Chen Jue () ist ein chinesischer Dokumentarfilm- und Fernsehdramaregisseur sowie -produzent. Er gehörte gemeinsam mit Shi Jian, Wang Zijun und Kuang Yang dem experimentellen Dokumentarfilm-Kollektiv Structure Wave Youth Cinema (SWYC) an. Er machte sich insbesondere durch die (mit Shi Jian umgesetzte) achtteilige Reihe Tiananmen (1988–1991) und die (mit Jiu Ke umgesetzte) vierteilige Umweltdokumentation Only One Earth (1990) einen Namen. Mehrere Arbeiten aus diesem Umfeld wurden nach 1989 zensiert und erst in jüngerer Zeit wieder in kuratierten Reihen öffentlich zugänglich gemacht.

Leben Chen Jue schloss 1985 ein Studium der Fernsehregie am Pekinger Rundfunkinstitut (heute Chinesische Universität der Kommunikation) ab. Ende der 1980er-Jahre wandte er sich der Dokumentarfilmproduktion zu und schloss sich der SWYC-Gruppe an. Er arbeitete über weite Teile seiner Laufbahn im chinesischen Staatsfernsehen und setzte dort Dokumentarfilme über sozialen Wandel um, deren Ausstrahlung teils als schwierig galt. Später war er Mitglied eines Expertengremiums des Filmkanals CCTV-6 und wirkte als internationaler Dokumentarfilmjuror beim Internationalen Bildfestival Xi’an. Für die Berliner Reihe China: Unseen Histories, Unsettled Memories war er 2026 für Publikumsgespräche im Sinema Transtopia zu Gast.

Wirken Chen Jue begann gemeinsam mit Shi Jian Ende der 1980er-Jahre die Arbeit an Tiananmen, einer umfangreichen filmischen Bestandsaufnahme des Alltags in Peking. Die Reihe entstand zwischen 1988 und 1991 und basiert auf mehr als 100 Interviews mit Menschen aus unterschiedlichen sozialen Milieus rund um den Tian’anmen-Platz. Das Material wurde zu acht Episoden montiert, die Gesprächsszenen mit weiterem Bildmaterial kombinieren. Geplant war eine Ausstrahlung zum Nationalfeiertag am 1. Oktober 1989 bei China Central Television (CCTV), die jedoch kurz vor dem Termin abgesetzt wurde. Auch eine bereits vorgesehene Aufführung auf dem Hongkonger Filmfestival 1992 kam nicht zustande. Ein späteres Wiedersehen mit der Reihe wurde im Oktober 2024 an der Harvard University mit einem Screening-Programm verbunden, das die acht Teile in Blöcken zeigte und ihre Themen nach Episoden aufschlüsselte. Teile der Reihe werden auch in Museen gezeigt, etwa als Tiananmen Square, Part 1: The Old City (1991) in der Sammlung des Museum of Modern Art. Mit Jiu Ke setzte Chen Jue Only One Earth (1990) um, eine vierteilige Umweltdokumentation, die ökologische Krisen und die Kosten der Industrialisierung essayistisch betrachtet. Die Produktion wurde für CCTV hergestellt, bestand jedoch die Zensur nicht und wurde über viele Jahre nicht öffentlich ausgestrahlt. Only One Earth ist eine filmische Annäherung an die Umweltkatastrophen jener Zeit. Die Berliner Wiederentdeckung im März 2026 kommt der Filmgeschichtsarbeit zugute, die zensierte und lange unsichtbare Werke der New-Documentary-Bewegung erneut zugänglich macht.

Einzelnachweise

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