Komarno (deutsch Kammerswaldau) ist ein Ort in der Landgemeinde Janowice Wielkie im Powiat Karkonoski der Woiwodschaft Niederschlesien in Polen. Es liegt im Bober-Katzbach-Gebirge. Ortsteil von Komarno ist Chałupy (umgangssprachlich Kolonia Komarno).

Geschichte Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Waldhufendorf „Kemreswalde“ im Jahr 1305.https://www.e-karkonosze.pl/komarno/ Polnische Webseite e-karkonosze.pl Nachrichten über eine damals existierende Kirche stammen aus dem Jahr 1318.

Erster Besitzer von Kammerswaldau soll 1549 Balthasar von Zedlitz gewesen sein, dessen Familie eigenen Angaben zufolge um 1270–1280 aus dem Voigtland nach Schlesien eingewandert war. 1686 verkaufte der Stadtrat von Hirschberg die Obergerichte über Kammerswaldau an Friedrich von Zedlitz „für 100 Rthlr. baare Zahlung“. Im Jahr 1770 gehörte Kammerswaldau dem Johann August Baron von Bothmer.

Um 1786 lebten in Kammerswaldau 160 Häusler, 28 Kleinbauern und 20 Bauern, der Ort war auch Zentrum der Heimweberei; zu dieser Zeit gab es im Ort eine evangelische und eine katholische Kirche; in Aufzeichnungen wird auch eine 1742 gegründete evangelische Schule erwähnt. Im 19. Jahrhundert gab es bereits 213 Häuser, ein Herrenhaus, zwei Bauernhöfe, eine Windmühle und Wassermühlen.

Nach dem Tode des Barons Johann August von Bothmer 1804 ging Kammerswaldau an einen General Lindner über, dem es bis 1830 gehörte. Diesem folgte bis 1837 Frau Landrätin von Stosch, geborene von Mustowska. 1837 erwarben es der Kommerzienrat Johann Friedrich (1784–1842) und dessen Ehefrau Luise Lösch, geborene Hollmann aus Breslau. Sie und ihre Nachfahren lebten auf dem Schloss Kammerswaldau. Deren Sohn, Heinrich Balthasar von Loesch, Landesältester und Mitglied der Deutschen Adelsgenossenschaft sowie Rittergutsbesitzer auf Kammerswaldau erbte 1861 den elterlichen Besitz. Er wurde 1872 geadelt, seitdem schreibt sich die Familie mit „oe“. Dessen Sohn, Ernst Heinrich von Loesch, verheiratet mit Martha, geborene von Boineburg, sollte der letzte Kammerswaldauer Gutsbesitzer sein. Er starb 1945 in einem Flüchtlingslager in Hoyerswerda an Diphtherie. Sein Sohn, Achim von Loesch, wurde als letzter Spross seiner Familie am 16. Juli 1923 in Kammerswaldau geboren.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann Kammerswaldau wegen seiner landschaftlich malerischen Lage, den Tourismus zu nutzen. Vor dem Zweiten Weltkrieg gab es vier Beherbergungsbetriebe, einer war ein Hofgasthof.

Infolge des Zweiten Weltkriegs fiel Kammerswaldau zur Verwaltung an Polen und wurde in Komarno umbenannt. Die einheimische deutsche Bevölkerung wurde, soweit sie nicht vorher geflohen war, weitgehend vertrieben. Die neu angesiedelten Bewohner waren teilweise Zwangsumgesiedelte aus Ostpolen, das an die Sowjetunion gefallen war.

Bis 1970 gab es eine große Mühle. In den 1980er Jahren gab es im Dorf etwa 111 Bauernhöfe, deren Zahl bis Ende der 1980er Jahre auf 46 sank.

Sehenswürdigkeiten mini|links|Evangelische (links) und katholische Kirche mini|links|Evangelische Kirche innen mini|links|Schlosspark Römisch-katholische Hilfskirche mit dem Patrozinium Johannes der Täufer aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts mit zugehörigem Friedhof. Im Süden neben der Saalkirche liegt die barocke Grabkapelle der Herren von Bothmar von 1780. Das Kirchengebäude wurde 1979 renoviert. Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler in Polen. Schlesien. Deutscher Kunstverlag, München u. a. 2005, ISBN 3-422-03109-X, S. 464 Evangelische Kirche St. Maria Trost (Kościół pw. św. Jacka) von 1769–72 hat einen achteckigen Grundriss und zwei Eingänge mit Tympanon. Auf dem Dachreiter ist ein Zwiebelhelm, im Inneren eine Holzkuppel, umlaufende zweistöckige Säulenemporen sowie ein Kanzelaltar. Erbauer war Maurermeister Demus aus Hirschberg, die Baukosten betrugen 4000 Taler. 1822, zum 50-jährigen Jubiläum des Bethauses, setzte man auf das Dach einen Turm. Er wurde bewusst der Turmspitze der benachbarten katholischen Kirche aus dem 17. Jahrhundert angeglichen, um ein einheitliches architektonisches Bild zu erhalten. Die evangelische Kirche hing ihre neue Kirchenglocke aus statischen Gründen nicht im Turm ihres Bethauses auf, sondern im Turm der katholischen Kirche.https://vskschlesien.de/projekte/bethauskirche/ Artikel auf der Webseite vskschlesien.de Schlossensemble aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, umgebaut im 19. Jahrhundert, mit dem dazugehörigen Park. Das Gebäude wurde 1842 grundlegend umgebaut, weitere Umbauten folgten 1870 und 1893. Im Inneren gibt es eine frühere Kapelle.

Personen Karl Christian Reinhold von Lindener (1742–1828), Gutsbesitzer in Kammerswaldau

Literatur Joachim von Loesch: Kammerswaldau. Die Geschichte eines schlesischen Dorfes, seines Schlosses und seines Rittergutes, 208 Seiten, 16 Abbildungen, drei Landkarten, 2001, ISBN 3-931889-05-X Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler in Polen. Schlesien. Deutscher Kunstverlag, München u. a. 2005, ISBN 3-422-03109-X, S. 464

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