mini|Innenhof des Wittelsbacher Schlosses in Friedberg Das Museum im Wittelsbacher Schloss ist ein stadtgeschichtliches Museum in Friedberg in Bayern. Das 1886 gegründete und 2019 neu gestaltete Museum im Südflügel des Schlosses ist für seine Sammlung Friedberger Uhren bekannt.
Geschichte Die Museumsgründung geht auf eine Initiative des königlichen Bezirksamtmanns Max Aigner zurück. Friedberger Bürger gründeten am 10. Mai 1886 einen Verein mit dem Ziel, Gegenstände von geschichtlicher Bedeutung zu sammeln und für kommende Generationen zu bewahren. Den Grundstock bildete eine Sammlung von Grabungsfunden, Keramiken, Gemälden und Urkunden des Glasermeisters Hans Trinkl, der die Aufgabe des Kustos übernahm. Erster Ausstellungsort war das neben der Tordurchfahrt des Schlosses gelegene Torwärterstübchen. Bereits 1889 wurde die Sammlung auf die Stadt Friedberg übertragen und ab 1890 im Rittersaal des Schlosses präsentiert. Der Historische Verein stellte weiterhin die ehrenamtliche Leitung des nun städtischen Museums. Während die Stadt in den wirtschaftlich schwierigen 1920er Jahren die Mietkosten übernahm, blieben die Probleme mit Platzmangel, Kälte und Feuchtigkeit in den unbeheizten Räumen bestehen. Im September 1945 wurde das Museum auf Anordnung der Militärregierung aufgelöst, um die Räume im Schloss anderweitig zu nutzen.
Nach der Reaktivierung des in Heimatverein Friedberg umbenannten Historischen Vereins konnte das Museum am 20. März 1949 wieder öffnen. Mit der Schlossrenovierung ab 1977 wurde es zu einem regionalen Schwerpunktmuseum ausgebaut und 1982 unter hauptamtliche Leitung gestellt. In den folgenden Jahrzehnten vergrößerten Schenkungen und Ankäufe von Uhren und Fayencen die Sammlung. 1993 gründeten Uhrenliebhaber den Verein der Freunde des Museums im Schloss Friedberg als weiteren Förderverein.
Im Jahr 2007 kaufte die Stadt Friedberg das Schloss zur Einrichtung eines kulturellen Zentrums. Mit Beginn des Umbaus Anfang 2015 musste die Sammlung in ein neu gebautes Museumsdepot ausgelagert werden. Die Dauerausstellung wurde in zwei barrierefrei erschlossene Etagen des Südflügels verlegt. Zwei große Säle im Erdgeschoss, ursprünglich Rittersaal und Remise, können als Multifunktionsräume für Sonderausstellungen genutzt werden. Seit dem 10. Mai 2019 ist das neu gestaltete Museum im Wittelsbacher Schloss wieder geöffnet.
Ausstellung Der Rundgang durch die Dauerausstellung beginnt mit der Stadtgeschichte. Rund um ein Stadtmodell mit historischem Stadtplan werden die Lage an der Grenze des Herzogtums Bayern zu Augsburg und deren Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung erläutert. Fotografien und Exponate veranschaulichen die Veränderungen in der jüngeren Vergangenheit.
In fünf Räumen werden Friedberger Uhren gezeigt und Aufstieg, Blütezeit und Niedergang des örtlichen Uhrmacherhandwerks vom 16. bis zum 19. Jahrhundert thematisiert. Neben einem einführenden Film sind in der Ausstellung Sonnenuhren, Taschen- und Kutschenuhren sowie Tisch- und Nachtlichtuhren zu sehen. Modelle und eine Medienstation erläutern die Funktion eines mechanischen Uhrwerks und dessen Komponenten. Historische Uhrmacherwerkzeuge wie Klobensäge und Zahnradschneidemaschine geben Einblick in die handwerkliche Tätigkeit. Eine Kutschenuhr des Uhrmachers Joseph Spiegel gehört zu den 100 Heimatschätzen, die als regionaltypische Objekte Bayerns ausgezeichnet wurden.
Von 1754 bis 1768 gab es im Friedberger Schloss eine Fayence-Manufaktur. Die Ausstellung erläutert den Herstellungsprozess und zeigt eine Auswahl von Fayencen mit verschiedenen Dekoren.
In der archäologischen Abteilung sind Fundstücke aus der Stein- und Bronzezeit, der römischen Besiedelung und dem frühen Mittelalter zu sehen. Das Modell einer Römervilla und eine interaktive Karte veranschaulichen die Fundorte, die Aufschluss über die Siedlungsgeschichte der Lechleite geben.
Ein weiteres Thema ist die Wallfahrt mit den drei Friedberger Wallfahrtskirchen Herrgottsruh, St. Afra im Felde und Maria Alber. Die Ausstellung zeigt Gemälde und Skulpturen aus dem Bereich der sakralen Kunst sowie liturgisches Gerät.
Abschließend werden drei Friedberger Künstler vorgestellt. Das Museum zeigt Werke des Malers Karl Müller-Liedeck (1915–2009), Druckgrafiken von Fritz Schwimbeck (1889–1977) sowie Münzen, Medaillen und Briefmarken, die der Künstler Reinhart Heinsdorff (1923–2002) gestaltet hat.
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
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