Gustav Adolf Kittler (* 27. Dezember 1885Emil Meynen (Hrsg.): Geographisches Taschenbuch 1956/57. 1957, S. 16. in Waldheim, Königreich Sachsen; † 19. April 1965 in Kippenheimweiler, heute Teil von Lahr/SchwarzwaldDie Erde, Nr. 96/1965, , S. 51: „Kittler, Gustav–Adolf, OStDir. i. R. Dr., starb im Alter von 79 Jahren in Kippenheimweiler im Schwarzwald.“) war ein deutscher Pädagoge und Autor.
Leben Kittler war Sohn eines Müllers. 1900 trat er in Oschatz ins Lehrerseminar ein und erhielt 1906 ein Studienstipendium. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde er als Gefreiter eingezogen und diente als Unteroffizieranwärter beim 11. Königlich Sächsischen Infanterie-Regiment Nr. 139, das im Verbund der 3. Armee durch Luxemburg und Belgien nach Frankreich einmarschierte.Kurt Rumpler: Festungsbaumeister Georg Rimpler und die Zweite Türkenbelagerung von Wien anno 1683. Selbstverlag 2010. S. 116 () Kittler wurde bereits nach wenigen Wochen verwundet,Deutsche Verlustlisten des Ersten Weltkrieges: Ausgabe 197 vom 14. November 1914 (Sachsen 54), S. 2617 („11. Infanterie-Regiment Nr. 139, Döbeln. […] 6. Kompagnie. Lullingen 28. 8., 29. 8., Rilly-Semny 31. 8., auf dem Marsche 12. 9. 14. […] Gefr. Utffz.-Asp. Gustav Adolf Kittler – verwundet“). und er begann nach der Genesung 1915 ein Studium der Geographie, Geologie und Philosophie an der Universität Leipzig. 1918 war er als Militärgeologe in Flandern tätig. 1919 wurde er unter Ernennung zum Studienrat als Gymnasiallehrer in Pirna angestellt und 1920 bei Eduard Spranger mit einer Arbeit über den Oberamtskanzler Karl Gottfried Herrmann und dessen Mitwirkung bei der Organisation des Volksschul- und Seminarwesens der Oberlausitz promoviert.Anja Moschke: Zur Geschichte des Landständischen Lehrerseminars in Bautzen sowie dessen Überlieferung im Staatsfilialarchiv Bautzen. In: Neues Lausitzisches Magazin, Band 140 (2018), S. 85–94, hier: S. 85 u. Anm. 3. Er unterrichtete die Fächer Deutsch, Erdkunde, Geschichte und Pädagogik.Lehrer der Höheren Schulen im Bezirk Dresden (1927). In: Die höheren Schulen im Bezirk Dresden, 1. Oktober 1927 („Deutsche Oberschule mit Aufbau-Klassen zu Pirna i. E. […] Kittler, Adolf, SR. Dr. – D. Ek. Gsch. Päd. – Pirna, Rottwerndorfer Str. 7b“; beachte Scanfehler: „Pirna i. S.“ [in Sachsen], korrekte Hs.-Nr. „24“ [nicht „7b“]).
Nach seinem Eintritt in die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei zum 1. Mai 1933 (Mitgliedsnummer 2.970.351)Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/20340949 übernahm Kittler als Studiendirektor im Juli 1933 zunächst kommissarisch die Leitung der Deutschen Oberschule in Rochlitz. Der Leitungswechsel an den Rochlitzer Schulen (neben Kittlers Oberschule mit Realschulzug im ehemaligen Seminargebäude in der BismarckstraßeFindbuch des Rochlitzer Geschichtsvereins, Bestand 14 („Schulen“), Nr. 15.Geschichte des Lehrerseminars Rochlitz. Sächsisches Staatsarchiv. Historische Einleitung zum Bestand 20194 (Lehrerseminar Rochlitz), abgerufen am 23. April 2026. wurde auch die Leitung der Bürgerschule am SophienplatzAdressbuch der Stadt Rochlitz verbunden mit einem Einwohnerverzeichnis der Städte Geringswalde, Colditz, Lunzenau und Penig sowie der zum Amtsgerichtsbezirk Rochlitz gehörigen Landgemeinden. Verlag Ernst Vetter, Rochlitz 1927, S. 31, 180. ausgetauscht, der später „Muldenschule“ genannten Volksschule der Stadt) fand im zeitlichen und ideologischen Kontext der Gleichschaltung des Schulwesens nach der Machtergreifung des Nationalsozialismus statt.Geschichte unserer Schule. Oberschule Rochlitz An der Mulde. Abgerufen am 23. April 2026: „1933: Errichtung der faschistischen Macht – eine neue Schulleitung wird eingesetzt.“ Kittler wurde Oberstudiendirektor und regulärer Schulleiter.Vertrauensmänner für Bodenaltertümer. In: Riesaer Tageblatt und Anzeiger, 25. Mai 1937, S. 3. Er war außerdem Hauptstellenleiter bei der NSDAP-Kreisleitung in Rochlitz. Er beteiligte sich unter anderem 1937 in der Umgebung von Rochlitz an prähistorischen Forschungen zur Heimatkunde Sachsens. An der Deutschen Oberschule wurde dazu schon im Juni 1935 eine „Vorgeschichtliche Ausstellung“ ausgerichtet.Findbuch des Rochlitzer Geschichtsvereins, Bestand 4 („Rochlitz – Teil 1“), Nr. 60, und Bestand 14 („Schulen“), Nr. 33. Im Zweiten Weltkrieg wurden zahlreiche Rochlitzer Lehrer einberufen;Johann-Mathesius-Gymnasium Rochlitz, Geschichte. Abgerufen am 23. April 2026. Kittler wurde Kriegsverwaltungsrat der Wehrmacht und 1940 als Militärgeograph in Frankreich eingesetzt. Nach Kriegsende verloren die meisten Lehrer der Deutschen Oberschule aufgrund ihrer Mitgliedschaft in der NSDAP ihre Anstellung. Kittler wurde 1945 zweimal durch die sowjetische Geheimpolizei NKWD verhaftet und 1946 nach einem Ermittlungsverfahren wegen politischer Tätigkeiten für die NSDAP durch die sowjetische Militärverwaltung (SMAD) aus der Haft entlassen.Ermittlungsverfahren (nach SMAD-Befehl 201; Kontrollrats-Gesetz Nr. 10; Kontrollrats-Direktiven Nr. 24 und Nr. 38) gegen den Arbeiter, ehemaligen Oberstudiendirektor, Kriegsverwaltungsrat und Hauptstellenleiter der NSDAP-Kreisleitung in Rochlitz Dr. Adolf Kittler wegen politischer Tätigkeiten. Bestandssignatur 39074 im NS-Archiv des MfS, Bezirksverwaltung Karl-Marx-Stadt (Objekt 14).
Bereits während des Zweiten Weltkriegs beschäftigte er sich mit dem Festungsbauer Georg Rimpler aus dem 17. Jahrhundert, über den er in den 1950er Jahren mehrere Veröffentlichungen vorlegte. 1958 floh er mit seiner Familie aus der DDR und siedelte sich in der Bundesrepublik Deutschland in der Nähe von Freiburg im Breisgau an.Peter Berz: Introduction. In:
Kittler war zweimal verheiratet (1919, 1942); die Literatur- und Medienwissenschaftler Friedrich und Wolf Kittler sind seine Söhne.
Veröffentlichungen (Auswahl) Bücher Sächsische Schweiz – ein erdkundlicher Führer unter Mitarbeit von Dr. A. Kittler, F. Lamprecht und Dr. A. NeumannArno Naumann. In: stadtwikidd.de, Kommerstädt & Schobloch, Dresden 1925, herausgegeben von Johannes Rußner, erschienen in der Reihe Sächsische Wanderbücher.Literatur, rahm-hanke.de: „In der Reihe "Sächsische Wanderbücher" erschien 1925 "Sächsische Schweiz - ein erdkundlicher Führer", herausgegeben von Johannes Rußner.“ (siehe Foto des Titelblattes) Die Anfänge der Pestalozzischen Methode in Sachsen. Mit besonderer Berücksichtigung Karl Justus Blochmanns (= Veröffentlichung der Gruppe Sachsen der Gesellschaft für deutsche Erziehungs- und Schulgeschichte. Nr. 6). Schlimpert & Püschel, Görlitz 1927 (Digitalisat). Der Oberamtskanzler Karl Gottfried Herrmann und seine Mitwirkung bei der Organisation des Volksschul- und Seminarwesens der Oberlausitz (= Veröffentlichung der Gruppe Sachsen der Gesellschaft für deutsche Erziehungs- und Schulgeschichte. Nr. 7). Verlag für Sippenforschung und Wappenkunde, Görlitz 1928 (zugleich: Dissertation, Universität Leipzig, 1920). Bodenfluß. Eine von der Agrarmorphologie vernachlässigte Erscheinung (= Forschungen zur deutschen Landeskunde. Band 143). Bundesanstalt für Landeskunde und Raumforschung, Bad Godesberg 1963. Rezension: Franz Tichy, Geographische Zeitschrift, Band 53 (1965), Heft 2/3, S. 209–210 () Rezension: Edward Marshall Yates, The Geographical Journal, Band 131 (1965), Heft 3, S. 412–413 () Rezension: Helmut Jäger, Erdkunde, Band 20 (1966), Heft 1, S. 65 ()
Beiträge Georg Rimpler, kaiserlicher Obristleutnant und Oberingenieur im Türkenkrieg 1683. Eine Untersuchung. In: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins. Band 99, 1951, S. 139–239.Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins (ZGORh): Autoren K, regionalgeschichte.net Eine Denkschrift des Festungsbaumeisters Georg Rimpler über die Belagerung Philippsburgs 1676. In: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins, Band 104, 1956, S. 258–272 Neue Beiträge zur Beurteilung Georg Rimplers, des Oberingenieurs bei der Belagerung Wiens im Jahre 1683. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung, Band 64 (1956), Heft 1/2, S. 25–33 () Merkmale, Verbreitung und Ausmaß der schleichenden Bodenerosion. In: Petermanns Geographischen Mitteilungen, Band 99 (1955), S. 269–273 Das Problem der Hochäcker. In: Zeitschrift für Agrargeschichte und Agrarsoziologie, Band 11 (1963), S. 141–159 Was ist Haken, Was ist Pflug? Ein Beitrag zur Geschichte und Differenzierung der Ackergeräte. In: Erdkunde, Band 17 (1963), Heft 3/4, S. 235–237 () Rezension zu: Christian Degn: Arrondieren oder Kollektivieren? Wandlungen der Agrarstruktur. In: Erdkunde, Band 18 (1964), Heft 4, S. 346–347 ()
Einzelnachweise
Kategorie:Autor Kategorie:Pädagoge (20. Jahrhundert) Kategorie:Geologe (20. Jahrhundert) Kategorie:Gymnasiallehrer (Deutschland) Kategorie:Schulleiter (Dresden) Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:NSDAP-Funktionär Kategorie:Kriegsverwaltungsrat Kategorie:Emigrant aus der DDR Kategorie:DDR-Bürger Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1885 Kategorie:Gestorben 1965 Kategorie:Mann