Strange River (katalanischer Originaltitel: Estrany riu) ist ein spanisch-deutscher Spielfilm von Jaume Claret Muxart aus dem Jahr 2025. Das Coming-of-Age-Drama ist Muxarts Langfilmdebüt. Die Uraufführung erfolgte 2025 in der Sektion Orizzonti der Internationalen Filmfestspiele von Venedig.
Handlung Der 16-jährige Dídac verbringt mit seiner katalanischen Familie die Sommerferien auf einer Radtour entlang der Donau. Während die Eltern in Jugenderinnerungen schwelgen und die jüngeren Brüder seine Nähe suchen, zieht sich der sechzehnjährige Dídac mit Liebeskummer zurück. Die Begegnung mit einem rätselhaften Jungen verändert den Verlauf der Reise. Dessen geheimnisvolle Präsenz weckt in Dídac neue Gefühle und verändert zugleich sein Verhältnis zu seiner Familie.
Literarische Bezüge Der Film nimmt mehrfach Bezug auf literarische Werke. Dídacs Mutter Monika, die Schauspielerin ist, beschäftigt sich während der Reise mit Texten von Friedrich Hölderlin. Sie rezitiert Hölderlin und bereitet sich auf eine Aufführung seines Dramenfragments Der Tod des Empedokles vor. Regisseur Jaume Claret Muxart bezeichnete Hölderlins Verbindung von Naturerfahrung und menschlicher Wahrnehmung als einen wichtigen Bezugspunkt des Films. Während der Entwicklung des Projekts beschäftigte er sich zudem mit Claudio Magris "Donau – Biographie eines Flusses".
Eine weitere literarische Referenz ist Annemarie Schwarzenbach 1931 erschienener Debütroman Freunde um Bernhard. Monika liest während der Reise in der spanischen Übersetzung ‘‘Los amigos de Bernhard’’, wobei Dídac ihr beim Lernen des Textes zuhört. Andreas Wilink sieht in seiner Kritik in der Sissy eine Verbindung zwischen der Stimmung von Schwarzenbachs Roman und Dídacs Gefühlswelt. Wie die Titelfigur Bernhard ist Dídac 16 Jahre alt. Wilink beschreibt die Verwendung des Romans jedoch nicht als Adaption, sondern als eine im Film nur noch subtil erkennbare literarische Bezugnahme.
Produktion und Veröffentlichung Strange River wurde von ZuZú Cinema, Miramemira und Schuldenberg Films produziert. Das Drehbuch schrieben Jaume Claret Muxart und Meritxell Colell. Die Kamera führte Pablo Paloma, für den Schnitt zeichneten Maria Castan de Manuel und Meritxell Colell verantwortlich, die Musik komponierte Nika Son.
Die Dreharbeiten fanden vom 15. Juli bis 23. August 2024 in Baden-Württemberg und Bayern statt. Als Förderer werden dort der FilmFernsehFonds Bayern, der Deutsche Filmförderfonds und Eurimages genannt.
Nach der Uraufführung in der Sektion Orizzonti der Filmfestspiele von Venedig waren weitere Festivalstationen das Internationale Filmfestival von San Sebastián in der Sektion Zabaltegi-Tabakalera, das Busan International Film Festival in der Sektion Flash Forward sowie das Chicago International Film Festival, wo er als US-Premiere gezeigt wurde. Bei den Premis Gaudí erhielt er sieben Nominierungen, darunter für den besten Film, die beste Nachwuchsregie, die beste Kamera und die beste Originalmusik. Ebenso wurde Jaume Claret Muxart in der Kategorie Beste Nachwuchsregie bei den Goya Awards 2026 nominiert.
In Deutschland wurde der Titel von Salzgeber & Co. Medien am 27. August 2026 ins Kino gebracht.
Rezeption Dieter Oßwald schrieb auf Programmkino.de, das Coming-of-Age-Drama überzeuge durch „psychologische Präzision“ und eine „poetische Bildsprache von betörender Art“; die auf 16-mm-Material gedrehten Bilder entlang der Donau sorgten für einen „hypnotisierenden Leinwandsog“.
Janick Nolting urteilte bei Filmstarts, Muxarts Langfilmdebüt wachse „aus der Bewegung“ und entwickle seine Form weniger als lineare Erzählung denn als „lose Konstellation“.
Der Filmdienst beschrieb den Film als ein poetisch fotografiertes, kraftvoll gespieltes queeres Jugenddrama, dessen sommerträumerisch entrückte Atmosphäre sich allerdings ins sinnbildlich Ungefähre zu verflüchtigen droht.
Auszeichnungen
2025: Auszeichnung als Bester mediterraner Film bei den Filmfestspielen von Venedig 2025: Bisato d’Oro für den besten künstlerischen Beitrag bei den Filmfestspielen von Venedig 2025: Golden Puffin beim Reykjavík International Film Festival 2026: CineCoPro Award beim Filmfest München
Weblinks
Strange River beim deutschen Verleih Salzgeber
Einzelnachweise
Kategorie:Filmtitel 2025 Kategorie:Spanischer Film Kategorie:Deutscher Film Kategorie:Jugendfilm Kategorie:Homosexualität im Film