Cambete war ein römischer Vicus und Kastellort am Rhein in der heutigen französischen Gemeinde Kembs im Département Haut-Rhin. Die genaue Lage des Kastells ist aktuell unbekannt.

Erwähnungen mini|Cambete auf der Tabula Peutingeriana als zweites oben rechts Cambete wird als „Cambete“, „Cambatem“ und „Cambate“ im Itinerarium Antonini erwähnt, ein unter Caracalla (Regierungszeit 198–217) erstelltes Straßenverzeichnis. Ebenso erscheint der Ort auf der Peutingerschen Tafel. Der heutige Name Kembs leitet sich vom römischen Ortsnamen ab.

Lage Cambete diente als wichtiger Umschlageplatz zwischen Rhein und Rhone und besaß damit eine strategische Bedeutung als Verbindung zwischen dem Mittelmeerraum und den nördlichen Provinzen. Eine Verkehrsstraße verlief durch das Rhonetal, vorbei an Lugdunum (Lyon), Vesontio (Besançon) und Epomanduodurum (Mandeure), durchquerte den Sundgau und erreichte Cambete. Diese kreuzte sich hier mit der Rheintalstraße, die Argentorate (Straßburg) mit Augusta Raurica (Augst) miteinander verband. Ebenso von zentraler Bedeutung war eine Brücke über den Rhein, die in die Agri decumates führte.

Cambete lag in der Provinz Germania Superior bzw. später Germania prima und in der Civitas Rauricorum.

Geschichte Infolge des Gallischen Krieges in den 50er Jahren v. Chr. gelangte das Elsass unter römische Herrschaft. Über die folgenden Jahrzehnte ist – insbesondere hinsichtlich der Organisation und Etablierung der römischen Verwaltung – nur wenig bekannt.

Um 10 v. Chr. beauftragte Kaiser Augustus seinen Stiefsohn Drusus mit dem Bau zahlreicher Befestigungsanlagen entlang des Rheins. Cambete wird als eines dieser frühen Militärlager angesehen und unter Kaiser Claudius (41–54 n. Chr.) weiter ausgebaut. Zwischen 45 und 69 n. Chr. war dort eine Abteilung der Legio XXI Rapax stationiert, deren Hauptlager sich in Vindonissa (dem heutigen Windisch) befand.

Unter den flavischen Kaisern verlagerte sich die Reichsgrenze schrittweise in das rechtsrheinische Gebiet, wodurch der Limes entstand. Dieser wurde um 260 n. Chr. aufgegeben, woraufhin der Rhein erneut die Grenze des Römischen Reiches bildete.

In der Mitte des 4. Jahrhunderts kam es zu einem groß angelegten Einfall der Alamannen in das Elsass und die Nordwestschweiz. Kaiser Valentinian I. (364–375) ließ daraufhin das Grenzverteidigungssystem durch den Bau von Kastellen und Wachtürmen (burgi) verstärken. Auch in Cambete entstand in diesem Zusammenhang ein Kastell, das offenbar über einen Brückenkopf am rechten Rheinufer verfügte.

Während der Regierungszeit Kaiser Gratians (367–383) entwickelte sich Cambete zeitweise zu einer kaiserlichen Residenz. Der endgültige Abzug der dort stationierten Truppen erfolgte vermutlich im Jahr 405 auf Befehl des Heermeisters Stilicho. In dieser Phase war das Weströmische Reich sowohl durch äußere Bedrohungen – insbesondere durch die Westgoten – als auch durch innere Konflikte geschwächt. Mit dem Militär dürfte auch ein Großteil der zivilen Bevölkerung den Ort verlassen haben, sodass die römische Herrschaft in der Region in der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts zusammenbrach.

Archäologische Funde belegen die militärische Präsenz in Cambete. Hierzu zählen insbesondere Ziegelstempel der Legio XXI Rapax sowie militärische Ausrüstungsgegenstände wie Fibeln, Beschläge von Schwertscheiden und Teile von Gürtelschnallen, die teilweise bis in das 4. Jahrhundert datieren.

Forschungsgeschichte

Ausgrabungen 1986–1988 Ab 1984 führte das Archäologische Forschungszentrum Sundgau (CRAS) erste elektromagnetische Prospektionen in Kembs durch. Diese Untersuchungen ermöglichten eine Gliederung der Besiedlung in eine frühe und mittlere Phase (späte Latènezeit sowie 1. und 2. Jahrhundert n. Chr.) sowie in eine spätantike Phase. Geophysikalische Messungen wiesen archäologische Strukturen auf einer Fläche von rund 40 Hektar nach; ergänzende Luftbildaufnahmen erweiterten den bekannten Siedlungsbereich.

Im Jahr 1986 leitete der Archäologe Jean-Jacques Viroulet eine großflächige Ausgrabung, bei der die Überreste eines bedeutenden Gebäudes freigelegt wurden, das als „Domus“ bezeichnet wird. Es handelt sich um ein zweigeschossiges gallo-römisches Wohnhaus aus dem 1. und 2. Jahrhundert, das sowohl privaten als auch repräsentativen Zwecken diente. Mit einer Grundfläche von etwa 660 m² zählt es zu den außergewöhnlich großen Gebäuden innerhalb eines vicus. Die Ausstattung umfasste unter anderem Badeanlagen und eine Hypokaustenheizung; Brunnen befanden sich sowohl innerhalb als auch außerhalb des Gebäudes.

Entlang der Ostseite schlossen sich Ladenräume an, die durch einen von Säulen getragenen Portikus geschützt waren. Zahlreiche Funde – darunter Keramikfragmente, etwa fünfzig Fibeln verschiedener Typen sowie mehrere Dutzend Münzen – ermöglichen eine Datierung der Errichtung in die claudisch-neronische Zeit. Nach dem vollständigen Abbruch des Gebäudes in der Mitte des 2. Jahrhunderts wurde das Areal planiert und mit einer Kiesschicht bedeckt. Zu Beginn des 3. Jahrhunderts entstand an gleicher Stelle ein Neubau, der teilweise auf den Fundamenten der älteren Struktur errichtet wurde, jedoch bereits im Verlauf desselben Jahrhunderts wieder aufgegeben wurde.

Die Größe und Ausstattung der Anlage deuten darauf hin, dass sie im Besitz eines Angehörigen der lokalen Oberschicht war. Diese Interpretation wird unter anderem durch Funde von Öllampenfragmenten gestützt, die in der römischen Kaiserzeit als Luxusgüter galten.

Ausgrabungen in den 1990er Jahren Der östlich des Vicus gelegene Friedhof wurde 1990/91 im Rahmen von Notgrabungen untersucht. Die etwa 20 erfassten Bestattungen datieren in die Zeit vom späten 4. bis zum frühen 5. Jahrhundert.

Im Vorfeld der Erschließung des Gewerbegebiets „Neuweg“ entlang der Landstraße D468 wurde 1991 unter der Leitung von Jean-Jacques Wolf eine Rettungsgrabung durchgeführt. Auf einer Fläche von rund 0,5 Hektar wurde ein umfangreicher Gebäudekomplex aus dem 1. Jahrhundert freigelegt, der sich über etwa 2.300 m² erstreckte und mehr als 40 Räume umfasste. Im nördlichen Bereich befand sich vermutlich ein Wohn- und Verwaltungsgebäude mit zentralem Innenhof, während im Süden eine größere Badeanlage mit Umkleideraum (Apodyterium) nachgewiesen wurde.

Der Komplex wird als Kombination aus Principia (Stabsgebäude) – dem Verwaltungszentrum einer militärischen Einheit – und einer Mansio interpretiert, also einer staatlichen Herberge für Reisende und Beamte. Die Anlage entstand während der Regierungszeit des Kaisers Claudius (41–54 n. Chr.) und wurde nach ihrer Aufgabe gegen Ende des 2. Jahrhunderts weitgehend abgetragen.

Weitere Rettungsgrabungen fanden 1993 und 1996 in der Rue des Prés statt. Dabei wurden Gebäude mit Werkstätten und Wohnräumen freigelegt. Die Funde weisen auf handwerkliche und gewerbliche Tätigkeiten hin, darunter Schmiede, Händler und Metzger. Im rückwärtigen Bereich befanden sich Keller, Brunnen und Abfallgruben. Am südlichen Rand wurde zudem ein Frauengrab entdeckt, dem ein Bronzeskalpell als Beigabe beigelegt war.

1999 wurde an der Kreuzung der Römerstraße mit der D468 ein Teil einer größeren Villa freigelegt. Ein Raum mit Hypokaustenheizung wird als Bad interpretiert, während drei weitere Räume Wandmalereien und Mosaikreste aufwiesen. Die Anlage datiert in das 2. Jahrhundert. Im selben Jahr wurde im Ortsteil Loechle ein gallo-römischer Ziegelbrennofen entdeckt.

Ausgrabung 2021 Im Zuge der Erweiterung des Campingplatzes nahe dem Rheinufer wurde 2021 eine weitere Ausgrabung durchgeführt. Dabei kamen die Überreste einer ausgedehnten spätantiken Nekropole sowie mehrerer öffentlicher Gebäude zutage.

Im südöstlichen Bereich der Grabungsfläche wurden Gruben und Pfostenlöcher festgestellt, die auf leichte Bauwerke hindeuten, möglicherweise im Zusammenhang mit der nahegelegenen Brücke. Keramikfunde aus einem großen Graben ermöglichen eine Datierung seiner Anlage in die Mitte des 1. Jahrhunderts; seine endgültige Verfüllung erfolgte zu Beginn des letzten Drittels des 4. Jahrhunderts. Die übrigen Befunde gehören überwiegend in die Spätantike.

Zwei parallel zur Hauptstraße verlaufende Wege konnten nachgewiesen werden. Einer steht vermutlich mit dem genannten Graben in Verbindung, während der andere zur Brücke führte. In diesem Zusammenhang wird die Existenz einer weitläufigen Esplanade mit kleineren Gebäuden bereits gegen Ende des 1. Jahrhunderts angenommen, die möglicherweise der Kontrolle und Besteuerung des Warenverkehrs diente.

Insgesamt wurden 214 Bestattungen dokumentiert, von denen 163 näher untersucht werden konnten. Die Analyse von Fibeln und Schmuck legt nahe, dass ein Teil der Bestatteten aus rechtsrheinischen Bevölkerungsgruppen stammte, die als Foederaten mit dem Römischen Reich verbündet waren und im 5. Jahrhundert militärische Aufgaben an der Grenze übernahmen. Etwa 50 Meter östlich der spätantiken Nekropole wurden zudem zwei merowingische Gräber sowie ein Pferdegrab aus der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts entdeckt.

Zu einem weiteren bedeutenden Fund zählt ein unvollständiger Meilenstein mit zwei voneinander unabhängigen Inschriften:

a: Imp(eratori) C[aes(ari)] | C(aio) Valerio | Diocletian[o] | Aug(usto), p(io), f(elici), [---] | invinc(to) [---] | ------ b: [---?] | Im[pp(eratoribus)Caess(aribus)] | P(ublio) L(icinio) V[aleriano] | and P(ublio) L(icinio) G[allieno], | p(atri) p(atriae), pr[oco(n) s(uli)] | ------.

Übersetzt: a: „Dem Kaiser Caesar Gaius Valerius Diocletian Augustus, fromm, glücklich, (…), unbesiegt, …“. b: „Den Kaisern Caesar P. Licinius Valerianus (…?) und P. Licinius Gallienus, Vater des Vaterlandes, Prokonsul, …?“.

Der ältere Text mit der Erwähnung der Kaiser Valerian und Gallienus stammt aus der Zeit zwischen 253 und 260. Kaiser Diokletian hingegen regierte von 284 bis 304.Une borne routière opisthographe. Découverte épigraphique exceptionnelle à Kembs. Auf antea-archeologie.com (französisch) am 10. Januar 2024, abgerufen am 10. Mai 2026.

Siedlungsaufbau

Die städtebauliche Entwicklung von Cambete lässt sich wie folgt beschreiben: Die im zentralen Bereich der heutigen Siedlung freigelegten Überreste weisen auf eine Besiedlung bereits im ersten Drittel des 1. Jahrhunderts n. Chr. hin. Ab der Mitte des 1. Jahrhunderts dehnte sich die Siedlung beidseitig der Rue des Prés, der heutigen Hauptstraße, aus. Im letzten Drittel desselben Jahrhunderts erfolgte eine Ausweitung in Richtung Rhein, vermutlich im Zusammenhang mit dem Bau einer Brücke sowie einer Uferstraße.

Erste Anzeichen eines Niedergangs sind für die Zeit zwischen 235 und 240 n. Chr. belegt. Diese äußern sich in einer rückläufigen Besiedlung des Zentrums sowie in der Aufgabe einzelner Siedlungsbereiche. Ab dem späten 3. Jahrhundert scheint sich die Besiedlung auf einen schmalen Streifen entlang des Rheinufers im Gebiet des „Mühlfelds“ konzentriert zu haben. Diese Annahme stützt sich auf magnetische Untersuchungen der Jahre 1989 und 1990 sowie auf eine Sondage im Jahr 2005 im Bereich „Pelzmatten“.

Im Zuge von Bauarbeiten am nahe gelegenen Grand Canal d’Alsace wurden im April und Mai 1950 sechs Brückenpfeiler freigelegt, die in etwa 14 Metern Tiefe auf Fels gegründet waren. Die Überreste lassen nur begrenzte Rückschlüsse auf die ursprüngliche Konstruktion zu. Form und Größe der Steinblöcke weisen jedoch Parallelen zu denen in Argentorate auf und sprechen für eine Datierung in das späte 1. Jahrhundert. Verkohlte Holzreste deuten darauf hin, dass lediglich die Fundamente aus Stein bestanden, während der Brückenaufbau aus Holz gefertigt war. Die Brücke hatte eine strategische Bedeutung, da sie den Übergang in die Agri decumates kontrollierte.