Haleh Redjaian (* 1971 in Frankfurt am Main) ist eine iranisch-deutsche multidisziplinär arbeitende Künstlerin, die in verschiedenen Medien, vorwiegend auf Papier, mit Textilien, Wandmalereien und raumgreifenden Installationen arbeitet, die häufig auf Architektur Bezug nehmen.

Leben Von 1990 bis 1994 studierte Haleh Redjaian Kunstgeschichte an der Johann Wolfgang Goethe-Universität. Von 1994 bis 1999 folgte ein Studium der Bildenden Künste (insbesondere Zeichnung, Druckgrafik, Bildhauerei und räumliche Kunst) an der Koninklijken Academie voor Schone Kunsten in Antwerpen. Anschließend absolvierte sie von 1999 bis 2001 ein Postgraduierten-Studium am Hoger Instituut voor Schone Kunsten in Antwerpen. Redjaian war Assistentin des venezolanischen Künstlers Arturo Herrera. Im April 2025 wirkte Redjaian an der Masterclass „Zugang zu sensiblen Sammlungen – Digital und analog“ an der Universität Münster teil. Redjaian lebt und arbeitet in Berlin.

Werk Zentrales Element in Redjaians Arbeiten ist die Linie, die auf dem Papier gezeichnet wird oder sich als gespannter Faden räumlich entfaltet. In ihrem Werk tauchen zudem immer wieder serielle Strukturen auf, in denen Linien, Rhomben und aus einfachen geometrischen Formen entwickelte Ornamente dominieren. Damit steht ihre Arbeit in der Tradition der Konkreten Kunst, die auf klaren, mathematisch bestimmten Formen und systematischen Ordnungen basiert. Redjaians Arbeiten sind von einer Auseinandersetzung mit Herkunft und kultureller Erinnerung geprägt, wobei sich Bezüge zum Iran in abstrakten Formen niederschlagen.

Werke von Redjaian befinden sich unter anderem im Museum Ritter sowie in der Berliner Privatsammlung von Joëlle und Eric Romba.

Textilarbeiten Häufig entstehen Redjaians textile Arbeiten als Wandteppiche. Ihr Werk umfasst unter anderem größere Arbeiten mit handgefertigten, einfarbig weißen Kelim-Teppichen aus Naturwolle. Diese lässt sie von einem kleinen Familienbetrieb in der iranischen Stadt Sirdschan herstellen und nutzt sie als Grundlage für ihre Arbeiten. Anschließend bestickt Redjaian das Gewebe mit Linien aus straff gespannter Nähseide oder nutzt Siebdrucke, um Kreise, Rechtecke, Rauten oder Trapeze zu platzieren. Auf diese Weise verbindet sie traditionelle Handwerkskunst mit ihrer eigenen künstlerischen Praxis. Ihre Arbeiten mit geometrisch gespannten Fäden verknüpfen zudem die Ornamenttradition des Nahen Ostens mit der geometrischen Abstraktion der westlichen Kunst und werden als Ausdruck eines kulturellen Dialogs zwischen persischer und westlicher Tradition interpretiert. In dieser von Abstraktion und Geometrie geprägten Formensprache verbindet Redjaian lineare Systeme zu dichten und teilweise suggestiven Kompositionen, wobei sie gezielt Unregelmäßigkeiten in Mustern hervorhebt. Zu ihren Einflüssen zählen traditionelle Ordnungssysteme sowie Sufismus und Architektur aus ihrem Heimatland Iran. Dieses Wissen über ornamentale Traditionen fließt in ihre Arbeiten ein. Ausgehend von der Geometrie nutzt Redjaian deren Gesetzmäßigkeiten, um die scheinbare Ordnung von Winkeln und Linien neu zu formen und nachzuzeichnen. Ihre Kompositionen unterlaufen dabei auf subtile Weise ihre eigene Logik und bilden das, was sie selbst als eine „natürliche abstrakte Sprache“ bezeichnet.

Papierarbeiten Redjaians Papierarbeiten bestehen aus sorgfältig und fein gezogenen Linien, Kreisen, Winkeln und Quadraten, oft auf kariertem Papier. Dass die Karos häufig nicht vollständig ausgefüllt sind und der unregelmäßige Bleistiftstrich ihnen eine individuelle Note verleiht, erschließt sich dabei oft erst bei genauerem Hinsehen.

Die Zeichnungen wirken streng und mathematisch. Gleichzeitig zeigen feine Bleistiftlinien und aufwendige Stickereien, dass ihre Werke in sorgfältiger Handarbeit entstehen. Durch den hohen Zeitaufwand und den Einsatz von Materialien wie Goldfäden oder Blattgold erhalten die Arbeiten auf Papier eine besonders kostbare Wirkung. Die traditionellen ornamental wirkenden Muster weisen dabei leichte Verschiebungen sowie Unregelmäßigkeiten auf. Zugleich erinnert die Gestaltung unmittelbar an die Ornamentik orientalischer Teppiche.

In einem Interview betont die Künstlerin die Bedeutung geometrischer Ordnungssysteme und deren bewusste Auflösung als zentrales Moment ihrer Arbeit:

Wand- und Rauminstallationen Mit ihren vor Ort entstehenden Installationen reagiert Redjaian auf den Raum, in welchem sie entstehen und bezieht sich auf Architektur, Lichtverhältnisse sowie Atmosphäre.

In einer Installation für eine Ausstellung in Ingolstadt wurden 800 Nägel an der Wand platziert, über die Fäden kreuzweise so gespannt wurden, dass sich an der Wand ein grafisches Teppich-Ornament auffächerte. Dabei wurden 200 Meter Garn zu einem weißen Dreieck in einem weißen Rechteck gespannt.

Im Zusammenhang mit ihren Wandarbeiten äußert sich die Künstlerin zur Vergänglichkeit und zum prozesshaften Charakter ihrer Arbeiten:

Werke The Trick Is To Keep Breathing (2014) Das aus mehreren Teilen zusammengesetzte Werk, ausgeführt in Bleistift und Buntstift auf kariertem Papier, befindet sich in der Sammlung Marli Hoppe-Ritter. Redjaian kombiniert mehrere Karopapiere zu einer großen quadratischen Fläche. Die vorgegebenen Raster werden von feinen, leicht unregelmäßigen diagonalen Linien überlagert, wodurch eine lebendige Wirkung entsteht. Im Zentrum verdichten sich die Linien zu einer wenig hervortretenden Quadratform, während kleine ausgemalte Kästchen unregelmäßig verteilt sind und winkelförmige Strukturen bilden. Insgesamt entsteht der Eindruck einer geometrischen Ordnung, die durch kleine Abweichungen aufgelockert wird.

In-Between Spaces (2015) Bei dieser raumgreifenden Installation aus Polyesterfäden und Nägeln steht der Azadi-Turm in Teheran im Zentrum. Durch die Drehung eines rechteckigen Feldes aus parallelen Fäden entsteht eine gebogene Fläche, die an Wand und Boden befestigt ist und die charakteristische Form des Bauwerks abstrahiert. Eine spiegelbildliche zweite Struktur ergänzt die Installation und verstärkt die räumliche Wirkung. Die entstehenden Raster sollen dabei Strukturen darstellen, die unser Leben in Zeit und Raum ordnen und Orientierung geben.

Redjaian bezieht sich in diesem Werk auf die Verbindung islamischer Architektur mit Elementen der sassanidischen Kunst. Besonders die geschwungenen Formen und Drehungen des Bauwerks überträgt Redjaian in ihre eigene künstlerische Arbeit. Dabei interessiert sie insbesondere der Einfluss von Architektur auf die Wahrnehmung.

raising flags (2023) In Bezug auf dieses Werk, welches im Museum in progress in Wien zu sehen ist, beschreibt Redjaian die Bedeutung elementarer geometrischer Formen als kulturübergreifendes Motiv:

Weitere Werke (Auswahl) 2004: Tehran, Fotografie 2012: 8-1, Graphit auf Wand 2013: Between you and me, Polyesterfäden und Nägel 2014: Golden Square 2014: Untitled, Lithografie 2014: White square on white paper

2015: O. T. (C_XV), Fäden und Lithografie auf handgewebtem Teppich 2015: Untitled, Papier 2015: Untitled (9/9), Bleistift auf Papier 2016: My Morning Sun 2016: P.S. (Platonic Solid), Lithografie, Fäden auf handgewebtem Teppich 2016: Untitled, Fäden und Lithografie auf handgewebtem Teppich

2017: Concrete Squares, Acryl und Graphit auf Holz 2017: Numbers in Space I 2017: Untitled 2017–18: Notes for Daydreaming, Acryl und Bleistift auf Papier. Beginn einer Serie, die durch das Werk “The Poetics of Space” des franzsösischen Philosophen Gaston Bachelard inspiriert wurde. 2018: Inhabiting the Grid, Installation 2018: La Trace de Reverie 2018: Untitled, Bleistift und Buntstift auf Papier 2018: when lines, squares and triangles meet, Baumwollpapier

2019: Identation, Litografie, Acryl, Bleistift, Tintenfüller auf Papier 2019: Mark 2019: No Flag 3, Fäden auf handgewebtem Textil 2019: No Flag 5, Fäden und Lithografie auf handgewebtem Teppich 2019: Osculation, Blattgold, Buntstift, Bleistift, Acryl und Wasserfarbe auf Papier 2019: Untitled, Fäden auf handgewebtem Teppich 2020: Blue, Lithografie und Acryl auf Papier 2020: Drawing with numbers III 2020: Notes for Daydreaming (21), Acryl, Tinte und Blattgold auf Papier

2020: Notes for Daydreaming (24), Graphit und Wasserfarbe auf Papier 2020: Notes for Daydreaming (26), Graphit, Wasserfarbe und Acryl auf Papier 2020: Notes for Daydreaming (27), Acryl und Tinte auf Papier 2020: Notes for Daydreaming (29), Collage, Graphit, Tinte und Wasserfarbe auf Papier 2020: Notes for Daydreaming (31), Acryl, Tinte und Blattgold auf Papier 2020: The Pattern Singing Series, Installation 2020: Untitled, Fäden und Lithografie auf handgewebtem Textil

2020: Mountain, Fäden und Lithografie auf handgewebtem Textil 2020: Straight Slant 2021: In a coral mood (IV), Graphit, Buntstift, Klebeband und Papier 2021: Out of Line, Nägel, Fäden und Stahlgestell 2021: Strings, Lithografie auf Papier, Stedelijk Museum voor Actuele Kunst, Gent 2021: Stuck on You, Stempel auf Papier

2021: Superposed II, Acryl und Graphit auf Papier 2021: Threads and Hooks, Installation mit Fäden und Haken 2021: Untitled 2022: Untitled, Fäden und Lithografie auf handgewebtem Teppich 2022: Wired, Performance zusammen mit Nazanin Noori, Klangteppich Festival, Berlin

2023: Almost folded, Collage, Graphit und Tinte auf Papier 2023: CII, Collage, Wachs, Graphit, Fotodruck auf Papier 2023: Dreams with no walls (2) 2023: Dripping Mind 2023: Goldreigen 2023: Untitled, Fäden und Lithografie auf handgewebtem Teppich 2024: Wall Work # 38, Installation, Kunstverein am Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin

Gruppenausstellungen (Auswahl) 2002: In Permanente, Gallery De Buck, Gent 2009: Zeigen, Temporäre Kunsthalle Berlin, Berlin 2010: Erodere, Märkisches Museum Witten, Witten 2012: Make the two into one, Künstlerhaus Bethanien, Berlin 2012: Rita, sagen Sie jetzt nichts! Galerie Nord, Berlin 2013: Haleh Redjaian, Henry Kleine: Blossom on the tree you know how I feel, Galerie kajetan, Berlin 2013: Same Same but different, Vincenz Sala, Berlin 2014: SIEBEN – Aktuelle Positionen aus der Sammlung Marli Hoppe-Ritter, Museum Ritter, Waldenbuch 2015: In-Between Spaces, Gallery Isabelle van den Eynde, Dubai. Diese Ausstellung ist Redjaians erste Ausstellung im Nahen Osten. 2018: Ausstellung der Nominierten für den Marianne-Werefkin-Preis, Kommunale Galerie Berlin 2018: Out of Office. Büro-Kunst oder Das Büro im Museum, Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen 2018: Haleh Redjaian/Mathias Prenen – The Chinamen of Oklahoma, Whitechapel Gallery, Brüssel 2018: Inhabiting the Grid, Gallery Isabelle van den Eynde, Dubai 2018: Jaou Tunis, Tunis 2019: Cross the Line, Galerie Rupert Pfab, Düsseldorf 2019: Haleh Redjaian and Jeweller Stephanie Schneider: Beyond, Berlin Art Week 2019: Jeweler Stephanie Schneider and Haleh Redjaian, STORE 81, Berlin 2019: repeater, Galerie Kai Erdmann 2019: Some Things last a Long Time, Galerie kajetan, Berlin 2020: White Leaves One And Two On Their Place, Gallery Isabelle van den Eynde, Dubai 2020–21: Caroline Corleone | Theresa Eipeldauer | Anna Meyer | Muntean/Rosenblum | Haleh Redjaian | Esther Stocker | Katja Strunz | Sofie Thorsen | Jenni Tischer, Gallery Krobath, Wien 2021: Out Of Place, Gallery Isabelle van den Eynde, Dubai 2021: Sonderlage 5/5 feat. The Green Box, Lage egal, Berlin 2021: Technê, Republic Gallery, Vancouver 2022: L’Année dernière á malmaison, Spatiul de Arta Contemporana Artă Contemporană, Bukarest

2022: Exhibition 63, valerie_traan gallery, Antwerpen 2022: Paper Show, Whitehouse Gallery, Brüssel 2022: t-e-x-t-i-l-e, HAUNT and drj art projects, Berlin 2022: The Tide is High, Kunsthaus Wiesbaden, Wiesbaden 2023: And I draw a line, Galerie Kajetan, Berlin 2023: The Art of Handling Paper, Galerie Heike Strelow, Frankfurt 2023: Isabelle Borges & Haleh Redjaian: Crumple – unfold – crumple – unfold – crumple, Galerie Nana Preußners, München