mini|Zwei Eimerkettenbagger Es 1120.2 mit den Baunummern 633 und 634 im Tagebau Cottbus-Nord (2007) Der Eimerkettenbagger 1120 ist ein in der DDR entwickeltes und gebautes Tagebaugerät. Die Typenbezeichnung leitet sich vom Eimervolumen ab, das bei diesem Eimerkettenbagger 1120 Liter beträgt. Die vom VEB Förderanlagenbau Köthen in den 1950er und 1960er Jahren gebauten Geräte wurden über viele Jahrzehnte vorrangig zur Beseitigung des Abraums im Braunkohletagebau eingesetzt.

Technik und Varianten Der Bagger gewinnt das Material mittels Eimerausleger (sog. Eimerleiter) im Hoch- oder Tiefschnittverfahren (also oberhalb oder unterhalb der Baggerstandebene). Das Material wird dabei durch die endlos umlaufende Eimerkette kontinuierlich abgetragen, zum Baggergerüst gefördert und über Schüttschächte direkt in bereitstehende Abraumwagen verladen. Alternativ kann der Abraum auch auf ein Förderband gegeben werden, um anschließend eine Abraumförderbrücke zu beschicken.

Die jeweilige technische Konfiguration eines Geräts lässt sich direkt aus seiner Typenbezeichnung ableiten. So steht das Kürzel „E“ für einen Eintorbagger, bei dem ein einzelnes Gleis durch das Portal führt, während ein „D“ einen Doppeltorbagger kennzeichnet. Letzterer verfügt über zwei parallele Gleise, was durch den fliegenden Wechsel der Züge einen kontinuierlichen und damit wirtschaftlicheren Förderbetrieb erlaubt. Ein zusätzliches „R“ verweist auf ein Raupenfahrwerk anstelle des standardmäßigen Schienenfahrwerks, und das kleingeschriebene „s“ markiert die Schwenkbarkeit des Oberwagens. Die Ergänzung „.2“ am Ende der Bezeichnung gibt zudem an, dass die Maschine mit zwei Schüttschächten zur Beladung ausgestattet ist.

Technische Daten Die technischen Daten der Baureihe variierten je nach spezifischer Ausführung leicht. Exemplarisch für die Variante Es 1120.2 beträgt die Gesamtmasse etwa 1250 t bei einer Gerätehöhe von 27,6 m und einer Gesamtbreite von 79,2 m. Die Eimerkette war mit 40 Einzeleimern bestückt, die jeweils ein Fassungsvermögen von 1120 Litern aufwiesen. Damit erreichte das elektrisch angetriebene Gerät eine theoretische Förderleistung von 1920 m³/h. Der Betrieb des Baggers erfordert eine Besatzung von drei bis fünf Mann.

Verbleib mini|Eimerkettenbagger Es 1120.2 mit der Baunummer 651 im Freilichtmuseum Ferropolis (2007) Nach dem Zusammenbruch der DDR wurden die meisten Geräte dieser Baureihe im Zuge der Stilllegung vieler Tagebaue verschrottet.

Ein Exemplar der Variante Es 1120.2 mit der Baunummer 651 blieb jedoch erhalten. Dieser Bagger wurde ab 1962 zusammen mit dem baugleichen Gerät mit der Baunummer 650 im Tagebau Schlabendorf-Nord eingesetzt, um Deckgebirge bis zu einer Mächtigkeit von 30 Metern abzutragen. 1970 erfolgte die Umsetzung von Bagger 651 in den Tagebau Golpa-Nord. Nach der Einstellung der Förderung 1991 verblieb das Gerät am Standort und wurde Teil des Ensembles des Freilichtmuseums Ferropolis auf einer Halbinsel im Gremminer See.

Einzelnachweise

Kategorie:Mehrgefäßbagger