350px Johannes Wiser, der Kompilator und Hauptschreiber der vier jüngsten Trienter Codices, ist 1455 Succentor des damaligen Schulmeisters an der Trienter Kathedrale. Dieser Artikel behandelt das Musikjahr 1455.
Ereignisse Heiliges Römisches Reich Herzogtum Brabant und Fürstbistum Lüttich Der Sänger und Komponist Constans Breuwe de Languebroek hat „von 1451 bis 1468/1469 eine Pfründe in der Kollegiatkirche von St. Servaas in Maastricht“. Er schickt „1455 auch Sänger nach Maastricht, woraus ersichtlich wird, daß er in St. Servaas bekannt gewesen sein dürfte“.
Herzogtum Österreich Der Kompilator musiktheoretischer Schriften Georg Erber ist im Jahr 1455 an der Wiener Universität immatrikuliert.
Hochstift Lüttich Der franko-flämische Sänger und Komponist Johannes de Stokem wird erstmals als „duodenus“ (einer von zwölf Geistlichen) an der Kathedrale Saint-Lambert in Lüttich erwähnt, wo er für einen großen Teil seiner Laufbahn als Priester bleibt.
Hochstift Trient Der Priester und Schulmeister an der Kathedralschule von Trient Johannes Wiser „ist der Kompilator und Hauptschreiber der vier jüngsten Trienter Codices“. Er beginnt mit der Erstellung seiner Kopien um 1454 und beendet diese um 1477. „Den ältesten bekannten Hinweis auf Wiser enthält ein Dok. vom 30. Juli 1455, das ihn als »succentor« des damaligen Schulmeisters an der Trienter Kathedrale, Johannes Prenner, erwähnt.“
Herzogtum Burgund Der franko-flämische Komponist, Dichter und Kleriker Gilles Binchois gehört der burgundischen Kapelle seit Ende Februar 1453 nur noch pro forma an, wird aber bis zu seinem Tod im Jahr 1460 weiter besoldet, wohl als eine Art Pension, so dass er in seinen letzten Lebensjahren beträchtliche Einkünfte gehabt haben muss.
Burgundische Niederlande Der franko-flämische Komponist, Sänger und Kleriker Johannes Martini hat möglicherweise in den Jahren 1443/1444 eine Anstellung an der Kathedrale in Antwerpen und danach 1454/1455 an St. Gudula in Brüssel (oder er ist am Hof von Herzog Albrecht VI. von Österreich tätig).
Herzogtum Savoyen Der französische Schriftsteller und Komponist Eloy d’Amerval ist vom 1. Mai 1455 bis zum 31. August 1457 als Tenor in der Kapelle von Herzog Ludwig von Savoyen († 1465) tätig. In dieser Zeit ist Guillaume Dufay dort der Chormeister. Der flämische Komponist, Sänger und Musiktheoretiker Guillaume Dufay kehrt 1452 erneut nach Savoyen zurück und bleibt bis etwa 1458 in Italien, während er nach einer festen kirchlichen Pfründe oder dauerhaften Anstellung sucht. Seine Rolle dort ist inoffiziell bzw. ehrenhalber die eines Kapellmeisters (Choirmaster) für Herzog Ludwig bzw. Mitglied der savoyischen Hofkapelle. Andreas Picardi ist vom 1. Mai 1449 bis zum 1. Oktober 1455 Sänger der herzoglichen Kapelle von Savoyen.
Italienische Staaten Herzogtum Mailand Der italienischer Tanzmeister und Tanztheoretiker, Choreograf, Poet und Literat Antonio Cornazzano, der von 1443 bis 1448 an der Universität in Siena studiert hat, ist spätestens ab 1454 am Hof von Francesco Sforza in Mailand tätig, wo er die Sforziade schreibt. In diesem Epos wird Francesco Sforza und dessen Familie verherrlicht. Francescos Tochter Ippolita Maria Sforza ist der Tanztraktat Libro sull'arte del danzatore (um 1455) gewidmet. Der italienischer Tanzmeister und Tanztheoretiker Domenico da Piacenza ist 1455 als Tänzer und Tanzmeister am Hof der Sforza in Mailand anlässlich der Hochzeit von Tristan Sforza und Beatrice d’Este, einer illegitimen Tochter von Niccolò III. d’Este, tätig. Um 1455 veröffentlicht er seine wichtige tanztheoretische Abhandlung De arte saltandi e choreas ducendii. 1455 und 1462 ist er gemeinsam mit seinem Schüler Guglielmo Ebreo anlässlich von Festlichkeiten in Mailand bzw. Forlì erwähnt.
Kirchenstaat Der französische Sänger und Komponist Benoit, der von „1448 bis 1450 ... in der Kapelle von Leonello d’Este in Ferrara“ wirkte, ist von Dezember 1447 bis Februar 1448 und von Januar 1451 bis Oktober 1455 außerdem Mitglied der päpstlichen Kapelle. Der spanische Theologe, Historiker und Musikschriftsteller Rodrigo Sánchez de Arévalo hält sich „von etwa 1455 an ... hauptsächlich in Rom auf, wo er auch als Kastellan der päpstlichen Festung Sant’Angelo tätig“ ist.
Republik Florenz Der italienische Organist und Komponist Antonio Squarcialupi, der ab Januar 1431 Organist der Kirche Orsanmichele in Florenz war, erhält 1432 eine Anstellung als Domorganist im Dom von Florenz, die er bis zu seinem Tod im Jahr 1480 innehat. Möglicherweise hat ihm der Organist und Orgelbauer Matteo di Paola da Prato diese Stelle vermittelt. Als Orgelexperte reist er um 1437–1438 nach Volterra, 1450 nach Neapel und Siena, 1455 nach Mailand und 1467 nach Pistoia.
Königreich England Der englische Geistliche und Musiker Henry Abyngdon, der von 1447 bis 1453 clerk am Eton College war, ist vom 29. September 1455 bis 29. September 1478 der erste Master of the Children (Choristers) der Chapel Royal. Der englische Komponist John Plummer, der 1442 in Windsor tätig ist und von 1444 bis 1455 der erste ist, „der den Titel eines Warden oder Master of the Chapel Children“ trägt, wird 1449 Mitglied des Londoner Ordens Fraternity of St. Nicholas, dem Londoner Teil der Bruderschaft Guild of Parish Clerks. „1454 (oder vielleicht auch schon 1453)“ wird „ihm das Amt des Küsters an der St George’s Chapel, Windsor Castle, übertragen“. Der Komponist John Trouluffe wirkt „als Kanoniker an zwei kleinen Kirchen in Cornwall. Seine Hauptbeschäftigung aber dürfte die als Musiker in der Kapelle von Edmund Lacy, dem Bischof von Exeter, von 1420 bis 1455 gewesen sein.“
Königreich Frankreich Der Sänger Guillaume le Grain ist von 1455 bis 1456 als Sänger der Kapelle von Karl von Orléans tätig. Der flämische Komponist, Sänger und Kleriker Johannes Ockeghem, der vom 24. Juni 1443 bis zum 23. Juni 1444 als erwachsener Sänger an der Marienkirche Antwerpen unter Johannes Pullois tätig und danach in Moulins in die Dienste von Charles I. de Bourbon, Herzog von Bourbon, getreten war, ist wahrscheinlich seit 1. Oktober 1451 Sänger an der Hofkapelle des französischen Königs Karl VII. Er hat dieses Amt über 40 Jahre lang inne. Der älteste originale Zahlungsbeleg stammt aus dem Rechnungsjahr, das am 30. September 1453 endet.
Krone von Aragón Die Hofkapelle von König Alfons V. von Aragon in Neapel zählt 1444 14 Mitglieder, 1451 und 1455 sind es 21 oder 22 Mitglieder sowie ein oder zwei Organisten. Unter ihnen ragt der Komponist Pietro Oriola hervor, „einer von mehreren Spaniern, deren Anwesenheit in der königlichen Kapelle ... dieser offenbar einen ausgeprägt spanischen Charakter“ verleiht. Der Sänger und Komponist Pietro Oriola ist „am Hofe Alfons’ V. von Aragón (1416–1458) in Neapel als Sänger tätig. In den Personalverzeichnissen“ wird er im November 1441 „zum ersten Mal aufgeführt, 1444 und 1455 wird er nochmals erwähnt.“
Kompositionen und Schriften Antonio Cornazzano – Libro sull'arte del danzatore (Tanztraktat, um 1455) Domenico da Piacenza – De arte saltandi e choreas ducendii (tanztheoretische Abhandlung, um 1455)
Geboren Geboren um 1455 Jacob Barbireau, franko-flämischer Komponist († 1491) Georg Brack, deutscher Komponist, Kapellmeister und Musiktheoretiker († um 1518) Johannes Ghiselin, franko-flämischer Komponist und Sänger († zwischen 1507 und 1511) Wynkyn de Worde, englischer Buchdrucker († 1535)
Gestorben Genaues Todesdatum unbekannt Herbst: Johannes Brassart, franko-flämischer Komponist (* um 1405)
Gestorben nach 1455 Benoit, französischer Sänger und Komponist (* vor 1436) Petrus de Domarto, franko-flämischer Komponist (* vor 1445)
Siehe auch
Quellen Grove Dictionary of Music and Musicians Die Musik in Geschichte und Gegenwart
Einzelnachweise