Hans-Heinrich Cornils, gerufen Heiner (* 26. März 1928; † unbekannt) war ein deutscher Fußballspieler. Der Defensivspieler hat für Holstein Kiel von 1949 bis 1955 in der damals erstklassigen Fußball-Oberliga Nord 175 Ligaspiele absolviert und drei Tore erzielt.Lorenz Knieriem, Hardy Grüne: Spielerlexikon 1890 bis 1963. Agon Sportverlag. Kassel. ISBN 978-3-89784-148-2. S. 53 Als Holstein Kiel 1953 als Vizemeister der Oberliga Nord an der Endrunde um die deutsche Fußballmeisterschaft teilgenommen hatte, war Cornils als Stopper und Abwehrchef in allen sechs Gruppenspielen für die „Störche“ dabei aufgelaufen.
Karriere Beginn in der Oberliga Nord, 1948 bis 1952
Die ersten Ligaspiele bei den „Störchen“ absolvierte der vom VfB Kiel gekommene, spätere Abwehrspieler Cornils, im Debütjahr der Fußball-Oberliga Nord, 1947/48. Er wurde in drei Spielen im Angriff eingesetzt. Ab Januar 1948 war Hans Tauchert der Trainer der Blau-Weiß-Roten von der Kieler Förde. Absolute Leistungsträger waren beim Belegen des 10. Tabellenranges Spieler wie Paul Gräf (22/0), Walter Hain (22/4), Gustav Schmidt (22/4), Kurt Krüger (21/3), Helmut Knobloch (21/1) und Altmeister Franz Linken mit zehn Treffern in 21 Ligaeinsätzen. Gegen Meister Hamburger SV kassierte Holstein in der 12er-Liga 12 Gegentore (0:7/0:5); gegen den punktgleichen Vizemeister FC St. Pauli glückte immerhin am Millerntor ein 0:0.
In die zweite Oberligasaison 1948/49 startete Holstein nach acht Spieltagen mit 9:7 Punkten und lag ein ganzes Stück von den Abstiegsrängen entfernt. Cornils hatte unter dem neuen Trainer Hans-Josef Kretschmann wie auch die Mitspieler Rudolf Drews, Max Slebioda, Paul Gräf, Reinhold Ertel, Kurt Krüger, Walter Hain, Harry Karl, Helmut Knobloch und Gustav Schmidt alle acht Ligaspiele absolviert. Nach einem Drittel der Saison wurden die Störche vom NFV mit sofortiger Wirkung aus der Oberliga ausgeschlossen. Die Gründe für den Ausschluss lagen fast ein Jahr zurück. Der ehemalige Kilia Kiel-Spieler Willy Hamann war aus Weiden in der Oberpfalz während der Runde 1947/48 zur KSV Holstein gekommen, wo er als Ergänzung des Spielerkaders Verwendung fand. Er bestritt im Frühjahr einige Spiele (fünf), in denen die Störche immerhin vier Punkte erkämpften. Die Spielgenehmigung wurde nachträglich aufgehoben und Holstein wurden die vier Punkte mit Hamann in der Vorsaison abgezogen, und damit wären eigentlich die Kieler und nicht Hannover 96 abgestiegen gewesen. Holstein wurde aus der Oberliga ausgeschlossen und bestritt von da an ein dreiviertel Jahr nur Freundschaftsspiele und stand fast vor dem finanziellen Ruin.Jens R. Prüß (Hrsg.): Spundflasche mit Flachpaßkorken. Die Geschichte der Oberliga Nord 1947 bis 1963. Ausführliche Beschreibung des Skandals. S. 130 bis 132 Am Ende der Runde wurde Holstein Kiel kampflos in Gnaden wieder in die auf 16 Vereine aufgestockte Oberliga zur Saison 1949/50 aufgenommen.Patrick Nawe u. a.. 100 Jahre Holstein Kiel. S. 70
Cornils belegte mit seinen Mannschaftskameraden 1949/50 den 11. Rang und Trainer Kretschmann – er übernahm Borussia Dortmund – war Mitte April 1950 durch Alfred Beimel abgelöst worden, welcher vorher Rhenania Würselen betreut hatte. Nach der Ligarunde führte Holstein Kiel eine Schwedenfahrt mit drei Spielen durch. Kurz nach der Rückkunft, am 28. Juni 1950, wurde im 50. Jubiläumsjahr des Vereines mit einem 2:2 gegen den FC Schalke 04 die neue Tribüne eingeweiht und der verdienstvolle Franz Linken aus der Holstein-Elf verabschiedet. Cornils hatte 28 von 30 Oberligaspielen in der Verbandsrunde bestritten.
Im ersten gesamten Trainerjahr von Beimel, 1950/51, rückten die Mannen um Stopper Hans-Heinrich Cornils mit einer eindrucksvollen Heimstärke – das Holstein-Stadion war zu einer Festung geworden – und 40:24 Punkten auf den 3. Tabellenrang nach vorne. Am 23. März 1951 glückte vor 30.000 Zuschauern sogar ein 3:3-Heimremis gegen den späteren Meister Hamburger SV. Torhüter Henry Peper zeigte regelmäßig Glanzleistungen und mit Cornils und Angreifer Harry Karl wurden zwei Kieler zum Sichtungslehrgang für die Olympia-Auswahl nominiert.Patrick Nawe u. a.. 100 Jahre Holstein Kiel. S. 74 Der robuste und kräftige Verteidigertyp Cornils sagte jedoch seine Olympiateilnahme ab, um den erfolgreichen Abschluss seines Architektur-Studiums nicht zu gefährden.Lorenz Knieriem, Hardy Grüne: Spielerlexikon 1890 bis 1963. Agon Sportverlag. Kassel. ISBN 978-3-89784-148-2. S. 53
Aber auch die Torerfolge von Gerhard Schmidt (17 Treffer), Walter Hain (11) und des Würseler Neuzuganges Bruno Wagner (9), trugen maßgeblich zum Rundenerfolg bei. Am 25. Februar 1951 musste auch Gastgeber Hertha BSC bei einem Freundschaftsspiel vor 15.000 Zuschauern am Hertha-Platz an der Plumpe die Stärke der Störche bei einem 3:0 für die Gäste anerkennen.Harald Tragmann, Harald Voß: Das Hertha Kompendium. Verlag Harald Voß. Berlin 2017. ISBN 978-3-935759-27-4. S. 229 Cornils hatte alle 32 Rundenspiele in der Oberliga Nord bestritten und dabei noch zwei Tore erzielt.
Mit 1:9 Punkten aus den letzten vier Spielen verscherzten sich die Rot-Weiß-Blauen aus Kiel in der Saison 1951/52 den Einzug in die Endrunde um die deutsche Fußballmeisterschaft. Holstein landete am Rundenende mit 34:26 Punkten auf dem 5. Rang und Cornils hatte in 28 Ligaeinsätzen seinen Beitrag geleistet und Walter Hain mit 18 Toren zu den besten Torschützen im Norden gezählt.
Endrunde um die deutsche Fußballmeisterschaft, 1953
Zur Runde 1952/53 übernahm erneut Hans Tauchert das Traineramt des KSV Holstein und mit Bernd Oles, Emil Maier und Karl Schradi kamen leistungsstarke Neuzugänge aus Süddeutschland zum Spielerkader hinzu. Zum Rundenstart patzte Kiel mit einer 0:8-Auswärtsschlappe bei Concordia Hamburg aber total, die nächsten zwei Heimspiele gegen den Bremer SV und Altona 93 brachten die Störche mit 6:1 und 4:1 wieder in die richtige Spur. So standen die Kieler nach neun Spielen mit 11:7 Zählern und dem zweitbesten Angriff der Liga in der Spitzengruppe. Am letzten Spieltag der Hinrunde, den 14. Dezember 1952, wartete das Spitzenspiel am Rothenbaum gegen den Hamburger SV auf die Holstein-Elf. Mit zwei Punkten Rückstand gegenüber Tabellenführer HSV trat Kiel ohne den etatmäßigen Stopper Cornils gegen die Rothosen an und führte zur Halbzeit bereits völlig überraschend mit 3:0 Toren. Mit zwei Maier-Treffern in der zweiten Halbzeit glückte ein sensationeller 5:0-Auswärtserfolg bei den Rautenträgern und damit übernahm Kiel durch das bessere Torverhältnis, punktgleich mit dem HSV, die Tabellenführung und errang die Herbstmeisterschaft. Der Titelverteidiger hatte mit 36 Gegentreffern ein offensichtliches Defensivproblem; dies trotz Leistungsträgern wie Jupp Posipal, Fritz Laband und Franz Klepacz.
Nach der kurzen Winterpause lief es für Holstein dann aber nicht mehr so gut und erst mit den vier Punkten gegen Werder Bremen (2:1) und Meister Hamburger SV (3:1) in den letzten zwei Rundenspielen, konnte als norddeutscher Vizemeister der Einzug in die Endrunde um die deutsche Fußballmeisterschaft gefeiert werden. Die Holstein-Defensive mit Torhüter Peper, dem Verteidigerpaar Gräf und Morgner, sowie der Läuferreihe mit Heinz Grunewald, Stopper Cornils und Bernd Oles stellte mit 38 Gegentreffer den besten Abwehrverbund im Norden dar. Im Angriff ragte Mittelstürmer Emil Maier mit 21 Treffern heraus und wurde in erster Linie von den Kollegen Walter Wiendlocha, Karl Schradi, Bruno Wagner, Harry Karl und Emil Schildt unterstützt.Patrick Nawe u. a.. 100 Jahre Holstein Kiel. S. 78
Unmittelbar nach Rundenschluss startete die Endrunde am 3. Mai 1953 mit einem Gastspiel im Südweststadion in Ludwigshafen gegen den 1. FC Kaiserslautern. Die Lauterer traten vor 50.000 Zuschauern mit den späteren Weltmeistern Fritz und Ottmar Walter, Werner Liebrich, Horst Eckel und Werner Kohlmeyer an und Cornils dirigierte als Stopper im damaligen WM-System die Abwehr von Holstein. Mit zwei Treffern von Rechtsaußen Erwin Scheffler entschied der Südwestmeister die Begegnung mit 2:1 für sich. Die Kieler ernteten gute Kritiken für ihre Leistung, aber fuhren ohne Punkte zurück nach Kiel. Mit einem Treffer in der 87. Spielminute entschied Hubert Schieth das folgende Heimspiel für die Gäste von Eintracht Frankfurt und mit 0:4 Punkten war die Endrunde für Kiel damit bereits gelaufen. Am Ende belegte Holstein mit 1:11 Punkten den 4. Rang und es kehrte Ernüchterung in Kiel ein. Zwei Wochen später ging am 24. Juni auch noch das NFV-Pokalendspiel gegen den Hamburger SV mit 2:3 verloren.
Ende in der Oberliga Nord, 1955 Es folgte 1953/54 ein ewiges Auf und Ab und insgesamt deutlich schwächere Leistungen wie in den Jahren zuvor. Vor allem in den Heimspielen verlor die Mannschaft um Torhüter Peper und Stopper Cornils ihre jahrelange Stärke; gerade einmal fünf Heimspiele wurden gewonnen, die bis dahin zweitschlechteste Bilanz der Störche in der Oberliga. Es ging los mit einem 1:6 Debakel im ersten Heimspiel gegen Hannover 96; gut, die Sechsundneunziger entwickelten sich zur Sensationsmannschaft der Runde, gewannen die Nord- und auch sensationell gegen den 1. FC Kaiserslautern die deutsche Meisterschaft. Die Rückrunde entwickelte sich mit zwölf Punkten auf der Habenseite zu einem Jammertal; es war Tristesse angesagt und Trainer Tauchert verabschiedete sich zum 1. FC Saarbrücken und auch die Spieler Oles und Schradi wechselten den Verein. Holstein rangierte mit 29:31 Punkten auf dem 9. Rang, hatte aber mit 68 Gegentoren die meisten Treffer der Oberliga Nord kassiert.
Mit Helmuth Johannsen übernahm zur Saison 1954/55 ein neuer Trainer das Amt bei Holstein und es begann unter ihm die Verjüngung der Mannschaft. Sportlich zahlte sich das aber nicht umgehend aus, am Rundenende belegte Holstein mit 27:33 Punkten den 10. Rang. Cornils hatte nochmals 29 Ligaspiele absolviert und Alfred Bornemann mit 15 Treffern die interne Torschützenliste angeführt. Cornils beendete im Sommer 1955 seine Oberligakarriere bei den Blau-Weiß-Roten und widmete sich intensiver seinem beruflichen Fortkommen als Architekt.
Literatur Patrick Nawe, Hardy Grüne, Normann Nawe, Raymond Madsen, Christian Jessen, Christian Callsen: 100 Jahre Holstein Kiel. Sportverlag Berlin. ISBN 3-328-00891-8. Jens R. Prüß (Hrsg.): Spundflasche mit Flachpaßkorken. Die Geschichte der Oberliga Nord 1947 bis 1963. Klartext Verlag. Essen 1991. ISBN 3-88474-463-1.
Weblinks Spieler A–Z (Spundflasche), aufgesucht am 16. März 2026
Einzelnachweise
Kategorie:Fußballspieler (Holstein Kiel) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1928 Kategorie:Gestorben im 20. oder 21. Jahrhundert Kategorie:Mann