Walter Böckh (* 9. Mai 1904 in Weisweil am Kaiserstuhl; † 2. November 1989 in Heidelberg) war ein deutscher Maler und Graphiker. Fast dreißig Jahre war er als Kunstpädagoge am Kurfürst-Friedrich-Gymnasium in Heidelberg tätig. Als freischaffender Künstler schuf er ein umfangreiches Werk, das von der Neuen Sachlichkeit geprägt ist, aber erst kurz vor seinem Tode durch eine Ausstellung in der Alten Universität Heidelberg einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde.

Leben Walter Böckh entstammte väterlicherseits einer schwäbischen Theologenfamilie. Sein Vater Siegfried Böckh (1871–1952) war evangelischer Pfarrer. Die Mutter Martha Felicitas Thomas (1873–1941) war ausgebildete Sängerin, Tochter eines Kurarztes in Badenweiler und Schwester des Musikwissenschaftlers Wolfgang Alexander Thomas-San-Galli (1874–1918).

Nach dem Abitur 1924 am Realgymnasium in Ettenheim bei Lahr studierte Böckh von 1924 bis 1929 an der Badischen Landeskunstschule in Karlsruhe (heute: Akademie der Bildenden Künste). Zu seinen Lehrern zählten der von Hans Thoma beeinflusste Ernst Würtenberger, Georg Scholz, Hermann Gehri und Walter Conz. Das Studium stand im Zeichen der Neuen Sachlichkeit. 1929 legte er das Staatsexamen für das künstlerische Lehramt ab.

Von 1929 bis 1933 absolvierte er das Referendariat und war im Schuldienst in Karlsruhe, Kenzingen und Rastatt tätig. Ab 1933 unterrichtete er als Kunsterzieher am Kurfürst-Friedrich-Gymnasium in Heidelberg. 1934 war er Gast bei der Badischen Secession, die 1936 aufgelöst wurde.

1934 heiratete er die ebenfalls an der Karlsruher Akademie ausgebildete Bildnismalerin Lotte Böckh-Vetter (1904–1950).

1940 wurde Böckh zum Kriegsdienst eingezogen, was seine berufliche Tätigkeit unterbrach. 1941 leitete er vorübergehend eine Vorklasse an der Badischen Landeskunstschule in Karlsruhe. Von 1942 bis 1945 war er erneut Soldat. Nach Kriegsende geriet er 1945–1946 in Kriegsgefangenschaft (Lager Kreuznach, Bolbec und Rennes).

1946 nahm er die Tätigkeit als Kunstpädagoge am Kurfürst-Friedrich-Gymnasium wieder auf. 1966 ging er in Pension und arbeitete fortan ausschließlich als freischaffender Künstler.

Die veränderten Verhältnisse nach 1945 ermöglichten ausgedehnte Studienreisen nach Italien und Frankreich. Später folgten Aufenthalte in Brasilien und Peru.

Kurz vor seinem Tod veranstalteten das Kurfürst-Friedrich-Gymnasium, das Kurpfälzische Museum und der Heidelberger Kunstverein in den Räumen der Alten Universität Heidelberg eine umfangreiche Ausstellung seines Werks (16. September bis 8. Oktober 1989). Sie machte sein Lebenswerk erstmals einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich.

Werk mini|Walter Böckh, 1973, « am Genfer See unter Platanen », Öl auf Leinwand Böckh schuf ein beachtliches Œuvre als Maler und Graphiker. Seine künstlerische Ausbildung in den 1920er Jahren war von der Neuen Sachlichkeit geprägt. Die Nachkriegsreisen nach Italien, Frankreich sowie später nach Südamerika beeinflussten seine Arbeiten nachhaltig.

Literatur

Stadt Heidelberg, Heidelberger Kunstverein (Hrsg.): Walter Böckh. Ausstellung in der Alten Universität Heidelberg vom 16.9.–8.10.1989. Kurfürst-Friedrich-Gymnasium, Kurpfälzisches Museum, Heidelberger Kunstverein, Heidelberg 1989. ISBN 978-3-926905-05-5. Stilstreit und Führerprinzip, Künstler und Werk in Baden 1930–45, ISBN 3-89309-024-X. Katalog der Ausstellung des Badischen Kunstvereins Oktober/Dezember 1987, Herausgeben von Winfried Rössling, Kat. Nr. 11, S. 249, Abb. 67, S. 12. Jahrbuch zur Geschichte der Stadt Heidelberg S 147,148, deutsche Bibliothek, Reinhard Riese 2022

Weblinks

Eintrag zu Walter Böckh bei LEO-BW Walter Böckh – Malerei des Sonderimpressionismus in BADENWEILER, Lichtgeschwindigkeit 5839 vom Sonntag, 30. August 2015 Walter Böckh bei artist-info (mit Verweisen auf Ausstellungen)

Einzelnachweise

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