Die ganze Welt ein Bauhaus ist der Titel einer Tournee-Ausstellung, die von dem Kurator Boris Friedewald für das ifa (Institut für Auslandsbeziehungen) konzipiert wurde und seit 2018 in verschiedenen Museen weltweit zu sehen ist. Mehr als 100.000 Besucher hat die Ausstellung in Buenos Aires, Montevideo, Mexiko, Karlsruhe, Elmhurst (USA), Warschau, Worclaw, Nantou (Taiwan), Havanna, Riga und Tallinn erreicht.

Beschreibung Die künstlerische Leiterin Valerie Hammerbacher (ifa) und der Kurator Boris Friedewald zeigen die Kunstschule Bauhaus in kritischer und vielgestaltiger Weise als einen Ort der Diskussion um neue Gestaltungs- und Lebensentwürfe. Die Ausstellung stellt die Kunstschule Bauhaus, ihre Akteure und Werke zwischen 1919 und 1933 vor und geht der Frage nach wie es dem Bauhaus gelang, zum Inbegriff einer sozialen, gestalterischen und didaktischen Radikalerneuerung zu werden. Die Ausstellung widmet sich diesem Thema in acht Kapiteln aus der Innenperspektive in Weimar, Dessau und Berlin.

Der Ausstellungstitel „Die ganze Welt ein Bauhaus“ geht auf ein Zitat von Fritz Kuhr aus dem Jahr 1928 zurück. Er war von 1923 bis 1927 Student am Bauhaus, Mitarbeiter in der Werkstatt für Wandmalerei von 1928 bis 1929 und unterrichtete anschließend bis 1930 Zeichnen am Bauhaus. In vielerlei Hinsicht ist das Zitat für die Ausstellung programmatisch: Zum einen spielt es mit der Verwischung der Grenzen zwischen Kunst, Handwerk und Technik, die als ganze Welt der Gestaltung von Walter Gropius als Entwurfsziel proklamierte und welche die soziale Praxis aller beeinflussen sollte. So nimmt es andererseits den Tourneecharakter zum Anlass, um nicht nur den Verflechtungen, sondern den Modernen vor Ort nachzugehen und sich selbst als lernende Plattform zu verstehen.

Grundidee Die Ausstellung das Phänomen Bauhaus umfangreich in acht verschiedenen Kapiteln, die sich auf das Jahr 1919 bis 1933 konzentrieren: „Das Schwebende“ zeigt nicht nur, wie sich die Bauhäusler motivisch mit der Schwerelosigkeit beschäftigten, sondern wie Glas und Skelettbau die Architektur entmaterialisierten und der Stuhl als Luftsäule zum visionären Entwurfsziel wurde. Das Kapitel Experiment stellt die Objekte vor, welche sowohl das Ergebnis einer Material- und Raumforschung waren, welche auf Maß, Proportion und Befragung der Materialgrenzen aber auch auf Vervielfältigung und Serialität angelegt waren. Während das „Gesamtwerk“ die Synthese aller Künste, aber auch von Kunst und Wissenschaft und von Kunst und Leben in den Blick nahm, zeigen zentrale historische Objekte, die Feste und das Leben am Bauhaus unter der Überschrift Gemeinschaft. Dass das Bauhaus nicht nur linksutopisch ausgerichtet war, wird im Kapitel Der neue Mensch deutlich. Hier werden neue Menschenbilder gezeigt, welche sich durchaus auch in politisch-radikalen weltanschaulichen Ausrichtungen bewegten. Während „Kunst, Handwerk, Technik“ die Werkstätten und ihre Produkte präsentiert, zeigt „Radikale Pädagogik“ Aufbau und Lehre am Bauhaus. Transkulturelle Bezüge werden im Bereich Begegnungen deutlich. Denn Kulturbegegnungen wurden am Bauhaus durch Vorträge, zahlreiche Besucher aus aller Welt, umfangreiche Bestände in der Bauhaus-Bibliothek, aber auch in der Suche nach neuen Formen erkundet. So gab es beispielsweise persönliche Beziehungen zur Moskauer Kunstschule Whutein sowie auch die Bestrebung von Mies van der Rohe durch Partnerinstitute in USA das Bauhaus zu internationalisieren.

Das Bauhaus hat in den wenigen Jahren seines Bestehens, die Fragen, welche nach der rasanten Industrialisierung in Deutschland aufgeworfen wurden, aufgegriffen. Prägende Künstler der Moderne lehrten an dieser Schule und verbreiteten das Erbe nach ihrer Migration in viele Teile der Welt. Die Ausstellung präsentiert anhand von Fotos, Arbeiten auf Papier, Dokumenten, Filmen, Texten und Objekten die Entstehung und Ausgestaltung der Schule, die später zu einer Quelle für die Geschichtsschreibung und Popularisierung der Moderne wurde.

Künstler (Auswahl)

Marianne Ahlfeld-Heymann; Anni Albers; Josef Albers; Gertrud Arndt; Leo Baron; Rudolf Baschant; Herbert Bayer; Heinrich-Siegfried Bormann; Marianne Brandt; Marcel Breuer; Edmund Collein; Erich Consemüller; Christian Dell; Friedl Dicker; Franz Ehrlich; Lyonel Feininger; T. Lux Feininger; Carl Flieger; Walter Gropius; Josef Hartwig; Florence Henri; Hubert Hoffman; Johannes Itten; Ernst Kállai; Wassily Kandinsky; Peter Keler; Paul Klee; Kurt Kranz; Fritz Kuhr; Mikhail Larinov; Otto Lindig; Gerhard Marcks; Carl Marx; Hannes Meyer; Ludwig Mies van der Rohe; Moses Mirkin; Else Mögelin; Lucia Moholy; László Moholy-Nagy; Johann Niegemann; Richard Oelze; Lisbeth Oestreicher; Walter Peterhans; Grete Reichardt; Hajo Rose; Oskar Schlemmer; Arthur Schmidt; Joost Schmidt; Kurt Schmidt; Lothar Schreyer; Umbo (Otto Umbehr); Theo van Doesburg; Iwao Yamawaki

Ausstellungskatalog Der zur Ausstellungsreihe erscheinende Band "Die ganze Welt ein Bauhaus" reflektiert das Bauhaus als Schule in Weimar, Dessau und Berlin und stellt auch herrschende Bewegungen der Moderne in außereuropäischen Regionen in den Fokus. Die Publikation beleuchtet das Bauhaus mit seinen Ausdrucksformen, die weit über die konstruktivistische Sprache der 1920er-Jahre hinausgingen. Fallstudien u. a. aus Buenos Aires, Mexiko-Stadt, Santiago de Chile, Moskau und den USA, zeigen auf, dass das Bauhaus keine exklusive Unternehmung der Moderne war. Avantgarden in vielen Teilen der Erde betrachteten das Bauhaus aus ihrer eigenen Perspektive und integrierten es in ihre Diskurse. Damit wurde das Bauhaus ein weltweiter Motor für gesellschaftliche, kulturelle und politische Neuentwicklung.

Einzelnachweise

Kategorie:Ausstellung Kategorie:Bauhaus Kategorie:Veranstaltung 2018