An ihr waren allerdings keine Senatoren beteiligt, vielmehr handelten Personen aus Domitians engster Umgebung, wie seine Gemahlin Domitia Longina, die beiden Prätorianerpräfekten und einige seiner Freigelassenen.Werner Eck: Domitianus. DNP 3 (1997) Sp. 746–750; Werner Eck: Der Weg zum Kaisertum. In: Annette Nünnerich-Asmus (Hrsg.): Traian. Ein Kaiser der Superlative am Beginn einer Umbruchzeit? Mainz 2002, S. 7–20, hier: S. 14. Christian Witschel: Domitian 81–96. In: Manfred Clauss (Hrsg.), Die römischen Kaiser. 55 historische Portraits von Caesar bis Iustinian, München 1997, S. 98–110, hier: S. 106f. Rehabilitierungsversuche Domitians u. a.: Brian W. Jones: The Emperor Domitian. London u. a. 1992; Pat Southern: Domitian. Tragic Tyrant. London 1997. Mit Domitians Tod endete die Herrschaft der flavischen Dynastie.

Beginn des Adoptivkaisertums miniatur|Marmorbüste des Marcus Cocceius Nerva (Getty Center, Los Angeles) Mit dem 66-jährigen Nerva kam im September 96 ein Senator auf den Thron, der trotz seiner politischen Verdienste zahlreiche Schwächen als Herrscher offenbarte und ein typischer Übergangskandidat war.Zu Nerva: John D. Grainger: Nerva and the Roman succession crisis of AD 96–99. London 2003. Die eigentliche Lösung der Nachfolgefrage konnte dadurch offengehalten und ein erneuter Bürgerkrieg nach dem Ende der flavischen Dynastie – anders als beim Ende Neros – verhindert werden. Nerva war kinderlos und angesichts seines Alters schien es sicher, dass er keine Dynastie mehr gründen würde. Er verdankte seine Herrschaft den Verschwörern gegen Domitian, obgleich er selbst nicht zu ihrem engsten Kreis gehörte.Cassius Dio 67,15,5. Nerva war im Gegensatz zu Domitian bei den Soldaten nicht beliebt.Sueton, Domitian 23. Er hatte zu keinem Zeitpunkt seiner Laufbahn Legionen kommandiert. Um die Gunst der Truppen bemühte sich der neue Kaiser kaum. Auch im Senat war Nervas Herrschaft umstritten.

Die Unzufriedenheit im Heer und in der Prätorianergarde und die nur schwache Akzeptanz Nervas im Senat bildeten den Nährboden für die Krisen seiner Regierungszeit. Gleich zu Beginn seiner Herrschaft setzte die Prätorianergarde unter ihrem Präfekten Casperius Aelianus aus Wut über die Ermordung Domitians den neuen Kaiser in dessen Palast gefangen und zwang ihn, Domitians Mörder hinrichten zu lassen. Damit wurden jene Männer beseitigt, die Nerva erst den Weg zur Herrschaft bereitet hatten,Cassius Dio 68,3,2. und Nerva verlor als Kaiser viel von seiner Autorität.Karl Strobel: Kaiser Traian. Eine Epoche der Weltgeschichte. Regensburg 2010, S. 162f. Noch im Jahre 96 wurde eine Verschwörung gegen ihn aufgedeckt.

Erst jetzt begann der eigentliche Kampf um die Macht. In dieser Zeit bemühten sich zwei Fraktionen innerhalb des Senats darum, dass Nerva ihren Kandidaten als Nachfolger designierte. Einer der möglichen Kandidaten war Cornelius Nigrinus, ein hochdekorierter General Domitians und spätestens seit 95 Statthalter in der Provinz Syrien, wo die stärkste Armee des Ostens stand. Die andere Fraktion bildeten Senatoren, die eher Trajan zuneigten. Zu diesen Senatoren zählten wohl Sextus Iulius Frontinus, Lucius Iulius Ursus, Gnaeus Domitius Tullus, Lucius Licinius Sura und Titus Vestricius Spuriana.Werner Eck: Der Weg zum Kaisertum. In: Annette Nünnerich-Asmus (Hrsg.): Traian. Ein Kaiser der Superlative am Beginn einer Umbruchzeit? Mainz 2002, S. 7–20, hier: S. 16f. Was diese Senatoren dazu veranlasst hatte, Trajan auszuwählen und sich damit gegen Cornelius Nigrinus auszusprechen, ist nicht bekannt.

Unter Nerva erhielt Trajan Anfang 97 die Statthalterschaft in Germania superior. Dies war vielleicht schon Teil eines Plans, der die drohende Usurpation durch Nigrinus verhindern sollte, da in Obergermanien drei Legionen und zahlreiche Auxiliareinheiten stationiert waren, insgesamt im Jahr 96/97 etwa 35.000 Mann.Werner Eck: Der Weg zum Kaisertum. In: Annette Nünnerich-Asmus (Hrsg.): Traian. Ein Kaiser der Superlative am Beginn einer Umbruchzeit? Mainz 2002, S. 7–20, hier: S. 15. Der dortige Statthalter kommandierte somit das Italien am nächsten gelegene große Heer. Dieses konnte er gegen den Kaiser oder auch zu dessen Schutz einsetzen. Während der Wirren des Jahres 97, als offenbar zwei Gruppen um die Macht kämpften, blieb Trajan in seiner Provinz. Im Oktober 97 erhielt er die Nachricht, er sei von Nerva adoptiert worden. Plinius berichtet hierüber stilisiert in seinem Panegyricus. Demnach verdankte Trajan seine Herrschaft einer plötzlichen göttlichen Eingebung, die Nerva angeblich gezeigt hatte, Trajan sei derjenige, den er adoptieren solle.Plinius, Panegyricus 8.